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Container-Camp für Saisonkräfte

In manchen Zentren arbeiten zeitweise so viele Menschen für das Unternehmen, dass es sogar schwierig wird, alle unterzubringen. Entsetzt reagierten die Einwohner des 200-Seelendorfs Niederthalhausen, als im vergangenen Jahr das Gerücht die Runde machte, Amazon wolle am Ortsrand ein Container-Camp für 800 osteuropäische Saisonkräfte errichten, um sie täglich in die beiden Logistikzentren nach Bad Hersfeld zu karren. Das Camp kam nicht, die rund 4000 zusätzlichen Arbeitskräfte konnten schließlich in Feriendörfern untergebracht werden. Selbst Bürgermeister schalteten sich in die Suche nach Quartieren für Gastarbeiter ein.

Logistik-Offensive Amazon macht DHL-Packstationen Konkurrenz

New York, Seattle, London: Der Online-Händler macht seinem Unmut mit der Postzustellung Luft und baut in immer mehr Metropolen eigene Packstationen auf. Doch in Deutschland hängen die Trauben sehr hoch.

Auch in diesem Jahr scheint die Wohnungsnot groß. Drei Leiharbeiterinnen aus Polen berichteten Gewerkschafter Reimann jüngst, dass sich angeblich sieben Frauen und vier Männer eine normale Drei-Zimmer-Wohnung teilen. Jeder davon soll sieben Euro am Tag zahlen, also 210 Euro im Monat. Das würde bedeuten, dass der Vermieter insgesamt 2310 Euro für die Wohnung kassiert. Sie wurde angeblich von der Zeitarbeitsfirma Persoserve vermittelt. Eine Stellungnahme dazu war von dem Unternehmen nicht zu erhalten.

Logistik Wie das ausgeklügelte Versandnetzwerk funktioniert

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Trotz alledem: Wenn Amazon-Geschäftsführer Ralf Kleber und seine Kollegen einen neuen Standort sondieren, bricht bei Bürgermeistern, Landräten und Arbeitsamtchefs gemeinhin Euphorie und Hektik aus. Der Verkauf des Grundstücks spült in der Regel viel Geld in die Gemeindekasse. Und dann ist da noch die Hoffnung auf einen potenten Steuerzahler. Was aber vor allem zählt: Die Statistik der Arbeitsämter wird schöner - im Fall der Probejobs namens MAG zumindest zeitweise. Voll des Lobes war etwa Landrat Alexander Saftig in Koblenz: »Ein so großer Akteur verlangt natürlich nach optimalen Rahmenbedingungen, sonst geht er woanders hin. Die Vorarbeit muss auf den Punkt sitzen. Da haben unsere Wirtschaftsförderung und die Bauabteilung wirklich ganze Arbeit geleistet. Das wird dem Arbeitsmarkt der Region einen Schub geben«, ließ er die lokale Presse wissen. Mit der motivierten Kooperation der Jobvermittler kann Amazon immer rechnen. Der Konzern ist es gewohnt, dass die Ämter spezielle Stäbe bilden, die ihm bei der Personalbeschaffung behilflich sind. In Koblenz sichten sechs Angestellte der Behörde seit Monaten Bewerbungsunterlagen.

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Das Amazon-Logistik-Zentrum in Pforzheim. Quelle: dpa
Das Amazon-Logistik-Zentrum in Pforzheim. Quelle: dpa

In Graben bei Augsburg kam man Amazon mit einer ganz besonderen Investition entgegen. Vor dem Betriebsgelände wurde extra eine Haltestelle der Bahn zugesagt. Seit Kurzem ist es so weit: Die Züge stoppen quasi vorm Firmentor, der Fahrplan ist mit Amazon abgestimmt. Gekostet hat das Ganze 1,1 Millionen Euro. Den größten Teil der Summe brachten Bund und Bahn auf. Selbst die Gemeinde Graben schoss 50000 Euro zu. Amazon selbst hat hingegen keinen Cent dazu bezahlt. Der Haltepunkt war Bedingung für die Ansiedelung, wie Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil freimütig zugibt.

  • 26.11.2012, 07:50 UhrTom

    Ich bin Geschäftsführer in einer Zeitarbeitsfirma auf die die Gewerkschaften sich seit Jahren eingeschlossen haben.
    Warum solche Arbeitsverhältnisse wie bei Amazon von den Gewerkschaften nicht angegangen werden ist mir ein Rätsel. Nach BGB sind 2 Wochen Kündigungsfrist vorgesehen, Mitarbeiter erhalten Ihr Geld nicht pünktlich? Wo gibt es denn sowas? Ach ja bei Amazon! Mitarbeiter für die der Steuerzahler - das Arbeitsamt - einen erheblichen Teil des Lohns übernimmt? Das gibt es? Klar bei Amazon.
    Nun mal ehrlich, wie Blind sind die Gewerkschaften eigentlich? -Schleichen aber weiterhin um Amazon herum! Das Prektaiat befindet sich eben oft grade in großen Firmen und Weltkonzernen wieder. Der Buchhändler an der Ecke wird an die Wand gedrückt und die dortigen Beschäftigten verdienen schon sehr wenig. Bei diesem Berufsbild führt die Liebe zum Buch zu der Berufung und schließlich zum Beruf.
    Und noch etwas: In der Zeitarbeitsbranche verdienen die Mitarbeiter mindestens € 8,51/Stunde. (Einfache Helfer!)+Urlaubsgeld+Weihnachtsgeld+Zuschläge+++ Wo bleibt der Mindestlohn? Wo sind die Gewerkschaften die ewig polemisieren? Warum waren bei Schlecker so schlechte Arbeitsbedingungen? Warum sind beim Hermes (Ottoversand) so schlechte Arbeitsbedingungen? Wo ist der Aufschrei wie unsere Steuergelder in die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Amazon gesteckt werden? Glaubt der Staat wirklich, daß dadurch auch nur ein Arbeitsplatz mehr bei Amazon geschaffen wird? Amazoin braucht doch die Arbeitnehmer - auch! Aber bitte zu fairen Bedingungen. Auch das ist eine Art von Fair-Traide..

  • 26.11.2012, 08:28 UhrDie-Gewerkschaft

    amazon, Samsung, Dell, HP, alles scheinen unmenschlich zu sein. Doch was sind die Fakten, von denen auch das Handelsblatt nur einen Auszug kennt, um solch einen Beitrag zu erzeugen?

    Gewerkschaften können hervorragend kritisieren, doch selber NICHTS auf die Beine stellen, abgesehen von Streiks.

    amazon betreibt ein hervorragendes Geschäftsmodell! Wir alle lieben amazon eben genau für diese Attributen: schnell, günstig, flexibel, kulant.

    Wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen. Ausnahmen gibt es überall. amazon macht einen exzellenten Job, finde ich als Kunde. Die Gewerkschaften haben schon so viele Geschäftsmodelle kaputt geredet und selber nichts hinbekommen. OK, kaputttreten, meckern und kritisieren ist die Kernkompetenz von Gewerkschaften. Manchmal wohl auch von Medien, um nur die eigene Auflage in die Höhe zu treiben. Alles ganz ohne Eigennutz? Wer ist wohl wieder als nächstes dran? HP, Dell oder Apple?

    Wahrscheinlich Apple, weil die mindestens genau so sehr die Aufmerksamkeit erregen, wie amazon.

    Meine Meinung: Gäääähhhhn, ist Euch, liebe redaktion nichts besseres eingefallen im Weihnachtstrubel, als diese olle Kamelle? Puh, ist das langweilig. So, jetzt kommt erst mal "Handelsblat" aus meinem täglichen Reader raus.

  • 26.11.2012, 08:32 UhrRealo

    Ich bin auch völlig entsetzt, so etwas hätte ich in Deutschland nicht für möglich gehalten. Als gut verdienender Angestellter mit geregelten Arbeitszeiten und einigermaßen sicherem Job kommt mir der Bericht über Amazon vor wie eine Reportage über Arbeiter in China. Bei uns springen zwar noch keine Arbeiter von den Dächern wie bei Foxconn, aber viel fehlt da auch nicht mehr.

    Ein Skandal, dass die Regierung so etwas zulässt. Das Arbeitsrecht müsste sofort geändert werden. Hire and fire in einem solchen Ausmaß ist ja wohl überhaupt nicht zu vertreten. Kein Wunder, wenn solche Leute irgendwann mal die Ultrarechten wählen.

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