0 Bewertungen
17.12.2007 

Mit der Beteiligung an Jetblue und der angestrebten Zusammenarbeit geht Lufthansa in den USA einen Schritt, den sich die Fluggesellschaft in Deutschland und in Europa bisher nicht getraut hat: die Flugzeuge für Interkontinentalstrecken mit Passagieren einer Billigfluggesellschaft zu füllen. So gibt es zwischen dem konzerneigenen Billigflieger Germanwings und der Lufthansa selbst keinen gezielten Austausch von Passagieren. Der Tabubruch ist in den USA und mit Jetblue allerdings auch einfacher. Die 1998 gegründete Fluggesellschaft ist zwar von ihrer Kostenbasis her eine Billigfluggesellschaft, nicht aber von ihren Produkt- und Servicestandards.

Jetblue sticht im US-Inlandsverkehr mit hohem Kundenservice heraus: Während die finanzschwachen großen US-Carrier American, United oder Delta seit Jahren nicht mehr investiert haben und mit vergleichsweise alten Flugzeugen unterwegs sind, operiert Jetblue mit modernen Airbus-Jets und setzt auf ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm an Bord. Jetblue stieg deshalb in ihren Anfangsjahren zum New Yorker Kundenliebling und Börsenstar auf.

Dieser Glanz ist aber spätestens seit Februar 2007 verblasst: Heftige Schneestürme an der Ostküste reichten aus, um die allzu schlanke Jetblue-Organisation kollabieren zu lassen. Innerhalb von sechs Tagen fielen 1 100 von 3 400 Flügen aus – ein Desaster mit Folgen. Die Aktie, die Ende 2003 mehr als 25 Dollar wert war, brach ein. Jetblue-Gründer David Neeleman machte im Mai Platz für Dave Barger, der den Flugbetrieb seitdem stabilisiert und mit erfahrenen Managern verstärkt hat.

Folgen hat die transatlantische Verbrüderung auch für die drei nordamerikanischen Star Alliance-Partner von Lufthansa. Zwar kommt mit Jetblue der attraktive John-F.-Kennedy-Flughafen in New York hinzu und gibt es nur zwei Prozent Überschneidungen im Streckennetz. Doch ist Jetblue für US Airways, United Airlines und Air Canada ein Konkurrent wie Air Berlin für Lufthansa in Deutschland. Mayrhuber zeigte sich allerdings überzeugt, dass die Star Alliance-Partner den fünften im Bunde begrüßen werden: „Es ist eine Stärkung des Systems.“


Flugmarkt USA

Atlantikflüge

Die Deutsche Lufthansa ist über dem Atlantik nach British Airways die Nummer zwei. Die Verbindungen nach Nordamerika gehören wie die Langstreckenflüge nach Asien zu den Wachstums- und Ertragsbringern des Konzerns. Mit Seattle und Orlando hat Lufthansa zwei neue Ziele in den Flugplan für 2008 aufgenommen. Neben Frankfurt geht es auch noch von München und ab Mai auch von Düsseldorf nonstop in die Vereinigten Staaten.

Drehkreuz New York

Trotz der guten Position über dem Atlantik und dem Codeshare mit den Star-Alliance-Partnern United Airlines und US Airways ist Lufthansa im mit Abstand größten US-Einzelflugmarkt New York bisher kaum präsent. „Der Deal hilft Lufthansa mehr als Jetblue“, sagt Ray Neidl, Analyst bei Calyon Securities. Lufthansa besetze damit „den Fahrersitz“, um sich im weltgrößten Flugmarkt mittelfristig stärker positionieren zu können. Eine Komplettübernahme von Jetblue ist vorerst nicht möglich, da ausländische Airlines maximal 25 Prozent an US-Fluglinien besitzen dürfen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

Lufthansa dementiert Personaländerung im Vorstand  Artikel in Merkliste

Der Chef der Lufthansa-Tochter Swiss, Christoph Franz, rückt nach Angaben der Lufthansa nicht in den Konzernvorstand vor und dementierte damit einen entsprechenden Magazinbericht. Artikel


Anzeige