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18.02.2008 
Deutsche Post

Appel muss die Post neu sortieren

von Axel Granzow

Für die Deutsche Post ist die Ära Klaus Zumwinkel seit Freitag Vergangenheit; ein privates Steuervergehen wurde ihm zum Verhängnis. Sein Nachfolger wird der 46-jährige Logistikvorstand Frank Appel. Doch auf den Ziehsohn des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden kommen schwierige Entscheidungen zu - Finanzexperten erhoffen sich einen Verkauf der Postbank.

Der neue an der Post-Spitze: Frank Appel wird der Nachfolger Zumwinkels. Foto: dpaLupe

Der neue an der Post-Spitze: Frank Appel wird der Nachfolger Zumwinkels. Foto: dpa

DÜSSELDORF. 18 Jahre stand der 64-jährige Manager an der Spitze des Konzerns und formte aus der alten Behördenpost einen weltweit tätigen Logistikkonzern. Zumwinkel, einer der letzten Vertreter der Deutschland AG, stolperte über ein privates Steuervergehen und wird den Vorstandsvorsitz bei der Post und sein Amt als Aufsichtsratschef der Postbank niederlegen.

Das Ende seiner Karriere hatte er sich offenbar ganz anders vorgestellt: Zumwinkel wollte zur Bilanzpressekonferenz am 6. März seinen vorzeitigen Rückzug bekanntgeben und damit den Spekulationen über seine Zukunft den Wind aus den Segeln nehmen, hieß es in Post-Kreisen. Sein Vertrag wäre ohnehin im November ausgelaufen. Eine Sturmböe aus unerwarteter Richtung hat ihn nun von Bord gerissen.

Doch hatte Zumwinkel in Absprache mit dem Hauptaktionär Bund bereits die Weichen für eine Nachfolgeregelung gestellt. Der Generationswechsel in der Post ist voll im Gange und auch an der Spitze beschlossene Sache. Mit Frank Appel (46), dem Logistikvorstand, baute Zumwinkel seit einiger Zeit einen Nachfolger auf. Zumwinkels Ziehsohn muss nun früher antreten. Unterstützung erhält er aus dem Aufsichtsrat. Aufsichtsratschef Jürgen Weber wird wohl länger bleiben als geplant, hieß es in den Kreisen. Zumwinkels angestrebter Wechsel auf den Chefsessel des Aufsichtsgremiums kommt nach der Steueraffäre nicht mehr infrage.

Für die Post ist das möglicherweise ein Nachteil. Lobbyist Zumwinkel wollte Appel im Aufsichtsrat den Rücken stärken, vor allem in Berlin. In Kürze steht beispielsweise eine Entscheidung über das Fortbestehen der Mehrwertsteuerbefreiung der Post an, deren Abschaffung von den Wettbewerbern bislang vergeblich gefordert wurde. Anders als der Ex-Monopolist müssen sie die Steuer berechnen.

Ob der Aufsichtsrat bereits heute auf seiner Sondersitzung die Vorstands-Personalie absegnet oder sich noch bis zur nächsten ordentlichen Sitzung am 4. März Zeit für Beratungen nimmt, ist noch offen, heißt es in Post- Kreisen. Möglicherweise will sich der Bund, der als Hauptaktionär im Aufsichtsrat sitzt, nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Finanzkreise erhoffen sich den Verkauf der Postbank.

Zweifel an Appels Integrität spielen dabei offenbar keine Rolle. Auch wenn kurz vor der Sitzung ein Aktiendeal Appels bekanntwurde. Doch lag der zeitlich vor der Einführung des Mindestlohns. Zumwinkel hatte ebenfalls Aktien verkauft, aber nach der Einführung des Mindestlohns, die zu stark steigenden Kursen geführt hatte. Dieses Verhalten war in Berlin heftig kritisiert worden. Berlin hatte bereits signalisiert, dass "alles auf Frank Appel hinausläuft". Er hat zudem die Unterstützung der Arbeitnehmerseite und der Gewerkschaft Verdi. Auch Weber soll hinter ihm stehen.

Appel wird wohl auch den Posten von Zumwinkel im Aufsichtsrat der Postbank übernehmen. Finanzkreise versprechen sich von dem promovierten Neurobiologen, dass er die nicht zum Kerngeschäft Logistik und Brief passende Postbank rasch verkauft. Denn Banker und Bundesregierung wollen die deutsche Bankenlandschaft neu ordnen. Die Postbank spielt dabei eine zentrale Rolle. Zumwinkel galt als Bremser, weil er sich gegen den Verkauf stemmte. Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Die Postbank gilt im Konzern als Ertragsbringer und half, die schwachen Ergebnisse vor allem der Express-Sparte zu kaschieren. Den Aktionären winkt nach dem Verkauf eine satte Sonderdividende.

Für Appels Posten als Logistikchef ist eine interne Lösung geplant. Im Gespräch sind mit Hermann Ude (Landtransport), Bruce Edwards (Kontraktlogistik) und Chris Fahy (Luft- und Seefracht), drei Manager aus der zweiten Ebene. Doch laut Appel ("First things first") besteht hier keine Eile. Denn zunächst muss er eine Lösung für das defizitäre US-Expressgeschäft finden. Es gilt als Milliardengrab. Partnerschaften und ein Teilrückzug sind im Gespräch. Ein Verzicht nach dem Vorbild der niederländischen TNT ist nicht geplant.

Im Briefgeschäft, das nach wie vor den Löwenanteil zum Gewinn beisteuert, hat die Post durch den Mindestlohn zwar Zeit gewonnen. Er hält den Wettbewerb zunächst auf Distanz. Doch muss die Post ihre Effizienz und ihren Service klar verbessern, um nicht auf Dauer hohe Ergebniseinbußen zu erleiden.

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