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Arbeitsmarkt: Zeitarbeit korrigiert ihr Ausbeuter-Image

Der Aufschwung ist da, die Zeitarbeit boomt, in Deutschland gibt es bald so viele Leiharbeiter wie nie zuvor. Nun fürchtet die Branche, dass schärfere Gesetze aus Berlin den Boom bremsen, und forciert eine Selbstreinigung.

Fast nahtlos fallen die Arbeitnehmerverleiher von einem Extrem ins andere: erst Krise, Kurzarbeit und Personalabbau, jetzt Personalmangel und Auftragsschwemme. Quelle: dpa
Fast nahtlos fallen die Arbeitnehmerverleiher von einem Extrem ins andere: erst Krise, Kurzarbeit und Personalabbau, jetzt Personalmangel und Auftragsschwemme. Quelle: dpa

In den vergangenen Wochen haben wir 1100 Arbeitnehmer eingestellt", sagt Marcus Schulz. "Aber wir hätten auch 2000 genommen." Der Geschäftsführer des sechstgrößten deutschen Zeitarbeitsunternehmens USG People Germany beschreibt, was die gesamte Branche derzeit erlebt. Fast nahtlos fallen die Arbeitnehmerverleiher von einem Extrem ins andere: erst Krise, Kurzarbeit und Personalabbau, jetzt Personalmangel und Auftragsschwemme. Volker Enkerts, Präsident des Bundesverbands Zeitarbeit (BZA), jubelt: "Die Branche erfüllt eine ihrer Kernfunktionen, nämlich boomende Industrien schnell und flexibel mit passenden Fachkräften zu versorgen und Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu holen. Zeitarbeit ist damit eine tragende Säule des Aufschwungs."

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Tatsächlich hat die Zeitarbeit ihre erste große Bewährungsprobe seit der Liberalisierung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes 2003 eigentlich glänzend bestanden. Dessen Ziel war, mit Leihjobs den Einsatz von Arbeitskräften für die Unternehmen flexibler zu machen. Automobilindustrie, Maschinenbau, aber auch viele andere Wirtschaftszweige bauten denn auch im Schock des Konjunktureinbruchs 2008 und 2009 zuerst ihre Leiharbeiter-Truppen rapide ab und passten so zumindest teilweise die Produktionskosten der sinkenden Nachfrage an. In nur sechs Monaten - von September 2008 bis März 2009 - stürzte die Zahl der in Deutschland beschäftigten Zeitarbeitskräfte von mehr als 800.000 auf rund 580.000.

Ähnlich schnell geht es nun wieder bergauf. Nur ein Jahr - von Juni 2009 bis Juni 2010 - brauchte die Branche, um ihre Belegschaft um ein Drittel aufzustocken. Aus rund 600.000 wurden wieder gut 800.000 Beschäftigte. Dank des Aufwärtstrends im Juli ist das neue Allzeithoch erreicht: Derzeit dürften rund 850.000 Menschen bei Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt sein - mehr als je zuvor in Deutschland. Der bisherige Höchststand stammt mit 823.000 aus dem Juli 2008.

Flexibilität teuer erkauft

Doch anstatt zu feiern, ist die Stimmung bei den Wortführern der Zeitarbeitsbranche gedämpft. "Wir sind die einzige Branche, die sich für Höchstleistungen entschuldigt", sagt sarkastisch ein Verbandsoberer. Denn kaum eine Branche steht so in der öffentlichen Kritik wie die Zeitarbeit. Sei es aufgrund der Kündigung von Mitarbeitern, die von unternehmenseigenen Zeitarbeitsfirmen zu schlechteren Konditionen wieder eingestellt werden. Sei es durch die Tatsache, dass Zeitarbeit bei manchen Unternehmen auf Dauer feste Stellen ersetzt und Kollegen am Band jahrelang das Gleiche machen, aber unterschiedlich bezahlt werden. Daher droht der Branche eine stärkere Regulierung durch die Politik.

Um das zu verhindern, fordern immer mehr Zeitarbeitsunternehmer und-manager eine fundamentale Selbstreinigung ihrer Zunft und sagen, dass nur der unbequeme Weg einer konsequenten Abkehr von Lohndrückerei und Sozialdumping aus dem Dilemma heraushilft.

Zum einen wird der Branche Missbrauch gesetzlicher Schlupflöcher zulasten der Beschäftigten angekreidet. Besonders das Abdrängen regulär Beschäftigter in schlechter bezahlte Leiharbeitsverträge - bekannt geworden durch die Drogeriemarktkette Schlecker und das ihr nahestehende Zeitarbeitsunternehmen Meniar - empört seit vergangenem Herbst die Republik (WirtschaftsWoche 47/2009).

Zum anderen fragen Gewerkschaften und Politiker aller Parteien, ob die Flexibilität, die den Unternehmen und dem Arbeitsmarkt nützt, nicht zu teuer erkauft ist.

  • 17.08.2010, 14:20 UhrLepke

    @Hansi
    Das Problem sind nicht die Zeitarbeitsfirmen, sondern die Unternehmen.
    Kleines beispiel eine Zeitarbeitsfirma (ing. Dienstleister) war bereit mir 40.000 Euro (plus Urlaubs und Weihnachtsgeld) zu zahlen, bei Festanstellung bei der Zeitarbeistfirma. Der Kontrakt den sie mit der suchenden Firma hatten war auf 5 Jahre ausgelegt. Da die Arbeitsverträge imho dort haarscharf am rechtlich möglichen lagen, kam es meinerseits zu einer Anfrage bei der Firma, wie es dort mit einer Anstellung aussieht, da ich wieder nach D-land zurück wollte. Die Antwort ja aber nur auf zwei Jahre befristet und für 30.000 Euro, wobei alle Leistungen wie Überstunden damit schon abgegolten waren.
    So die Frage ist doch warum ist die Firma bereit der Zeitarbeitsfirma das Doppelte zu bezahlen, denn die Vergütung der Vermittlungsleistung liegt wohl bei einem Drittel des Jahresgehaltes, und den potentiellen AN mit einem "butterbrot" und einer zweijährigen befristung abzuspeisen.
    Da liegt das Problem doch bei den Firmen.
    Daher bin ich immer noch in Canada und werde von meinem AG gehegt und gepflegt.

  • 17.08.2010, 14:20 UhrDenkerist

    Ja Sklavenhändler gehören abgeschafft.
    Eine Alternative wäre der Vorschlag der Linken: bezahlung 10% über dem, was an diesem Arbeitsplatz vorher gezahlt wurde, bzw. an vergleichbaren gezahlt wird. Dann wäre es wirklich nur zur Abdeckung von Spitzen.

    So ist es aber nur ein System für Lohndumping.

    Und ein Ergebnis der Sklaverei ist, daß ja nur ausgebildete Fachkräfte vermittelt werden. Richtig ausgebildet wird nicht (nur zum Schein, fürs Amt, um die Förderung mitzunehmen) und so kommt es eben zum angeblichen Fachkräftemangel.

    Nieder mit dieser Sklaverei!

  • 17.08.2010, 12:48 UhrHansi

    Zeitarbeit gehört verboten - ohne wenn und aber. Das ist Sklavenhandel, bzw. Arbeitnehmer-Zuhälterei, nichts weiter.
    Einer der grossen politischen Sündenfälle unserer Zeit, meiner Meinung nach noch zerstörerischer für unsere Gesellschaft als Hartz iV.

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