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02.03.2006 
Versorgung auf dem Land gefährdet

Arznei-Sparpaket bringt Apotheker in Nöte

von Anna Sleegers

Das vom Bundestag verabschiedete Arzneimittelsparpaket ruft die Apotheker auf dem Plan. Da der vorgesehene Wegfall der Einkaufsrabatte auf rezeptpflichtige Arzneien nur durch das Geschäft mit rezeptfreien Produkten ausgeglichen werden kann, sehen sich vor allem kleine Apotheken existenziell bedroht.

FRANKFURT. „Auf dem Land kann das zu Versorgungsengpässen führen“, sagt Peter Homann, Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbands. Seit Jahren tragen die großen Hersteller patentfreier Nachahmerpräparate (Generika) den Wettbewerb vor allem über Rabatte aus. Das kann zum Beispiel so aussehen: Der Apotheker ordert bei Hexal, Ratiopharm oder Stada vier Packungen eines Medikaments und erhält die fünfte Packung gratis. Der Krankenkasse darf er bislang alle fünf Pakete in Rechnung stellen, wodurch sich sein Gewinn erhöht. Je nach Verhandlungsgeschick und Abnahmemenge variiert das Verhältnis zwischen bezahlten und gratis gelieferten Packungen nach Informationen aus der Branche erheblich.

Nach dem Willen der Regierung müssen die Apotheker diesen Rabattvorteil künftig an die Krankenkassen weitergeben. Ob diese Regelung den Kassen zugute kommt, ist jedoch zweifelhaft, weil Rabatte den Generikafirmen künftig keinen Wettbewerbsvorteil mehr verschaffen. „Wieso sollten wir die Rabattschlacht weiterführen?“, fragt ein hochrangiger Manager einer Generika-Firma. Die großen Anbieter sehen den Wegfall daher als Entlastung.

Für die Apotheker, die den branchenüblichen Rabattvorteil fest einkalkuliert haben, ist die Neuregelung dagegen ein Drama. „Der Rohgewinn der Apotheker sinkt dadurch im Schnitt um zehn Prozent“, schätzt Matthias Rudolph, Besitzer der Pinguin-Apotheke in Wuppertal. Die einzige Möglichkeit, die den Apothekern bleibe, seien Einsparungen beim Personal.

Apotheken, die weniger als eine Million Euro im Jahr umsetzen, hätten künftig kaum eine Überlebenschance, pflichtet ihm Petra Dembinski bei, die mit ihrem Mann die AEZ-Apotheke in Essen betreibt. „Wenn das große Apothekensterben ausbleibt, liegt das vor allem daran, dass die Apotheker nicht ohne weiteres aus ihren Mietverträgen kommen“, sagt sie.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verband teilt Aufregung nicht.

Rudolph und Dembinski fühlen sich von ihrem Verband im Stich gelassen. Sie werfen dem Branchenverband ABDA vor, er unternehme zu wenig dagegen, dass die Kassen zu Lasten der Apotheker entlastet werden sollen. Im Gegensatz zu den Spitzenorganisationen der Ärzte und Pharmahersteller, die im Januar ihre kritischen Stellungnahmen zu dem Gesetzentwurf veröffentlichten, hält sich der Apothekerverband mit Kritik bislang zurück. „Das war eine verbandspolitische Entscheidung“, sagte eine ABDA-Sprecherin.

Die Aufregung einzelner Apotheker teilt der Verband offenbar nicht. „Es ist noch nicht abzusehen, wie die Hersteller auf die neue Gesetzeslage reagieren“, sagt Homann, der selbst zwei Apotheken in der hessischen Kleinstadt Schlüchtern betreibt. Die wirtschaftlichen Folgen seien daher noch nicht abzuschätzen. „Zwischen den Generikafirmen herrscht aber weiterhin scharfe Konkurrenz, daher wird ihnen schon etwas Neues einfallen“, gibt er sich gelassen.

Denkbar wäre etwa, dass sie den Apothekern künftig höhere Rabatte auf rezeptfreie Präparate gewähren, wenn sie große Mengen rezeptpflichtiger Medikamente bestellen. Doch auch dabei drohten kleinere Anbieter ins Hintertreffen zu geraten, weil sie mangels Einkaufsmacht keine gute Verhandlungsposition hätten. Sein Fazit: „Leider gibt es im Gesundheitswesen keine Bestandgarantien mehr, auch nicht für Apotheken.“

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