Muss sich der Pharma-Vertrieb umstellen, wenn die Kette kommt?
Als große Spieler auf der Abnehmerseite könnten Apothekenketten direkt – also unter Umgehung des Großhandels – bei der Pharmaindustrie Waren beziehen. Der Außendienst der Hersteller, der bislang die einzelnen Apotheken besuchte, muss sich daher für den Umgang mit großen Abnehmern im Apothekenmarkt neu aufstellen. „Der Einkauf der Apothekenketten wird zentralisiert und entsprechend werden auf Unternehmensseite zentrale Ansprechpartner wie Key-Account-Manager nötig“, sagt IMS-Berater Huber. Der Key-Account-Manager kümmert sich um die Belange und Bedürfnisse des strategisch wichtigen Großkunden und sorgt dafür, dass diese im eigenen Unternehmen möglichst erfüllt werden.
Haben Apothekenketten auch Konsequenzen fürs Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten?
Für Peter Homberg sorgt die Preisfestsetzung bei rezeptpflichtigen Medikamenten durch die Arzneimittelverordnung dafür, dass sich das freie Spiel der Marktkräfte nicht wirklich entfalten kann. Experten sehen nur eine Möglichkeit für mehr Wettbewerb: Wie im Fall der Generika, der günstigen Nachahmerprodukte, müsste nicht das Medikament sondern der Wirkstoff verschrieben werden. Dann könnten auch die Konditionen für rezeptpflichtige Medikamente zum Verhandlungsgegenstand zwischen Apothekenketten und der Pharmaindustrie werden.
Also steht auch die Pharmaindustrie vor harten Zeiten?
Am besten dürften in diesem Zukunfts-Szenario mit Apothekenketten die Hersteller von innovativen patentgeschützten Medikamenten dastehen. Diese nämlich verschreibt der Arzt und der Preis ist festgelegt. Bleibt die Frage, in welcher Apotheke der Patient das Rezept dann am liebsten einlöst.
Bis zur Liberalisierung gibt es noch viel zu entscheiden
Großer Markt
Der deutsche Arzneimittelmarkt ist nach den USA und Japan der drittgrößte der Welt. Er ist gesetzlich stark geregelt. Apotheken dürfen maximal vier Filialen besitzen (Mehrbesitzverbot), Kapitalgesellschaften keine Medikamente verkaufen (Fremdbesitzverbot). Beide Verboten müssten fallen, damit Apothekenketten entstehen können.
Rechtslage
Über das Fremdbesitzverbot wird der Europäische Gerichtshof dieses oder nächstes Jahr entscheiden. Hinsichtlich des Mehrbesitzverbots läuft ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Deutschland. Die Bundesregierung hat die EU-Kommission gebeten, zunächst die EuGH-Entscheidung abwarten.

