Zu den von Kleinaktionären auf der Hauptversammlung ausgesprochenen und aus Aufsichtsratkreisen verlauteten Rücktrittsforderungen wollte Ötsch im Gespräch mit dem Handelsblatt nicht explizit Stellung nehmen. "Nur so viel: Wenn Austrian Airlines in einer prekären wirtschaftlichen Situation wäre und dies mein Verschulden wäre, dann würde ich reagieren. Da dies jedoch nicht der Fall ist, sehe ich keinen Grund, meinen Vertrag nicht zu erfüllen." Die eingeschlagene Strategie, sich als Qualitätsairline zu etablieren und im Osteuropaverkehr zu wachsen, werde unabhängig von Eigentümerfragen weiter verfolgt, sagte Ötsch.
Als wahrscheinlichster strategischer Käufer einer voll privatisierten Aua gilt Lufthansa
. Dem Aua-Vorstand gehören neben Ötsch noch Peter Malanik als operativer Chef und Andreas Bierwirth als Vertriebsvorstand an. Beide Manager haben einen engen Draht zu Lufthansa
. Malanik ist Chairman des Aufsichtsrats des von Lufthansa
angeführten Luftfahrtbündnisses Star Alliance. Bierwirth war zuletzt Marketingchef bei Lufthansa
.
Das aktive Interesse der Deutschen an Aua ist aber nicht sehr groß. Über die Star Alliance stimmt Lufthansa
bereits Flugrouten ab, die Meilenprogramme sind kombiniert, und im technischen Bereich gibt es ein Joint Venture. Lufthansa
würde unter Zugzwang kommen, wenn Konkurrenten wie Air France-KLM oder Aeroflot die Österreicher als Kaufkandidaten entdecken.
Das könnte einen Bieterstreit entzünden. Ulrich Horstmann von der Bayern LB hält einen Kaufpreis von bis zu sieben Euro pro Aktie für möglich, was ein ordentlicher Aufschlag wäre. Derzeit notiert die Aua-Aktie bei 4,40 Euro. Mit einem Kaufpreis von 602 Mill. Euro wäre es die nach Air France-KLM im Jahr 2003 zweitteuerste Übernahme in der europäischen Luftfahrtgeschichte. Für Swiss hatte Lufthansa
2005 nur 300 Mill. Euro gezahlt.

