0 Bewertungen
23.07.2007 
Europa-Expansion

Bahnbusse rollen bald in Dänemark

von E. Krummheuer

DB-Stadtverkehr, die Bus-Sparte der Deutschen Bahn, übernimmt den Busbetrieb in Jütland. Doch das ist nur der Anfang: Weitere Aufkäufe in Europa sind geplant – und nicht so risikoreich wie die Beteiligung an Ausschreibungen. Ziel ist es, zu einem der drei kontinentalen Top-Anbieter aufzusteigen.

Bahnchef Hartmut Mehdorn kritisiert den Einstieg ausländischer Nahverkehrsunternehmen in den deutschen Markt. Foto: dpaLupe

Bahnchef Hartmut Mehdorn kritisiert den Einstieg ausländischer Nahverkehrsunternehmen in den deutschen Markt. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Nach mehreren vergeblichen Anläufen steht die Bus-Sparte der Deutschen Bahn vor einem ersten Einstieg in einen Auslandsmarkt. Die DB Stadtverkehr will ein mittelständisches Busunternehmen in Dänemark übernehmen. Es soll gewissermaßen die Speerspitze sein, um sich an bevorstehenden größeren Ausschreibungen im Lande zu beteiligen. Im europäischen Linienbus-Geschäft will die Bahntochter neben etablierten Playern wie Arriva, First Keolis und Veolia (früher Connex) mittelfristig ganz oben mitmischen.

Einem dänischen Pressebericht zufolge wird die in Kiel ansässige DB-Stadtverkehr-Tochter Autokraft zum Monatsende in Mitteljütland die bisher in Familienbesitz befindliche Pan Bus übernehmen. Das Unternehmen betreibt Liniendienste in der Stadt Viborg und im Umland bis hinein in die Region Aarhus, die neben Kopenhagen zweitwichtigstes Wirtschaftszentrum des Landes ist. Pan Bus fährt mit knapp 60 Bussen rund 8 Mill. Euro Umsatz ein. Stadtverkehr–Geschäftsführer Hermann Graf von der Schulenburg wollte auf Anfrage das Geschäft zwar nicht im einzelnen bestätigen, sagte aber: „Wir stehen kurz vor dem Abschluss“.

Über eine 2006 gegründete Tochter hatte die Bussparte 2006 vergeblich versucht, bei einer Ausschreibung in Aarhus zum Zuge zu kommen. Auch scheiterte sie an einer Übernahme der zum Verkauf stehenden Veolia Transport Danmark: Bei dieser war die britische Arriva schneller. Im Schienenverkehr in Dänemark hatte auch die Schwester DB Regio keinen Erfolg: Bei einer Ausschreibung für den Nahverkehr beiderseits der Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö in Schweden blieben die Deutschen nur zweiter Sieger.

Die Übernahme der Pan Bus ist für DB-Stadtverkehr nur ein kleiner Fisch. Mit ihren 22 Regionalbusgesellschaften in Deutschland sowie mit den S-Bahnen in Hamburg und Berlin macht die Konzerntochter im Jahr etwa 1,8 Mrd. Umsatz. Mit 4 300 eigenen Bussen und 6 000 weiteren von Subunternehmern ist sie größtes deutsches Busunternehmen und damit bereits sechstgrößter Anbieter in Europa. Über das noch aufzubauende Auslandsgeschäft strebt sie nach Worten Schulenburgs nun an, „zu den drei Top-Anbietern in Europa zu gehören.“

Neben Dänemark habe sich DB Stadtverkehr auch in anderen europäischen Ländern an Ausschreibungen von Firmenverkäufen beteiligt, jedoch bisher ohne Erfolg. Die Auslandsstrategie ist für die Bahntochter wichtig, weil ihr eine weitere Expansion auf dem Heimatmarkt weithin verwehrt ist. So äußerte das Kartellamt in der Vergangenheit wiederholt Bedenken, wenn DB Stadtverkehr bei lokalen Busbetreibern ins Geschäft kommen wollte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Den Schritt ins Ausland halten Verkehrsexperten der Beraterbranche für folgerichtig.

„Ein großer Teil des deutschen Marktes ist für uns deshalb nicht zugänglich“, so Karl-Friedrich Rausch, Personenverkehrsvorstand des Bahn-Konzerns. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte kritisiert, dass die großen ausländischen Nahverkehrsunternehmen ungehindert in die deutschen Märkte vordringen könnten, während die Wettbewerbshüter bei Bahn-Töchtern eine Markt beherrschende Stellung annähmen.

Den Schritt ins Ausland halten Verkehrsexperten der Beraterbranche für folgerichtig. „Das ist eine kluge Strategie“, kommentierte Dirk Rompf von Oliver Wyman (früher Mercer Management Consulting) das Dänemark-Geschäft der Bahn. Im Ausland sei es sinnvoll, mit Übernahmen in den Markt einzusteigen: „Damit hat man vor Ort eine Basis, auf der man aufbauen kann, vor allem mit heimischen Experten, die mit den lokalen Verhältnissen vertraut sind“, sagte Rompf weiter.

Der Einstieg über Akquisitionen sei „eine sinnvolle Alternative zu aufwändigen und risikobehafteten Ausschreibungen“, sagte auch Dieter Schneiderbauer, Verkehrsfachmann von Booz Allen Hamilton. Es sei das übliche Vorgehen bei Internationalisierungsstrategien, von anderen Nahverkehrskonzernen weltweit erprobt. Dass DB Stadtverkehr zu den Top-Playern in Europa werde, sei „letztlich nur eine Frage des Geldes und der Zeit“. Halb so groß wie die ganz Großen sei die Bahntochter in punkto Umsatz jetzt schon.


Auf Auslandstrip

Märkte: Mit der Liberalisierung des Verkehrsmarkts in der EU eröffnen sich für große Busbetreiber völlig neue Perspektiven. DB Stadtverkehr will im Ausland über Zukäufe lokaler und regionaler Bus-Gesellschaften wachsen.

Doppelstrategie: Als Europäische Plattformstrategie ist geplant, nach und nach in den Metropolregionen präsent zu sein. Daneben verfolgen die einzelnen Busgesellschaften eine Grenzgürtelstrategie: Sie versuchen, von ihren Regionen aus über die deutsche Grenze hinaus Aufträge für Linienverkehr zu ergattern.

Konzernverbund: Von den echten Bahnern früher eher geringschätzig als „Gummi-Eisenbahner“ bezeichnet, sehen sich die Bus-Leute der Bahn heute als Teil der integrierten Verkehrsleistung des Gesamtkonzerns. So werden bei Ausschreibungen von Schienenleistungen zuweilen zusätzlich auch Bus-Dienste im Anschluss an den Zug angeboten.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

Mr. Apple bittet wieder zur Audienz  Artikel in Merkliste

Der Apple-Gründer Steve Jobs stellt am Dienstag in San Francisco neue Produkte vor – und seine Fitness unter Beweis Artikel


Anzeige