„Ein großer Teil des deutschen Marktes ist für uns deshalb nicht zugänglich“, so Karl-Friedrich Rausch, Personenverkehrsvorstand des Bahn-Konzerns. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte kritisiert, dass die großen ausländischen Nahverkehrsunternehmen ungehindert in die deutschen Märkte vordringen könnten, während die Wettbewerbshüter bei Bahn-Töchtern eine Markt beherrschende Stellung annähmen.
Den Schritt ins Ausland halten Verkehrsexperten der Beraterbranche für folgerichtig. „Das ist eine kluge Strategie“, kommentierte Dirk Rompf von Oliver Wyman (früher Mercer Management Consulting) das Dänemark-Geschäft der Bahn. Im Ausland sei es sinnvoll, mit Übernahmen in den Markt einzusteigen: „Damit hat man vor Ort eine Basis, auf der man aufbauen kann, vor allem mit heimischen Experten, die mit den lokalen Verhältnissen vertraut sind“, sagte Rompf weiter.
Der Einstieg über Akquisitionen sei „eine sinnvolle Alternative zu aufwändigen und risikobehafteten Ausschreibungen“, sagte auch Dieter Schneiderbauer, Verkehrsfachmann von Booz Allen Hamilton. Es sei das übliche Vorgehen bei Internationalisierungsstrategien, von anderen Nahverkehrskonzernen weltweit erprobt. Dass DB Stadtverkehr zu den Top-Playern in Europa werde, sei „letztlich nur eine Frage des Geldes und der Zeit“. Halb so groß wie die ganz Großen sei die Bahntochter in punkto Umsatz jetzt schon.
Auf Auslandstrip
Märkte: Mit der Liberalisierung des Verkehrsmarkts in der EU eröffnen sich für große Busbetreiber völlig neue Perspektiven. DB Stadtverkehr will im Ausland über Zukäufe lokaler und regionaler Bus-Gesellschaften wachsen.
Doppelstrategie: Als Europäische Plattformstrategie ist geplant, nach und nach in den Metropolregionen präsent zu sein. Daneben verfolgen die einzelnen Busgesellschaften eine Grenzgürtelstrategie: Sie versuchen, von ihren Regionen aus über die deutsche Grenze hinaus Aufträge für Linienverkehr zu ergattern.
Konzernverbund: Von den echten Bahnern früher eher geringschätzig als „Gummi-Eisenbahner“ bezeichnet, sehen sich die Bus-Leute der Bahn heute als Teil der integrierten Verkehrsleistung des Gesamtkonzerns. So werden bei Ausschreibungen von Schienenleistungen zuweilen zusätzlich auch Bus-Dienste im Anschluss an den Zug angeboten.

