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Beginn des Verfahrens: Arcandor-Insolvenz wohl ab Dienstag

Nach der Vorlage aller Gutachten soll voraussichtlich am kommenden Dienstag (1. September) das Insolvenzverfahren für Arcandor eröffnet werden. Dann könnte Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick abtreten. Ein erster Konflikt bahn sich schon an: Bayern pocht auf eine eigene Transfergesellschaft für den Versender Quelle.

Noch-Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick könnte mit Eröffnung des Arcandor-Insolvenzverfahrens am Dienstag offiziell zurücktreten. Quelle: dpa
Noch-Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick könnte mit Eröffnung des Arcandor-Insolvenzverfahrens am Dienstag offiziell zurücktreten. Quelle: dpa

HB ESSEN/DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Das Essener Amtsgericht muss dazu die Verfahren für insgesamt rund 40 Einzelgesellschaften eröffnen, darunter für die Holding Arcandor AG in Essen und die wichtigsten Töchter Karstadt Warenhaus und Primondo.

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Damit fällt auch das Insolvenzgeld weg, das drei Monate lang von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt wurde, und die Gesellschaften müssen sich finanziell selbst tragen. In der ersten Novemberhälfte sollen die Gläubigerversammlungen stattfinden, denen die Sanierungskonzepte vorgelegt werden.

Beobachter rechnen damit, dass Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum Anlass nehmen könnte, das Unternehmen zu verlassen. Eick hatte erst vor einem halben Jahr die Nachfolge von Thomas Middelhoff angetreten. Der ehemalige Telekom-Manager Eick ist für diesen Fall gut abgesichert. Die Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim haben ihn für seinen insgesamt über fünf Jahre laufenden Vertrag die Summe von zehn bis 15 Mio. Euro garantiert.

Im Tauziehen um eine Transfergesellschaft für Beschäftigte des zahlungsunfähigen Versandhändlers Quelle bringt die bayerische Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) für die rund 1800 Mitarbeiter im Freistaat eine eigene Beschäftigungsfirma ins Spiel. „Nur bei einer bayerischen Transfergesellschaft ist es uns möglich, unkompliziert staatliche Mittel beizusteuern“, sagte Haderthauer am Freitag zur Nachrichtenagentur Reuters. Nur so sei sichergestellt, dass genügend Geld da sei. „Ich halte es für unrealistisch, dass sich bei einer Bundes-Transfergesellschaft die betroffenen Länder ebenso finanziell beteiligen wie Bayern, da es bei ihnen wesentlich weniger von der Freistellung Betroffene gibt.“ Die Höhe des Zuschusses sei derzeit noch nicht absehbar. Bayern könnte aber etwa die Hälfte der Verwaltungskosten übernehmen, sagte sie.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hatte angekündigt, rund 3700 der 10 500 Arbeitsplätze bei Quelle und der Dachgesellschaft Primondo zu streichen. Zu einem wesentlichen Teil ist der Abbau bedingt durch die geplanten Schließung der 109 Quelle-Technikcenter, wovon etwa auch Außendienst- und Vertriebsmitarbeiter betroffen sind. Mit einem Abschluss der Gespräche über einen Interessenausgleich und Sozialplan sei möglicherweise im Laufe des September zu rechnen, sagte der Sprecher von Görg. Erst wenn klar sei, welche Mitarbeiter mit welchen Ansprüchen betroffen seien, stünden auch die Kosten für die Transfergesellschaft fest und damit auch, welchen öffentlichen Zuschuss Quelle benötige.

Auch bei der Warenhaustochter des insolventen Arcandor-Konzerns drohen Einschnitte. Görg hat 19 der 126 Waren- und Sporthäuser zur Disposition gestellt. Derzeit führt er Gespräche mit Dienstleistern, Lieferanten, Vermietern und Arbeitnehmervertretern, um die Möglichkeiten für Sanierungsbeiträge auszuloten. Wenn die Eckpunkte klar seien, könne gesagt werden, welche Filialen wirtschaftlich weiterbetrieben werden können, sagte Görgs Sprecher. Erst danach soll es einen Bieterwettbewerb geben - für alle verbliebenen Häuser zusammen. Einen Vorabbericht der „Neue Ruhr Zeitung“, wonach die Karstadt-Mitarbeiter auf 20 Prozent ihres Gehalts verzichten sollen, bezeichnete der Sprecher als falsch. Die Gespräche über einen möglichen Beitrag der Mitarbeiter würden zudem mit ihren gewählten Vertretern geführt.

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