Amerikanische und japanische Geschäftsleute reiben sich verwundert die Augen, wenn sie in Frankfurt oder München landen – und dann noch Richtung Berlin umsteigen müssen. Die deutsche Hauptstadt hat zwar drei Flughäfen, doch Interkontinentalverbindungen sind Mangelware – auch nach der Einrichtung von Direktverbindungen von Delta und Continental, die seit Mai bzw. ab Juli tägliche Flüge nach New York offerieren.
BERLIN. Kurz nach der Wende wollten die Berliner zum großen Sprung nach vorn ansetzen, doch die Berliner Über-Flieger landeten unsanft auf dem Bauch. Die Pläne für einen internationalen Großflughafen gehen in die 90er Jahre zurück. Politische Querelen und tausendfache Bürgereinsprüche sorgten aber dafür, dass stattdessen drei kleine Airports auf betrieben werden: der Berlin Brandenburg Airport in Schönefeld, der Berlin International Airport in Tegel und das 81jährige Flughafen-Fossil Tempelhof.
Der neue Großflughafen „Berlin Brandenburg International“ (BBI) auf dem Gelände des jetzigen Flughafens Schönefeld soll nun 2011 eröffnet werden. „Das Bundesverwaltungsgericht hat für das erste Halbjahr 2006 eine Entscheidung in Aussicht gestellt“, gibt sich Flughafensprecher Ralf Kunkel optimistisch.
Im Augenblick graben sich allerdings noch fleißige Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege durch den märkischen Sand – auf der Suche nach Tonscherben aus der Slawenzeit. Immerhin entwickelt sich vor allem Schönefeld dynamisch. Der rasante Wachstumsschub ist aber den Low-Cost-Carriern zu verdanken. Der Anteil der besonders preisbewussten Passagiere an der Zahl der Gesamt-Reisenden auf rund 34 Prozent angewachsen. Tendenz weiter steigend.
Insgesamt 14,9 Millionen Passagiere verzeichneten die Berliner Flughäfen 2004, davon in Schönefeld 3,4 Millionen. Das Wachstum betrug in der Hauptstadt stolze 11,8 Prozent wovon ein erheblicher Teil auf die No-Frills-Airlines in Schönefeld (Easyjet und Germanwings) und Tegel (Air Berlin) geht.

