0 Bewertungen
23.11.2007 
Gespräche zwischen Lufthansa und Tui offenbar weit fortgeschritten

Blockbildung am deutschen Himmel

Die Konsolidierung der deutschen Fluggesellschaften geht in die letzte Runde. Mit der geplanten Fusion der Lufthansa -Billigflugtochter Germanwings mit Tuifly wäre die Blockbildung in Deutschland in die Lager Deutsche Lufthansa (mit Germanwings und Tuifly) sowie Air Berlin (mit DBA, LTU und Condor) abgeschlossen. Die Gespräche zwischen der Lufthansa und Tui sind indes offenbar weiter fortgeschritten als bislang bekannt.

Tuifly weckt Interesse bei der Lufthansa-Tochter Germanwings. Foto: apLupe

Tuifly weckt Interesse bei der Lufthansa-Tochter Germanwings. Foto: ap

tak/ek/HB DÜSSELDORF. Die Gespräche mit Tui über eine Fusion der Fluglinien Germanwings und Tuifly sind laut "Süddeutsche Zeitung" bereits weit gediehen. Die Zeitung schreibt am Freitag unter Berufung auf Branchenkreise, Lufthansa und Tui wollten nach einer Fusion jeweils 40 Prozent an dem neuen Unternehmen halten. 20 Prozent solle der Eurowings -Mehrheitseigner Albrecht Knauf erhalten. Am Freitag setzten sich Lufthansa-Aktien zu Handelsbeginn mit einem Anstieg von 1,12 Prozent auf 17,98 Euro an die Dax-Spitze.

Am Donnerstag hatten Analysten die offiziell von Lufthansa und Air Berlin noch nicht bestätigten Fusionspläne begrüßt. Die Aktien der beiden Konzerne hatten leicht zugelegt. "Ein Zusammengehen wäre positiv zu bewerten. Sowohl Air Berlin als auch Lufthansa würden profitieren“, sagte Uwe Weinreich von Unicredit. Tuifly würde als dritte und preisaggressive Kraft vom Markt verschwinden. Ein Duopol wäre die Folge. Per-Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg sagte, eine Konsolidierung des fragmentierten deutschen Marktes helfe den Billigfliegern, im europäischen Wettbewerb mitzuhalten.

Die Gespräche zwischen Lufthansa und dem Touristikkonzern Tui stehen erst am Anfang, hatte es am Mittwoch in Branchenkreisen geheißen. Beide hatten zwar schon im Sommer intensiv miteinander verhandelt, doch war damals noch Condor mit an Bord, die Ferienfluglinie des Reisekonzerns Thomas Cook. Die Gespräche der drei über das Projekt Bluewings scheiterten jedoch. Der Mehrheitseigner von Condor entschloss sich, die Fluglinie bei der deutschen Nummer zwei, Air Berlin, einzubringen. Der Konsolidierungsdruck führte Tuifly und Germanwings "nach einer Schockfrist“ – wie es ein Insider formuliert – jetzt wieder zusammen.

Viele Details des geplanten Deals stehen nach Informationen des Handelsblatts noch nicht fest. Unklar ist etwa noch, ob Tuifly als Einheit mit Germanwings verschmolzen wird oder ob Tuifly in die Ursprünge Billigfluggesellschaft (früher HLX) und Charterfluggesellschaft (früher Hapagfly) aufgespalten wird. Bei einer Aufspaltung würde HLX mit Germanwings fusionieren, und das veranstalterabhängige Charterfluggesellschaft von Hapaqfly bliebe beim Touristikkonzern Tui.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Flugpläne sind bereits aufeinander abgestimmt

Operativ bahnt sich die Kooperation der beiden schon an. Die Flugpläne seien bereits abgestimmt, sagte ein hochrangiger Touristikmanager dem Handelsblatt. So gebe Tuifly etwa im nächsten Sommer Strecken nach Leipzig auf, die künftig Germanwings anbiete. Beide Gesellschaften entstanden in Reaktion auf Marktentwicklungen. Germanwings ging im Oktober 2002 als Waffe gegen Europas führende Billigflieger Ryanair und Easyjet an den Start. Ihren Auftrag, die Angreifer auf Abstand zu halten, erfüllte die Lufthansa -Tochter jedoch nur zum Teil. Am Heimathafen Köln-Bonn etwa ist es dem Konkurrenten Easyjet zwar dadurch nicht gelungen, Fuß zu fassen. Zwei der drei Verbindungen (Liverpool, East Midlands) wird Easyjet 2008 aufgeben und die dritte nach London-Gatwick auf einmal täglich reduzieren. Insgesamt blieb Germanwings jedoch hinter den Erwartungen – vor allem bei der Rendite – zurück.

Das Geschäft vermiesten Germanwings dabei auch die günstigen Better-Fly-Angebote der Mutter. Mit 27 eigenen Maschinen, 7,1 Mill. Passagieren und einem Umsatz von 560 Mill. Euro im Jahr 2006 fehlt Germanwings zudem die kritische Masse. Karl Born, Touristik-Professor und ehemaliger Tui -Vorstand, sagte, Germanwings sei zu klein, um im umkämpften Low-Cost-Markt zu überleben. Für Lufthansa stelle sich die prinzipielle Frage, "ob sie diesem Marktsegment weiter wachsen oder sich daraus verabschieden will“.

Tuifly war erst zu Jahresbeginn aus der Charterfluglinie Hapaqfly und dem Billigflieger HLX entstanden – und entwickelte sich zum finanziellen Desaster für den Touristikkonzern aus Hannover. Die Integration der beiden Geschäftsmodelle Billig- und Charterflug gelang nicht: Allen voran Reiseveranstalter, die ihre Gäste zuvor mit der neutralen Hapaqfly in die Ferien geschickt hatten, sprangen ab. Tuifly, die mit 56 Maschinen und zwölf Millionen Passagieren größer ist als Germanwings, gilt deshalb als Juniorpartner.

Für Tuifly sei die Annäherung an Lufthansa angesichts der derzeitigen Ertragslage äußerst attraktiv, meint Markus Franke, Luftfahrtexperte der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Lufthansa sei zwar prinzipiell groß genug im deutschen Markt. Allerdings böte ein Zusammengehen mit Tuifly die Möglichkeit, "die eine oder andere Tür für Air Berlin zu verschließen“. Der Öffentlichkeit wäre aber schwer zu vermitteln, warum man sich erst von Condor trenne, um sich dann mit Tuifly zu verbinden.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterKöpfe

Der Lotto-Millionär  Artikel in Merkliste

Jens Schumann ist hartnäckig und ausdauernd. Mit dem Glücksspielportal Tipp24 ist der 35-Jährige reich geworden. Heute bedroht der Glücksspielstaatsvertrag sein Geschäft. Dagegen kämpft Schumann an. Und sucht Zerstreuung in der realen Welt - außerhalb des Webs. Artikel


Anzeige