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21.11.2007 
Tarifstreit

Das produktive Schweigen

Monatelang haben sich die Deutsche Bahn und die GDL im Tarifstreit gezofft, frei nach dem Motto: je öffentlicher, je besser. Nach den jüngsten Peinlichkeiten im Tarif-Talk bei „Anne Will“ scheint ein Umdenken eingesetzt zu haben: Die Streithähne haben sich gegenüber den Medien einen Maulkorb verpasst und sind sich offenbar näher gekommen. Dafür versucht jetzt ein Dritter mit immer mehr Getöse in den Konflikt einzugreifen.

Um Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Lokführer, Manfred Schell, ist es still geworden. Foto: dpa Lupe

Um Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Lokführer, Manfred Schell, ist es still geworden. Foto: dpa

HB FRANKFURT/MAIN. Die Bahn will nach Angaben der GDL am Mittwoch ein neues Angebot vorlegen. Dies habe man bei einem Gespräch am Dienstag vereinbart, sagte Sprecher Maik Brandenburger. Die Gewerkschaft werde das Angebot nach Eingang prüfen. Dies kann dem Sprecher zufolge auch sehr schnell passieren. „Wenn es auf ersten Blick nicht annehmbar ist, hat man es schnell abgelehnt.“

Der Chef des GDL-Bezirkes Nordrhein-Westfalen, Frank Schmidt, sagte im WDR, der Gewerkschaftsvorsitzende Manfred Schell wolle am Mittwoch erneut Bahnchef Hartmut Mehdorn treffen. Die Bahn machte zu den Gesprächen keine Angaben.

Gewerkschaftsfunktionär Schmidt zeigte sich zuversichtlich. Er habe von Schell erfahren, dass man frohen Mutes sei. „Und man denkt, man ist auf einem guten und richtigen Weg.“ Laut Schmidt ist das einzige Problem derzeit, ein verhandlungsfähiges Angebot von der Bahn zu bekommen. „Und ich kann mir auch vorstellen, dass man dann unter Umständen auch sehr, sehr schnell zu einem Abschluss kommen kann.“

Die GDL fordert seit langem ein neues Angebot als Vorbedingung für Verhandlungen, in deren Verlauf Friedenspflicht gelten würde. Streiks wären dann nicht möglich. Die Gewerkschaft will deutlich mehr Lohn und einen eigenständigen Tarifvertrag. Mehdorn, Personalvorstand Margret Suckale und Schell waren bereits am Dienstagvormittag am Flugplatz Egelsbach bei Frankfurt zu einem Geheimgespräch zusammengekommen. Eine Unterbrechung nutzte Mehdorn offenbar, um sich mit Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zu besprechen. Dazu reiste er am Dienstagmittag ins Gästehaus der Bundesregierung nach Meseberg.

Am Dienstagabend kamen Schell und Mehdorn sowie weitere Spitzenfunktionäre zu einem rund vierstündigen Treffen in der früheren Bahnzentrale in Frankfurt zusammen, die sie gegen 22.00 Uhr kommentarlos verließen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Weiteres Angebot von der Bahn gefordert

Parallel zum Tarifstreit zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL pocht die Gewerkschaft Transnet auf rasche Vorschläge des Konzerns zur Verbesserung der Entgeltsysteme. „Ich erwarte noch in dieser Woche entsprechende Angebote“, sagte der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen am Mittwoch im Sender n-tv. „Wenn die nicht kommen, werden wir uns überlegen müssen, wie wir unsere Mitglieder mobilisieren.“ In einem Gespräch mit Bahnchef Hartmut Mehdorn und Personalvorstand Margret Suckale habe er gefordert, die „vage Aussage“ zu konkretisieren, dass für solche Verbesserungen ein dreistelliger Millionenbetrag zur Verfügung gestellt werden solle.

Mit von Transnet organisierten Streiks sei „nicht von heut auf morgen“ zu rechnen, da nach dem im Sommer erzielten Tarifabschluss mit 4,5 Prozent Einkommensplus Friedenspflicht herrsche. Um darüber hinaus Verbesserungen in der Bezahlungsstruktur zu erreichen, sei aber auch Transnet in der Lage „jederzeit in eine Kampfsituation zu gehen, was ich nicht möchte“. An den laufenden Sondierungsgesprächen zwischen der GDL und der Bahn sei Transnet derzeit nicht beteiligt. Hansen unterstrich aber: „Alles, was mit der GDL abgeschlossen wird und andere Beschäftigte in ihrer Erwartungshaltung genauso betrifft, wird den Konflikt nur verlängern und nicht beenden.“

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