Millionen Pendler können erst einmal aufatmen: Am Montag wird es keine neuen Bahnstreiks geben. Das Tauziehen zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL dauert aber unvermindert an. Am Dienstag gehen die Verhandlungen in die nächste Runde.
Vorsicht Hochspannung: Noch ist der Tarifkonflikt zwischen den Lokführern und der Bahn nicht entschärft. Foto: Archiv
HB BERLIN Bahnreisende müssen am (morgigen) Montag keine Streiks befürchten. Nach einem weiteren Gespräch mit Bahnvertretern am Wochenende verzichtet die Lokführergewerkschaft GDL darauf, den Personen- und Güterverkehr erneut lahmzulegen. Vielmehr vereinbarten beide Seiten weitere Gespräche ab Dienstag. GDL-Chef Manfred Schell hielt sich die Streikoption aber ausdrücklich offen. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee zeigte sich am Samstag dennoch vorsichtig optimistisch, dass der Tarifkonflikt bald beendet sein wird.
Schell erklärte, nach Lage der Dinge gehe er nicht von einem Scheitern der Gespräche am Dienstag aus. „Es ist aber immer noch möglich, wenn die Bahn nicht beim Entgelt nachlegt.“ Am Montag werde die GDL die bisherigen Angebote durchrechnen und sich damit auf die neue Gesprächsrunde vorbereiten. Ein Tarifvertrag solle bis Ende Januar erreicht werden.
Eine Lösung wurde dagegen beim zweiten Hauptstreitpunkt eines eigenständigen Tarifvertrages für die Lokführer gefunden. Schell nannte keine Details. Er sagte aber: „Wir sind absolut eigenständig. Wir sind für die Lokomotivführer zuständig.“ Er bot für kommende Tarifrunden an, dass mit den beiden anderen Gewerkschaften gemeinsame Lohnforderungen erhoben werden.
Tiefensee räumte ein, dass die Entgeltfrage der ungelöste Hauptstreitpunkt sei. Aber die Gespräche hätten eine Dynamik erreicht, dass eine Lösung in dem seit zehn Monaten anhaltenden Tarifstreit „greifbar nahe“ sei. „Man wird - im Bilde gesprochen - die Uhr anhalten,“ sagte der SDP-Politiker.
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Die GDL hatte für Montag mit erneuten Streiks gedroht, falls es bei den Gesprächen am Samstag zu keinem Ergebnis gekommen wäre. Tiefensee sagte, inzwischen sei er vorsichtig optimistisch, dass eine Lösung erreicht werde. Zwischen den beiden Konfliktparteien sei während der Gespräche in den Weihnachtferien genügend Vertrauen aufgebaut worden. Dazu habe er beitragen können. Er räumte ein, dass die Streikgefahr nicht endgültig gebannt sei. Das drücke allein das Bild von der angehaltenen Uhr aus.
An den Verhandlungen am Samstag nahmen unter anderem Bahn-Personalvorstand Margret Suckale, Schell und sein Vize Claus Weselsky teil. Schell hatte bereits am Freitag von einer deutlichen Annäherung in einigen Fragen gesprochen.
Umstritten war zum Beispiel, ob Lokrangierführer auch zum personellen Geltungsbereich gehören oder ob die Altersversorgung für Lokführer gesondert geregelt werden soll. Wegen der neuen Tarifstruktur bei der Bahn, die spezifische Interessen von Berufsgruppen besser berücksichtigen soll, müssen die Einzelheiten später mit der Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA festgelegt werden.
Die Bahn hatte am 9. Juli 2007 mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA einen Tarifvertrag geschlossen. Danach erhalten die Beschäftigten 4,5 Prozent mehr Geld und eine Einmalzahlung von 600 Euro. Der alte, auch für die GDL-Mitglieder vereinbarte Tarifvertrag lief Ende Juni 2007 ab. Die GDL hatte ursprünglich bis zu 31 Prozent verlangt, im Lauf der Verhandlungen aber erklärt, dass sie nicht auf der Maximalforderung bestehe.

