DüsseldorfNichts geht mehr bei der Lufthansa – mal wieder. Rund 700 Flüge musste die größte deutsche Fluggesellschaft bis Donnerstagmittag streichen, die Techniker und das Servicepersonal streiken. Vor der zweiten Verhandlungsrunde will die Gewerkschaft Verdi damit den Druck auf die Lufthansa erhöhen. Mittelstreckenflieger in Frankfurt, München und Düsseldorf bleiben am Boden. 5,2 Prozent mehr und Kündigungsschutz fordert die Gewerkschaft, die Airline bietet eine Nullrunde und längere Arbeitszeiten. Der Konflikt ist weit entfernt von einer Lösung.
Der Ton zwischen Gewerkschaften und der Lufthansa ist rauer geworden. Neun Streiks und Warnstreiks in einem Jahr haben Deutschlands Flughäfen seit März 2012 lahmgelegt. Im Durchschnitt wird alle drei Monate gestreikt. Und schon die bloße Drohung reicht, um die Buchungszahlen der Lufthansa einbrechen zu lassen.
Am Frankfurter Flughafen fallen während eines fünftägigen Arbeitskampfes mehr als 1700 Flüge aus, rund 170 000 Passagiere sind betroffen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.
Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld legen rund 1500 Beschäftigte des Bodendienstleisters Globeground die Arbeit nieder.
Die Gewerkschaft Ufo verursacht den bislang größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100 000 Passagiere sind betroffen. Es ist der erste bundesweite Streik der rund 18 000 Lufthansa-Flugbegleiter. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.
Warnstreiks des privaten Sicherheitspersonals führen an mehreren deutschen Flughäfen zu Verspätungen. Verdi hatte zu den Aktionen aufgerufen. Hintergrund sind stockende Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag.
Ein Streik legt den Hamburger Flughafen weitgehend lahm. Die meisten Beschäftigten an den Sicherheitskontrollen folgen einem Verdi-Aufruf und legen für den ganzen Tag die Arbeit nieder. Betroffen sind rund 19 000 Reisende.
Ein Streik des privaten Sicherheitspersonals auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn sorgt für große Behinderungen. Hunderte Flüge fallen aus.
Streiks der Sicherheitskräfte in Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn legen den Betrieb erneut fast komplett lahm.
Die Streiks gehen in Hamburg weiter, vor den Terminals gibt es wieder lange Warteschlangen.
In der ersten Runde der Tarifverhandlungen bei der Lufthansa kommen sich die Parteien nicht näher. Die Gespräche werden auf den 22. März vertagt.
Kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde ruft Verdi zu Warnstreiks an den Standorten Frankfurt, Berlin und Hamburg auf. Die Gewerkschaft Verdi vertritt vor allem Beschäftigte in den Boden- und Serviceeinheiten der Lufthansa.
Flugsicherung, Flughafen-Feuerwehr, Flugbegleiter – es gibt kaum eine Berufsgruppe, die im vergangenen Jahr nicht die Arbeit niedergelegt hätte. Nicht immer ist die Lufthansa verantwortlich für die Streiks. Bei dem Personal auf dem Rollfeld und beim Sicherheitspersonal führen andere die Verhandlungen. Doch auch das Lufthansa-Personal, das traditionell selten in den Streik tritt, verliert langsam die Geduld. Daran ist Lufthansa-Chef Christoph Franz nicht unschuldig.
Bis 2015 will er das operative Ergebnis der Airline auf 2,3 Milliarden Euro steigern. Ein Ziel, dem Franz alles andere unterordnen will. Mit dem Sparprogramm „Score“ hat Franz darum den größten Umbau in der Geschichte der Lufthansa eingeleitet. Rund 740 Millionen Euro soll das Umbauprogramm allein in diesem Jahr zum Ergebnis beitragen. Weitere 768 Millionen Euro sollen dann im Jahr 2014 dazukommen und 2015 noch mal 744 Millionen Euro. Geld, das in die Modernisierung der Flotte gesteckt werden soll, um den großen arabischen Konkurrenten die Stirn bieten zu können. Aber auch Geld, das letztlich auch bei den Mitarbeitern eingespart werden muss.
A310: Zwei Maschinen (Vermietet)
A319: 81 Maschinen, davon 32 bei Germanwings
A320: 89 Maschinen
A321: 75 Maschinen
Airbus A330: 36 Maschinen
Airbus A340: 63 Maschinen
A380: 10 Maschinen
B737: 45 Maschinen
B747: 29 Maschinen
Boeing 767: Sechs Maschinen
Boeing 777: Vier Maschinen
MD-11F: 18 Maschinen (alle Lufthansa Cargo)
Bombardier CRJ: 56 Maschinen
Bombardier C-Series: 0 (bestellt für 2013 bis 2018: 30 Maschinen)
Bombardier Q-Series: 14 Maschinen
ATR: 11 Maschinen
Avro RJ: 22 Maschinen
Embraer: 42 Maschinen
Fokker F70: 9 Maschinen
Fokker F100: 15 Maschinen
Über 2500 Einzelmaßnahmen hat die Airline seit Anfang 2012 ausgearbeitet: Die Zahl der Flugzeugtypen soll reduziert werden. Der Treibstoffverbrauch soll sinken. Und Mitarbeiter müssen gehen. 3.500 Stellen will das Unternehmen abbauen. Um die Details wird gerungen. „2013 wird ein hartes Jahr für Unternehmen und Mitarbeiter“, sagt Franz. So hart, dass der langjährige Tariffrieden bei der Lufthansa längst Geschichte ist.

Hallo Herr WKaiser,
ich denke, dass der störende Punkt nicht der Arbeitskampf an für sich ist, aber die Quantität in der einzelne Interessensvertreter in zu häufigen Abständen den Flugbetrieb verhindern. Wenn ich die Nachrichten im Radio / TV verfolge, habe ich den Eindruck, dass es alle zwei bis drei Monate zu Behinderungen kommt und das stört mich als Kunde exterm. Denken Sie hierbei an Familien, welche in den Urlaub fliegen oder Personen die Anschluss- / Interkontinentalflüge bekommen müssen. Für mich als Kunde ist die Frage dann klar. Gibt es Alternativen, die mich zum Ziel bringen?
Ich würde mir wünschen, dass diese Themen gebündelt verhandelt werden würden, so dass ein längerer Ruhezeitraum einkehrt.

Die Lufthansa steht in einem weltweiten Wettbewerb, der nicht nur aus Berlin Air und Ryan Air besteht. Deutsche Befindlichkeiten und überkommene Unternehmensstrukturen haben da keine Chance mehr.
Man kann natürlich die Lufthansa kaputtstreiken, dann geht sie eben den Weg von Spantax, Iberia, Olympic, Allitalia und wie sie noch alle heißen. Airlines wie Turkish, Etihad, Qatar usw. stehen schon in den Startlöchern, um die Reste aufzufangen.

Wer auch immer Schuld hat ... für mich hat die glanzvolle Lufthansa seit Jahren ihre positive Strahlkraft verloren.
Ich fliege viele Reisen mit Mitbewerbern ... weil mich das hier alles als Kunde nur noch langweilt. Ich kann beide Seiten in Teilen verstehen, kritisiere als Kunde jedoch massiv dass beide Parteien nicht die Intelligenz haben geräuschloser Lösungen zu finden. Die Dauerstreikes des Lufthansa Personals nerven und das Management verhält sich in diesem Punkt talentfrei. Fazit: der lachende Dritte startet und landet im Nahen Osten.
19 Kommentare
Alle Kommentare lesen