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08.04.2008 
Interview mit Luftfahrtexperte Karl-Hans Hartwig

„Der Alitalia-Niedergang lässt sich nicht aufhalten“

von Melanie Stinn

Der Luftfahrtexperte Karl Hans Hartwig ist überzeugt, dass die „unendlichen Geschichte“ der Alitalia weitergeht und die Übernahme-Verhandlungen mit Air France-KLM wieder aufgenommen werden. Im Handelsblatt-Interview erklärt der Verkehrswissenschaftler der Universität Münster, warum eine italienische Lösung keine Alternative ist und welche Folgen das Aus der Airline für den Wettbewerb hätte.

Karl-Hans Hartwig ist Professor am Institut für Verkehrswissenschaft der Universität Münster Foto: prLupe

Karl-Hans Hartwig ist Professor am Institut für Verkehrswissenschaft der Universität Münster Foto: pr

Frage: Herr Hartwig, Sie beobachten das Tauziehen um die Alitalia schon seit einiger Zeit. Was glauben Sie wird passieren, jetzt, wo Air France-KLM die Verhandlungen über die Übernahme der maroden italienischen Airline abgebrochen hat?

Hartwig: Ich glaube, die unendliche Geschichte von der Übernahme der Alitalia wird weitergehen. Der italienische Staat hat eigentlich keine Möglichkeiten die Airline aus der Notlage zu befreien, da die EU-Kommission seit 2004 keine Finanzspritzen mehr erlaubt und angekündigt hat, auch gegenwärtig keine weiteren Beihilfen zu genehmigen. Die Verhandlungen mit Air France -KLM, die ja schon mit zwei Prozent an der Alitalia beteiligt ist, werden also wieder aufgenommen werden müssen.

Andere Interessenten gibt es ja auch nicht mehr. Was macht die Alitalia eigentlich so unattraktiv für eine Übernahme?

Alitalia hat zu viel Personal, das im Vergleich mit anderen europäischen Fluggesellschaften, zu viel verdient. Die Gehälter sind nicht mehr wettbewerbsfähig. Dazu kommen eine veraltete Flotte und der rasante Verfall der Marke. Es ist lange nichts mehr in dieser Richtung investiert worden. Alle zur Verfügung stehenden Mittel wurden aufgezerrt, um die Linie über Wasser zu halten.

Ein weiteres großes Problem ist Alitalia Servizi, die verlustreiche Ground Handling-Tochter von Alitalia. Air France-KLM hatte für den Fall einer Übernahme angekündigt, die unprofitablen Bodendienste abstoßen zu wollen. Diese Bedingung wird jedoch bislang von den Gewerkschaften blockiert.

Deren starke Stellung die Alitalia aus Käufer-Sicht nicht gerade interessanter macht?

Genau. Gewerkschaften sind in Italien traditionell, und gerade im staatlichen Bereich, sehr stark. Zudem besitzen sie gemeinsam mit Beschäftigten des Unternehmens und einigen anderen Anlegern ca. 48 Prozent der Fluglinie, was ihnen natürlich eine gewisse Verhandlungsmacht gibt. Zahlreiche Streiks haben der Alitalia in den letzten Jahren schwer zu schaffen gemacht.

Dann wäre da noch das Problem mit den beiden Hubs. Alitalia hat die Flughäfen Rom-Fiumicino und Mailand-Malpensa zu internationalen Drehkreuzen ausgebaut. So etwas leistet sich in Europa kaum eine Airline außer der Lufthansa und naturgedrungen Air France-KLM nach der Fusion. Letztere hatte ja dann auch angekündigt, nur Rom als Drehkreuz weiterführen zu wollen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum die Gewerkschaften nicht mit sich verhandeln lassen

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