Medco
drängt nach Deutschland. Der US-Pharmakonzern hält den hiesigen Markt für sehr interessant. Im Handelblatt-Interview erklärt Europa-Chef John Driscoll warum.
Handelsblatt: Medco
hält sich trotz Börsenkrise in der Nähe seines Rekordhochs, während die Aktie des europäischen Wettbewerbers Celesio
seit Monaten schwer unter Druck steht. Inwieweit hängt diese Entwicklung auch mit Ihren im April veröffentlichten Plänen zur Expansion nach Deutschland zusammen?
Driscoll: Offen gestanden: Ich glaube nicht, dass unser maßvolles Investment im deutschen Markt große Auswirkungen auf die Börse hat. Auf unseren eigenen Aktienkurs hatte es kurzfristig jedenfalls nahezu keinen Einfluss. Wir hoffen natürlich, dass das langfristig der Fall sein wird.
Immerhin hat Medco
120 Mill. Euro für den Einstieg bei einer vergleichsweise kleinen Online-Apotheke ausgegeben. Ist der europäische Markt, speziell der deutsche, so attraktiv für Medco
? In den USA sind die Ausgaben für Medizin pro Person doch viel höher.
Die Strukturen des US-Gesundheitssystems sind zwar sehr unterschiedlich zu denen in Deutschland. Die Menschen und deren Krankenversicherungen stehen aber in beiden Märkten vor der gleichen Herausforderung: Eine alternde Bevölkerung, die über ein relativ begrenztes Budget verfügt, benötigt immer mehr Medikamente, um gesund zu bleiben. Insofern bietet der deutsche Markt große Möglichkeiten.
Was kann Medco
besser als seine neuen Wettbewerber in Deutschland?
Wir glauben erstens, dass wir über eine sehr fortgeschrittene Software für Ärzte und Apotheker verfügen, um die Sicherheitsstandards bei der Verschreibung von Medikamenten zu erhöhen. Außerdem bringen wir große Erfahrungen bei der Distribution mit und können auf diese Weise sicherlich zur Kostensenkung beitragen.
Können Sie die so genannte Central-Fill-Technik von Medco
in zwei Sätzen kurz erklären?
Unser weitgehend automatisierter Transport der Medikamente bis hin zu ihrer Verabreichung beseitigt Fehler und senkt Kosten. Wir haben jeden einzelnen Schritt der Wertschöpfungskette auseinandergenommen und dabei versucht, das effizienteste Verfahren für Ärzte, Apotheker und Konsumenten zu finden. Nicht alle Ideen, aber einige von ihnen, werden wir im deutschen Markt einsetzen.
Ist das Geschäftsmodell von Medco
so einfach auf den deutschen Markt übertragbar?
Nein, die Gesundheitsmärkte auf der ganzen Welt sind unterschiedlich, in manchen Bereichen auch sehr persönlich. Eine amerikanische Lösung für ein deutsches Problem wird deshalb nicht funktionieren. Was wir liefern müssen, ist eine deutsche Lösung mit amerikanischen Ideen und amerikanischer Technik. Deshalb arbeiten wir intensiv mit Partnern vor Ort, wir reden mit Krankenversicherern und anderen Handelspartnern. Damit wollen wir sicherstellen, dass unsere Lösung auch zum deutschen Konsumenten passt.
Haben Sie bereits einen Partner für den deutschen Großhandel im Visier, oder will Medco
auf eigene Faust durchstarten?
Wir sind offen und flexibel, um mit verschiedenen Teilen der Industrie zusammenzuarbeiten, soweit das Sinn ergibt. Zunächst einmal arbeiten wir mit der Europa Apotheek Venlo und dem Drogeriemarkt DM zusammen, und wir wollen diesen Teil des Geschäftsplans zum Erfolg bringen. Medco
ist eine Firma, die sehr darauf ausgerichtet ist, einen Schritt nach dem anderen zu machen.
Der deutsche Apothekenmarkt ist mit 38 Mrd. Euro der weltweit drittgrößte nach den USA und Japan. Wie groß soll das Stück vom Kuchen sein, das sich Medco
abschneiden will?
Es wäre voreilig, dazu etwas zu sagen. Wir sind in einer frühen Phase, in der wir zunächst die Möglichkeiten mit unseren Partnern ausloten. Generell sind wir sind überzeugt von dem Wert, den wir bringen können. Das deutsche Gesundheitssystem steht vor der Herausforderung, hohe Qualität und mehr Sicherheit zu niedrigeren Kosten zu produzieren - und das ist ein Bereich, in dem wir gut sind.

