Die Landschaft der deutschen Modemessen ist so bunt wie der Flower-Power-Look der 70er Jahre. Düsseldorf hat die größte Veranstaltung, Berlin feiert sich als neue Modehauptstadt, und München treibt eifrig Sport. Die Modebranche allerdings sucht indessen das Weite.
Von solch einem harmonischen Gruppenbild wie anlässlich einer Designer-Präsentation auf der Düsseldorfer CPD träumt die Messebranche bislang vergeblich. Foto: AP
DÜSSELDORF. Die Düsseldorfer CPD behauptet sich als die - nach Aussteller- und Besucherzahlen - größte Modemesse der Welt, die von drei Deutschen gegründete Bread & Butter in Barcelona als die "coolste" und Berlin feiert mit der Mercedes Benz Fashion Week mal wieder die "Renaissance" als Modehauptstadt Deutschlands. Und dann gibt es noch die neue kleine Jeansmesse Jam in Köln, die sportlich, modische Ispo in München und die Out-Door in Friedrichshafen.
Eines scheint aber allen gemeinsam: Nicht nur, dass sie sich untereinander streiten wie die Kesselflicker. Keine Modemarke und kein Einzelhändler braucht sie wirklich mehr zur Geschäftsanbahnung. Die Funktion hat sich gewandelt. Sind Modemessen nur noch ein Party-Treff?
Die CPD ist zwar nach wie vor die Nummer eins. So hat sie in den vergangenen Jahren die Gegenmesse B-In-Berlin überlebt sowie die Leipziger Wäschemesse Bodylook übernommen und sich mit der HMD auch in der Herrenmodewelt etabliert. Für die Messe am kommenden Wochenende (27. bis 29. Juli) erwartet der Messeveranstalter Igedo 1750 Aussteller. Doch ihre einstige Bedeutung als die Ordermesse, auf der im Januar und Juli die Kollektionen für die kommenden Winter- und Sommersaisons ausgesucht werden, hat sie nicht mehr.
Auf der einen Seite besteht für Modekonzerne wie Esprit
und S?Oliver, die das Handwerk vom Entwurf bis zur Ladentheke beherrschen, keine Notwendigkeit mehr, ihre Kollektionen auf Messen zu präsentieren. Und auch die einst klassisch aufgestellten Modehersteller wie Gerry Weber
und Hugo Boss
treiben die Vorwärtsintegration mit eigenen Läden voran. Auf der anderen Seite konzentrieren sich Kauf- und Modehäuser wie Karstadt und Peek & Cloppenburg auf wenige starke Marken, die viele Produktbereiche - von der Unterwäsche bis zur Abendmode - abdecken. Die Beziehungen zu diesen Marken werden intensiv über ganzjährig besetzte Showrooms gepflegt.
Hinzu kommt: Die Rhythmen in der Modebranche sind kürzer geworden. Gab es früher zwei bis vier Kollektionen pro Jahr, sind es heute bis zu zwölf. Der Taktgeber ist der spanische Inditex
-Konzern mit der Modekette Zara, der - um so schnell wie möglich auf neue Trends reagieren zu können - sogar nach wie vor in Europa produziert und nicht fast ausschließlich wie etwa Hennes & Mauritz
in Asien. "Die Zeit der klassischen Ordermesse ist vorbei. Nichtsdestotrotz müssen wir mit aller Macht für eine Modemesse in Deutschland mit internationalem Charakter kämpfen. Die Branche braucht den Austausch und die Schlagzeilen", sagt Alfred Haar von der Beratung Hachmeister.
Die Folge: Einen Messestand hat fast keiner der deutschen Modemarken mehr auf der CPD. Selbst die Brinkmann Gruppe, deren geschäftsführender Gesellschafter, Klaus Brinkmann, Präsident des Modeverbands German Fashion ist, ist nicht mehr auf der Messe vertreten. Für die Marken Bugatti und Eduard Dressler betreibt das Familienunternehmen zwei Showrooms in Düsseldorf. Die Messehallen werden nur noch von Ausländern und Nischenanbietern genutzt. Beispiele sind Umstandsmode, Supersize, Accessoires, Ökomode und junge Designer.
Aber auch andere europäische Modemessen werden von den großen Modekonzernen nur noch als Termin und Ort für Inszenierungen fernab des Messegeländes genutzt. Bestes Beispiel: Hugo Boss
und die Pitti Uomo. Der größte deutsche Modekonzern verabschiedete sich 2006 von der Herrenmodemesse in Florenz. Die Kundschaft wird seitdem in den 28 Showrooms betreut und mit Events bei Laune gehalten. Während der Pitti im Juni etwa lockte Hugo Boss
die dort versammelte Branche zu einem Fest mit 1000 Gästen und Modeschau in die Hügel von Florenz.
Die Messen untereinander gönnen sich zudem keinen Stofffetzen. Den Alteingesessenen machen Neugründungen zu schaffen - und umgekehrt. Die Folge: Die Branche ist seit Jahren auf der Reise. Die Damen- mode pendelt zwischen Düsseldorf und Berlin, die Freizeitmode zwischen Berlin, Barcelona und Köln und die Sportmode zwischen München und Friedrichshafen. Dass es so nicht weitergehen kann, ist in der Branche ein erkanntes, aber ungelöstes Problem. "Düsseldorf hat bisher mit den Showrooms die Wirtschaft, Berlin den Glamour. Beides an einem Standort wäre ideal", sagt Haar.
Erste Ansätze, etwa der CPD mehr Glanz oder Trends zu geben, blieben in den Kinderschuhen stecken. Der Versuch, die Bread & Butter zu kopieren, floppte im Januar mit der Weare. Und eine Neuauflage der Modenschau auf der Königsallee wird seit Jahren diskutiert, ist aber noch nicht umgesetzt. Ein mit Unternehmern wie Gerry Weber
, dem Messechef Frank Hartmann und Landes- und Lokalpolitikern initiiertes Fashion Network NRW soll jetzt den Durchbruch schaffen.
Die angespannte Lage hat die Igedo ins Ausland getrieben und zum internationalen Dienstleister gemacht. Die CPM, die CPD in Moskau, liefert hohe Wachstumsraten. Zur 10. Messe im Februar präsentierten sich 1500 Marken in Moskau. Fast jede vierte Marke ist dabei eine deutsche. Russland ist ein riesiger Wachstumsmarkt und vor Ort brauchen Seidensticker und Co. professionelle Unterstützung, auf die sie in der Heimat meinen verzichten zu können.

