Offenbar überschätze die Branche das Potential der Backläden jedoch gewaltig. Peter Becker schätzt die Zahl der SB-Bäcker auf gerade einmal 1 000 - angesichts der 47 000 Verkaufsstellen des Bäckerhandwerks in Deutschland eine verschwindend geringe Zahl. Zum Vergleich der Größenordnung: Backriese Kamps erzielt mit seinen etwa 1 000 Filialen einen Umsatz von rund 300 Mill. Euro; Backwerk, mit 146 Filialen der Marktführer im SB-Segment, gut 70 Mill Euro. Außerdem sinkt die Wachstumsrate der neu eröffneten SB-Bäcker laut Becker schon seit 2004. "Wir hatten uns von den SB-Bäckereien deutlich mehr erwartet", sagt auch Armin Juncker, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Großbäckereien.
Das Konzept klingt doch einleuchtend, warum also gelingt den Backdiscountern kein echter Durchbruch? "Das Backshop-Konzept funktioniert nur an hochfrequentierten Standorten", sagt Thomas Roeb, Dozent an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und Discounter-Experte. Denn trotz aller Einsparmöglichkeiten braucht ein SB-Bäcker sehr viele Kunden, die durch ihre Masse die niedrigen Stückpreise ausgleichen. Und die findet er meist nur in belebten Bahnhöfen oder Fußgängerzonen. Dem könnte man nun entgegenhalten, dass Aldi und Lidl auch Standorte in entlegenen Industriegebieten haben - und sich über mangelnde Kundschaft dennoch nicht beklagen können. "Der Unterschied ist, dass ich bei Aldi alle meine Lebensmittel einkaufe", erklärt Roeb. "Da lohnt es sich schon mal, ein paar Kilometer weiter zu fahren. Aber um 50 Cent weniger für ein Brot auszugeben, mache ich keinen Umweg."
Dörfer und weniger belebte Straßen dürften also künftig in den Händen von Handwerksbäckern und Bäckerei-Filialen bleiben. Aber auch in den Innenstädten existieren Backshops und traditionelle Bäcker oft friedlich nebeneinander. "Es wird auch künftig noch Handwerksbäcker geben, vor allem wenn sie sich spezialisieren", sagt Melanie Buts von der Backshop-Kette Backfactory. "Wir bieten ja eher Massenware an."
Discounter-Spezialist Roeb betont außerdem, dass der Einkauf von Backware oft ein Impuls-Geschäft ist. Wer Lust auf ein Croissant hat, der kauft es sich einfach in der nächstgelegenen Bäckerei - egal ob für 60 oder für 90 Cent.

