„Wer jetzt noch versucht, eine neue Low-Cost-Airline aufzubauen, wird scheitern“, sagt Stelios Haji-Ioannou, Gründer und Hauptaktionär von Easyjet. Im Interview spricht er über die Zukunft seiner Fluggesellschaft, den deutschen Markt und die Einsparpotenziale von Bordtoiletten.
"Es wird in diesem Geschäft immer Leute geben, die Geld zuschießen – aus Eitelkeit", sagt Easyjet Stelios Haji-Ioannou. Foto: Archiv
Handelsblatt: Tuifly und Germanwings planen eine Fusion. Wie viele der heutigen Low Cost-Gesellschaften werden in fünf Jahren noch übrig sein?
Stelios Haji-Ioannou: Schwer zu sagen. Easyjet und Ryanair werden sicher da sein. Und Air Berlin ist wahrscheinlich inzwischen zu groß, um unterzugehen. Das Problem in der Luftfahrt ist: Es wird in diesem Geschäft immer Leute geben, die Geld zuschießen – aus Eitelkeit. Eines ist aber sicher: Wer jetzt noch versucht, eine neue Low-Cost-Airline aufzubauen, wird scheitern. Er kommt einfach zu spät.
Deutschland ist der größte Markt in Europa. Plant Easyjet innerdeutsche Strecken zu bedienen?
Es gibt keinen Grund, das nicht zu tun. Aber wir fliegen bereits über 300 Routen, und es gibt noch so viel Potenzial für weitere profitable Strecken, dass wir bisher einfach noch nicht dazu gekommen sind.
Wie schnell soll Easyjet in Zukunft wachsen?
Mögliche Übernahmen nicht gerechnet, liegt unser organisches Wachstum bei etwa 15 Prozent im Jahr. Wir haben jetzt rund 155 Flugzeuge. Weitere 100 sind bestellt. Davon werden einige ältere Maschinen ersetzt, denn wir wollen unsere Flotte jung halten. Das Durchschnittsalter der Maschinen liegt jetzt bei 2,2 Jahren.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eine Bordtoilette kostet rund 100 000 Dollar
Easyjet wird immer mal wieder Interesse an Air Berlin nachgesagt...
Wir haben in der Vergangenheit andere Carrier übernommen: TEA Switzerland und Go, zuletzt auch GB Airways. Deren Integration ist fast abgeschlossen. Wir schließen weitere Übernahmen nicht grundsätzlich aus. Aber wir sind nur an Unternehmen interessiert, die deutlich kleiner sind als wir und die sich schnell und reibungslos in unser Geschäftsmodell und die Marke Easyjet integrieren lassen. Wir wollen nicht das machen, was Air Berlin macht: verschiedene Airlines kaufen und unter verschiedenen Namen weiter betreiben.
Lufthansa setzt vermehrt auf Punkt-zu-Punkt-Verbindungen abseits der beiden Drehkreuze Frankfurt und München. Ist das eine Bedrohung für das Geschäftsmodell von Easyjet?
Überhaupt nicht. Unseren wichtigsten Hub in Deutschland, Berlin, lässt Lufthansa bisher ziemlich links liegen. Unser Geschäftsmodell hat sich überdies weiter entwickelt. Erst sind wir von großen Städten wie London gestartet. Inzwischen wissen wir: Es funktioniert zwischen allen möglichen Städten. Wir fliegen jetzt etwa von Dortmund nach Thessaloniki. Wer das vor ein paar Jahren vorgeschlagen hätte, wäre für verrückt erklärt worden. Ryanair hat dieses Modell ins Extreme gesteigert: Die fliegen von Nirgendwo ins Nirgendwo.
Stimmt es, dass Sie an Bord der Easyjet-Maschinen eine Toilette weniger haben, weil Sie den Passagieren keine kostenlosen Getränke servieren?
Das hat eher mit den Kosten der Toiletten zu tun. Boeing und Airbus geben die Option auf zwei oder drei Toiletten. Wir ordern zwei. Die reichen. Eine solche Bordtoilette kostet rund 100 000 Dollar. Da bauen wir lieber zusätzliche Sitze ein.
Manche Ihrer Konkurrenten überlegen, Passagieren für den Toilettengang Geld abzunehmen...
Also, darüber haben wir bei Easyjet noch nie diskutiert!

