
Die große Stunde der „Disney Fantasy“ ist gekommen: Arbeiter der Meyer-Werft lösen in Papenburg des nagelneuen Kreuzfahrtschiffes.

Das Luxusschiff wird rückwärts über die schmale Ems geschleppt und am Samstag im niederländischen Eemshaven festmachen.

Dunkle Wolken bedecken den Himmel: Mehrere Stunden lang wird die Fahrt durch die enge Ems dauern.

Die Werftarbeiter verfolgen das Ablegemanöver des Kreuzfahrtschiff-Neubaus von einem wahren Logenplatz aus.

Auf ein geplantes Feuerwerk wurde nach Angaben der Werft wegen des Unglücks des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ vor der italienischen Mittelmeerinsel Giglio verzichtet.

Beinahe lächerlich klein wirkt das Boot, das dem Schiff voran fährt.

Jumbo und eine Maus am Heck des Kreuzfahrtschiffes: Die 37 Meter breite und rund 340 Meter lange „Disney Fantasy“ ist der zweite Neubau der Meyer-Werft für die US-amerikanische Reederei Disney Cruise Line. Das Kreuzfahrtschiff bietet Platz für 4.000 Passagiere.

Am 8. Januar dockte das Schiff bereits aus der Halle der Werft aus.

Von dem Schlepper „Gruno II" wurde die „Disney Fantasy“ damals aus der Halle gezogen.
Die große Stunde der „Disney Fantasy“ ist gekommen: Arbeiter der Meyer-Werft lösen in Papenburg des nagelneuen Kreuzfahrtschiffes.
PapenburgVier Begriffe stehen in grüner Schrift auf der weißen Tafel in seinem Büro: Taufe, Neubau, Auslastung, Dankeschön. Es sind die Worte Richard Vogels, des Chefs der deutschen Kreuzfahrtreederei Tui Cruises. Mit ihnen hat er in seiner Neujahrsrede die Crews seiner Schiffe eingestimmt. Auf ein Neues, volle Kraft voraus.
Der 56-Jährige ist nicht irgendwer in der Branche. Er ist der deutsche Mister Kreuzfahrt, Miterfinder der weltbekannten Aida-Schiffe, ein Traumerfüller. Mit Aida hat Vogel der Branche ein neues, ein jüngeres Gesicht gegeben. Mit Tui Cruises hat er Ähnliches vor: Aus einer kleinen Firma mit fünf Mitarbeitern hat er ein Unternehmen mit 140 Angestellten und zwei eigenen Schiffen gemacht. Geht es nach ihm, war das erst der Anfang. Vogel ist auf Erfolgskurs.
Dass er von diesem abzubringen ist, hätte bis zum Wochenende niemand gedacht. Bis vor der Küste Italiens die Costa Concordia, ein Kreuzfahrtschiff der italienischen Reederei Costa, kenterte und mindestens elf Menschen im Mittelmeer starben.
In der Schifffahrt herrscht seither Hektik, auch in den Büros der Reederei in Hamburg. Hat das Drama der Costa Concordia Auswirkungen auf das Geschäft mit Traumurlauben? Ist der schöne Schein getrübt, der Aufstieg der Branche gestoppt? „Wir analysieren mit Sorgfalt die Situation“, sagt Richard Vogel. Natürlich gebe es auch bei seiner Reederei Nachfragen von beunruhigten Kunden. Die meisten Anrufe bezögen sich allerdings allgemein auf das Thema Sicherheit an Bord. Anfragen nach Stornierungen gebe es bislang lediglich vereinzelt.
Das Geschäft, es läuft. Seit Jahren wächst die Kreuzfahrtbranche rasant; darauf sind alle Planungen ausgelegt. Die Routen stehen fest, die Buchungslage ist gut, neue Schiffe sind bestellt. Allein dieses Jahr werden elf neue oder umgebaute Schiffe die Trockendocks weltweit verlassen; bis 2016 sind es weitere 16.

So sieht das Wrack am Mittwochmorgen aus. Die Rettungsarbeiten mussten unterbrochen werden, da die „Costa Concordia“ erneut abgerutscht ist.

Ansonsten sind, während des Tages, ständig Taucher und weitere Rettungskräfte im Einsatz. Die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, sind jedoch gering.

Die Taucher der Polizei dringen durch mit Hilfe von Micro-Explosionen in dem Rumpf gesprengte Öffnungen in das Schiff ein.

Unter Wasser liegen am Fuß des Felsens, auf den das Schiff aufgelaufen ist, dicke Metallstücke aus der Außenwand der „Costa Concordia“.

Eines der Löcher, durch die die Rettungskräfte in das Schiff gelangen. Sie dienen auch als Ausgänge, wenn das Wrack bei Bewegung schnell geräumt werden muss.

Auch an der Hülle wird gearbeitet, verschiedene Einheiten bereiten das Abpumpen der riesigen Ölmenge vor, die als Treibstoff geladen ist.

Die Außenarbeiten sind alles andere als ungefährlich.

Wie gefährlich die Arbeit ist, zeigt dieses Bild. Ein Helfer muss auf einer Trage abtransportiert werden, als es auf der Suche nach Treibstofflecks zu einem Unfall kam. Das Wrack ist weiter abgerutscht
So sieht das Wrack am Mittwochmorgen aus. Die Rettungsarbeiten mussten unterbrochen werden, da die „Costa Concordia“ erneut abgerutscht ist.
Die Show geht weiter. Eine Woche nach dem Unglück in Italien sticht das erste neue Schiff in See. Und was für eines: Die Disney Fantasy ist eine schwimmende Traumfabrik. Sie wird heute von der Meyer Werft in Papenburg in die Nordsee überführt werden. Wenn sich der 37 Meter breite und 339 Meter lange schwarze Koloss mit goldener Micky-Maus-Bordüre am Bug durch die schmale Ems schiebt, ist das nicht nur ein Spektakel für das Emsland. Schon als die Schlepper das Schiff aus dem Trockendock zogen, kamen 5000 Schaulustige, um den Star aus Stahl zu bewundern. Die Überführung der Disney Fantasy, die 600 Millionen Euro gekostet hat, ist für die gesamte Schifffahrt ein Ereignis. Die Jungfernfahrt durch die Karibik ist längst ausgebucht.
Auch Tui Cruises lässt ein neues Schiff bauen; das dritte der Mein-Schiff-Flotte. Vogel nimmt Platz auf seinem Stuhl. „Mein Schiff“ steht auf der Rückenlehne und darunter „Mein Sitzplatz: Richard Vogel“. Nach der glamourösen Taufe des zweiten Schiffs im vergangenen Jahr, zu der auch Prominente wie der Musiker James Last oder die Schauspielerin Sonja Kirchberger kamen und das seitdem mit einer Auslastung von 100 Prozent fährt, soll Tui Cruises weiter wachsen. Den Vertrag dafür hat Vogel im Herbst unterschrieben. Bis zum kommenden Herbst muss sich das Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Tui und der amerikanischen Reederei Royal Caribbean entscheiden, ob es die Option für ein viertes Schiff zieht.