Der stark gesunkene Aktienkurs der Douglas-Holding versetzt die Großaktionäre des Hagener Handelskonzerns in Kauflaune. „Wir kaufen in überschaubaren Stückzahlen, aber stetig zu“, berichtet Mitinhaber Henning Kreke in Münster. Der Vorstandschef des MDax-Konzerns ist am Douglas-Großaktionär Eklöh-Gruppe beteiligt. Noch stärker ausgebaut hat Großaktionär Oetker seine Position.
Douglas-Filiale in Frankfurt am Main: Der Kurs fällt, ohne dass das Unternehmen für schlechte Nachrichten sorgt. Foto: AP
MÜNSTER. Nach Recherchen des Handelsblatts hat Krekes Vater Jörn über die Gesellschaften Lobelia und Hejana allein seit Anfang Juni Aktien im Wert von 2,4 Mill. Euro hinzugekauft. „Die Familie Kreke hält inzwischen 12,5 Prozent der Anteile“, bekundete Henning Kreke. Der Anteil der gesamten Eklöh-Gruppe habe sich dadurch auf 30 Prozent vergrößert. Anfang April waren Kreke senior, der dem Aufsichtsrat des Mischkonzerns (Douglas, Thalia, Appelrath-Cüpper, Hussel) vorsitzt, lediglich 10,9 Prozent der Aktien zugerechnet worden.
Noch stärker ausgebaut hat Großaktionär Oetker seine Position. Seit Jahresanfang sicherte sich der Bielefelder Familienkonzern per Optionsgeschäft in zehn Schritten jeweils 250 000 Aktien. „Oetker kommt nun knapp unter 20 Prozent“, sagte Vorstandschef Kreke. Im April waren dort gerade einmal 15 Prozent gemeldet worden. Obwohl sich die Großaktionäre gemeinsam der 50-Prozent-Grenze nähern, sei kein Übernahme-Pflichtangebot in Sicht. Zwischen den beiden Aktionärsgruppen gebe es keinen Poolvertrag.
Die Zeit für Zukäufe scheint günstig. In den vergangenen zwölf Monaten fiel der Kurs um 34 Prozent auf aktuell 31,80 Euro, ohne dass es bei Douglas zu enttäuschenden Ergebniszahlen gekommen wäre. Nach wie vor hält der Vorstand an dem Ziel fest, den Jahresumsatz um vier bis sechs Prozent auf rund drei Mrd. Euro zu verbessern, wobei auch der Vorsteuergewinn von 143 auf 150 Mill. Euro klettern soll. Investmenthäuser wie Dresdner Kleinwort halten deshalb weiterhin an ihrem Kursziel von 42 Euro fest und empfehlen die Aktie zum Kauf.
„Ich verstehe die Großaktionäre bei ihren Zukäufen voll und ganz“, kommentiert Branchenexperte Hans-Peter Kuhlmann von der LBBW die Aktivitäten von Oetker und Kreke/Eklöh. Den Kurseinbruch führt er auf die insgesamt negativen Konjunkturerwartungen zurück. Die Talfahrt sei in diesem Ausmaß aber unverständlich.
Zudem stehen in Hagen wichtige Entscheidungen bevor. „Uns beschäftigt die Frage, was aus unserem USA-Geschäft wird“, sagte Kreke. Rund um New York betreibt Douglas 13 Parfümerien, könnte nun den niedrigen Dollarkurs für Zukäufe nutzen. „Andererseits sind dort die Konsumaussichten überproportional negativ“, gibt der Vorstandschef zu bedenken. Als Kette hat dort bislang lediglich Wettbewerber Sephora Fuß gefasst, während das Gros des Parfümeriehandels über die großen Kaufhäuser wie Bloomingdale oder Macy’s abgewickelt wird.
Zukäufe könnte es auch bei der Buchhandelstochter Thalia geben, da der Wettbewerber Weltbild zum Verkauf steht. „Teile davon sind interessant“, sagte Kreke. Fraglich sei aber, ob vom Verkäufer – den deutschen Bistümern – überhaupt Einzelteile zu haben seien. Gleiches gelte für die insolvente Modekette Wehmeyer. „Einzelne Standorte hätten wir gern, nicht aber die ganze Kette“, sagte Kreke.
Andere Expansionsmöglichkeiten hat der Konzernchef dagegen vorerst auf Eis gelegt. So werde es den zunächst geplanten Start in Saudi-Arabien mit der Parfümeriekette Douglas vorerst nicht geben. „Die Erwartungshaltung unseres Joint-Venture-Partners war zu hoch“, begründet Kreke das Aus. Der Markt bleibe aber faszinierend.
Auch für China und Indien ging der Daumen, nachdem dort Marktchancen geprüft wurden, erst einmal nach unten. Das notwendige Investitionskapital sei zu hoch gewesen, gestand Kreke ein. Sparsamkeit will er auch in Russland beweisen, wo Douglas seinen Parfümerien einen Expansionsstopp verordnet hat. „Das Geschäft läuft sehr gut“, berichtet der Vorstandschef, „doch die Mietpreise sind jenseits von Gut und Böse.“

