
Schließlich waren seine Ladenartikel längst verkauft, wenn die Lieferantenrechnungen in Schleckers Buchhaltung eintrudelten. Solange Ladennetz und Umsatz wuchsen, finanzierte sich das Geschäft wie von selbst. Damit dem Drogeriekönig keiner über die Schulter blickte, führte Schlecker sein Reich als reine Personengesellschaft. Anders als Rossmanns GmbH oder die „GmbH & Co. KG“ von dm besaß der Marktführer keine Publikationspflicht. Was in der Schlecker KG vorging, wusste am Ende wohl nur der Chef selbst.
Die Planinsolvenz ist für Schlecker dennoch die einzige Möglichkeit, sein Lebenswerk zu retten. Das jedenfalls glaubt Handels- und Insolvenzrechtsexperte Hunkemöller. Denn anders als bei einer übertragenen Insolvenz bleibt bei dieser Form der Rechtsträger erhalten. Was theoretisch klingt, hat weitreichende praktische Auswirkungen: Trotz der Pleite nämlich erhalten Schleckers Vermieter damit nun kein außerordentliches Kündigungsrecht. Das Netz von europaweit 11.000 Verkaufsstellen – die wohl wichtigste Voraussetzung für einen Handelsbetrieb - bleibt damit erhalten.
Gleichzeitig erlaubt die Planinsolvenz Schlecker, unrentable Mietverträge mit nur dreimonatiger Frist zu kündigen. Üblicherweise laufen solche Mietverpflichtungen zehn bis 15 Jahre. Auch von überzähligem Personal kann sich die Drogeriekette nun einfacher Trennen. „Das Insolvenzverfahren ist für Schlecker voraussichtlich ein Befreiungsschlag“, sagt Rechtsprofessor Hunkemöller.
Erst in den kommenden Wochen und Monaten wird es sich entscheiden, ob der Drogerieriese Schlecker es schafft, eine völlige Pleite und das Aus für die rund 30.000 Mitarbeiter in Deutschland abzuwenden.
Die Spitze von Deutschlands bislang größtem Drogeriekonzern Schlecker muss Überzeugungsarbeit leisten. Gelingt es der Familie und dem Management, die Gläubiger von einem Insolvenzplan zu überzeugen? Wie geht es weiter?
Schlecker hat den Antrag auf eine Planinsolvenz beim zuständigen Amtsgericht Ulm eingereicht. Das Verfahren ähnelt dem amerikanischen sogenannten Chapter 11, mit dessen Hilfe sich dortige Unternehmen in weitgehender Eigenregie sanieren, um als Firma erhalten zu bleiben. Noch äußert sich Schlecker nicht dazu, wie ein solcher Plan genau aussehen könnte.
Es ist davon auszugehen, dass noch weit mehr Filialen als geplant geschlossen werden. Bislang sollte dieser Prozess Ende des ersten Quartals abgeschlossen sein - mit mehreren hundert weiteren dichtgemachten Läden, weit über 1000 seit Anfang des vergangenen Jahres. Zudem werden die Beschäftigten Federn lassen müssen.
Schlecker selbst hat eine ausgefallene „Zwischenfinanzierung“ als Ursache für die Insolvenz genannt. Nach übereinstimmenden Berichten verschiedener Medien und dpa-Informationen ging es um Zahlungen an den Einkaufsverbund Markant. Dieser und andere Gläubiger müssen also dem Sanierungskonzept Vertrauen schenken, so dass frische Ware in die Läden kommt.
Meike und Lars Schlecker hatten im Dezember erklärt, es habe bereits „die eine oder andere Vereinbarung“ mit Banken gegeben. Um Investoren zu finden, hat die Drogeriekette angeblich den Ex-Edeka-Chef Alfons Frenk engagiert. Schlecker bestätigte Verhandlungen über einen Einstieg von Finanzinvestoren nicht, über die das „Manager Magazin“ berichtet hatte.
Bislang hat Schlecker allen Filialschließungen zum Trotz keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen. Das Management verlängerte Zeitverträge nicht oder besetzte frei werdende Stellen nicht neu. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bestätigt das, fordert jetzt aber vollen Einsatz für die allein in Deutschland rund 30.000 Beschäftigten.
Eigentlich gilt bis Mitte 2012 ein Beschäftigungssicherungsvertrag - Mitarbeiter können nur gegen eine entsprechende Abfindung ausscheiden. Zumindest die Gehälter sind durch das Insolvenzausfallgeld für die ersten drei Monate des Verfahrens gesichert.
Zum Beispiel die Modekette Sinn Leffers oder den Fall Karstadt. Bei Sinn Leffers waren allerdings harte Einschnitte nötig: nur 25 von 47 Standorten blieben erhalten, rund 1300 Jobs wurden gestrichen. In Baden-Württemberg hat der Modelleisenbahnhersteller Märklin es geschafft, sich dank eines Plans aus der Insolvenz zu verabschieden. Das war aber auch nur möglich, weil sich die wichtigsten Gläubiger darauf einigten, einen Teil ihrer Forderungen in Millionenhöhe erst später beglichen zu bekommen.
Nur mit einem radikalen Imagewandel, sagen Branchenexperten. Weg vom Billiganbieter mit Geschäften an jeder Straßenecke, lange Jahre das Erfolgsmodell der Kette. Die größten Konkurrenten DM und Rossmann haben sich seit ihren ebenfalls im Drogerie-Discount-Bereich liegenden Anfängen enorm weiterentwickelt.
Gerade der Karlsruher DM-Konzern hat mit großen, zentral gelegenen Filialen immer mehr Marktanteile hinzugewonnen und ist etwa im Fotobereich sehr beliebt. Zudem hat Schlecker bis heute mit seinem Negativimage zu kämpfen, weil Arbeitnehmerrechte früher wenig galten und sich das Bild in den Köpfen vieler Konsumenten festgesetzt hat.
Die hat Schlecker mit seinem Programm „Fit for Future“ erst sehr spät gestartet. Anfang 2011 wurden die ersten, neu gestalteten Filialen aufgemacht. Sie bieten mehr Bewegungsfreiheit, übersichtliche Regale und ein speziell auf die jeweilige Nachbarschaft abgestimmtes Sortiment.
Rund 30 Prozent Umsatzzuwachs verzeichneten sie nach Angaben von Meike und Lars Schlecker. Bislang gibt es erst rund 300 der neuen Filialen, 750 bis 1000 sollten es in diesem Jahr werden. Das Gros der über 7000 Läden allein in Deutschland sind weiterhin kleine und enge Geschäfte mit geringen Fixkosten, aber auch wenig Umsatz. Hier wollte Schlecker zuletzt wieder über eine Preisoffensive punkten.
Hinzu kommt, dass Schlecker seinen Antrag noch rechtzeitig stellt. Ab März nämlich tritt eine Novelle des Insolvenzrechts in Kraft, die weitaus stärker in die Rechte des Altgesellschafters eingreift. So aber hat der Unternehmer deutlich weniger Eingriffe des Insolvenzverwalters zu fürchten. Auch die ab März drohende Gefahr, dass Geldgeber ihren Kredit kurzerhand in Eigenkapital der Pleitefirma verwandeln, braucht Schlecker durch seine Terminwahl nicht zu fürchten.
Nach Einschätzung Hunkemöllers könnte das Planverfahren für den Insolvenzverwalter zum Selbstläufer werden. „Solange die Läden geöffnet sind, kommt weiter Geld in die Kasse.“ Das Risiko ist daher viel geringer als etwa in der Bauindustrie, wo mit der Pleite oft ein Totalausfall des Geschäfts verbunden sei. Hinzu komme: Auch die Lieferanten seien als Gläubiger daran interessiert, ihren Kunden am Leben zu halten. Zugeständnisse im Insolvenzplan seien daher zu erwarten.
Wenn er persönlich haftet, ist er einfach nur doof. Kann ich mir aber gar nicht wirklich vorstellen. Was ich einfach nicht verstehe, ist, wie einer der reichsten Menschen Deutschlands (so er das denn ist) einfach behaupten kann, zahlungsunfähig zu sein. Ich habe den Insolvenzantrag als Faksimile (im web) gesehen. Da steht drin "über das Vermögen des Anton Schlecker) nix GmbH oder Holding oder wasauchimmer.
Seit wann ist denn ein e. K. eine Personengesellschaft?
Ich möchte sie bitten nur über Dinge zu schreiben von denen sie auch Ahnung haben,bei Schlecker arbeitet seit 16 Jahren schon keiner mehr für einen Hungerlohn!!!!!!!!!!
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