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30.11.2006 
Grüner-Punkt-Betreiber

Duales System: Entsorgt und verramscht

von Christoph Schlautmann

Wurde das Duale System, die Grüne-Punkt-Firma, viel zu billig an einen privaten Investor verkauft? Neue Zahlen nähren den Verdacht, dass der Verpackungsmüll-Monopolist vor genau zwei Jahren geradezu verramscht wurde – auf Kosten der ahnungslosen Gesellschafter aus dem deutschen Einzelhandel. Und auf Kosten der deutschen Verbraucher.

Jeder kennt ihn, jeder bezahlt ihn: der Grüne Punkt. Logo: Duales System DeutschlandLupe

Jeder kennt ihn, jeder bezahlt ihn: der Grüne Punkt. Logo: Duales System Deutschland

KÖLN. Als am 28. Oktober 2004 Henkel-Direktor Jürgen Seidler und Plus-Discountchef Michael Hürter um 15 Uhr zur Hauptverwaltung der Düsseldorfer Metro AG abbiegen, zeigt sich der Altweibersommer noch einmal von seiner strahlendsten Seite. Goldgelb leuchtet den Aufsichtsratsmitgliedern des Dualen Systems Deutschland (DSD) das Laub in der Metrostraße 1 entgegen, dem Amtssitz von DSD-Oberaufseher Erich Greipl.

Was die Herren anschließend in dessen Sitzungsraum erwartet, ist dagegen grau und trostlos. Es geht, wie DSD-Finanzvorstand Diether Buchmann unterbreitet, um die Zukunftsaussichten des Grünen Punktes. Von möglicherweise hohen Preissteigerungen bei den Entsorgungsbetrieben ist die Rede, von schwindender Kundenbindung und drohenden Auflagen der Behörden – angefangen beim Kartellamt bis hin zur EU. Die Aussichten, das wird allen rasch klar, sind düster.

Doch schon um 16.08 Uhr präsentiert Aufsichtsratschef Greipl den geschockten DSD-Aktionärsvertretern die denkbare Rettung. Die Tür öffnet sich und herein treten: Johannes P. Huth und Reinhard Gorenflos, Fondsmanager der US-Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR).

Was dann folgt, ist eine beispiellose Mischung aus Geschacher, Vernebelung und womöglich gar eine Art Insiderhandel. Denn am Ende wird das DSD in Windeseile geradezu verramscht – auf Kosten der ahnungslosen Gesellschafter aus dem deutschen Einzelhandel und ihrer Kunden, der deutschen Verbraucher.

Die zahlten jahrelang an deutschen Supermarkttheken nahezu unbemerkt Preisaufschläge für den Grünen Punkt – Geld, das über Umwege in die Kasse des DSD floss. Mit den Einnahmen beauftragte die Kölner Monopolorganisation Müllabfuhrfirmen, die den Verpackungsabfall aus den gelben Tonnen entsorgten. Erdacht hatte sich das aufwendige System einst der damalige Umweltminister Klaus Töpfer. Er verpflichtete 1991 sämtliche Konsumgüteranbieter, gebrauchte Verpackungen zurückzunehmen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Seit die DSD-Jahresergebnisse bekannt sind, herrscht im Kreis der Altgesellschafter Katerstimmung.

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