Die bisher größte Fusion im deutschen Einzelhandel droht am Veto des Bundeskartellamtes zu scheitern: Die Wettbewerbshüter wollen die Übernahme des Discounters Plus durch Edeka untersagen. Für den Hamburger Edeka-Konzern ist die Übernahme von der Tengelmann-Gruppe trotz der angedrohten Untersagung durch das Bundeskartellamt aber noch nicht endgültig geplatzt.
Das Parkschild eines Plus-Supermarkts hängt in Neukirchen-Vluyn vor dem eines Edeka-Marktes. Das Bundeskartellamt ist gegen die Pläne von Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka, Plus zu übernehmen. Foto: dpa
cs/HB DÜSSELDORF Man sei weiterhin optimistisch, die Fusion noch retten zu können, erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen. „Edeka will den Deal“, sagte ein Insider. Mit dem Kartellamt wolle man in den nächsten zehn Tagen darüber verhandeln, auf wie viele Plus-Läden Edeka verzichten müsse, um am Ende die Fusion doch noch genehmigt zu bekommen. Die ausgeklammerten Läden müssten zudem keinesfalls geschlossen werden, da es noch eine Reihe anderer Kaufinteressenten gebe. Zu ihnen zähle auch der Kölner Rewe-Konzern, der ursprünglich sogar für das gesamte Plus-Netz in Deutschland geboten hatte.
Den Vorwurf des Kartellamts, die darüber hinaus geplante Einkaufskooperation zwischen Tengelmann und Edeka schaffe eine zu große Macht gegenüber den Lieferanten, will man ebenfalls ausräumen. „Wir werden der Behörde anbieten, die Warenbeschaffung nur für bestimmte Warengruppen wie etwa Molkereiprodukte zu bündeln“, sagte ein Verhandlungsführer. Derzeit kontrolliert Marktführer Edeka in Deutschland 25 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels, Tengelmann mit den Vertriebsschienen Plus, Tengelmann und Kaiser's insgesamt 6,5 Prozent. Üblicherweise untersagen die Wettbewerbshüter Zusammenschlüssen spätestens dann, wenn der Marktanteil dadurch auf über 30 Prozent wächst.
Eine Sprecherin der Bonner Behörde wollte auf Anfrage jedoch keine Bedingungen nennen, unter denen das Bundeskartellamt die Fusion durchwinken würde. „Das ist eine Frage der Verhandlungen“, sagte sie.
Plus-Eigentümer Tengelmann und Edeka hatten Ende vergangenen Jahres vereinbart, ihre Discounter Plus und Netto in eine gemeinsame Gesellschaft einzubringen, an der Edeka die Mehrheit halten soll. Das neue Unternehmen wäre umsatzmäßig der drittgrößte Discounter hinter Aldi und Lidl. Außerdem wollten beide Unternehmen künftig im Einkauf zusammenarbeiten. Auch Tengelmann gab sich am Montag optimistisch, noch eine Lösung zu finden.
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Die Wettbewerbsbehörde sieht jedoch in den Plänen der Unternehmen eine Gefahr für den Wettbewerb im Einzelhandel. Dies gelte sowohl für die regionale und bundesweite Marktabdeckung, als auch für die Einkaufsmacht des neuen Lebensmittelriesen. Die Behörde befürchtet, dass Edeka „nach dem Zusammenschluss über eine überragende Marktstellung verfügen“ würde.
Das Kartellamt betonte, der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland sei bereits in den vergangenen Jahren einem radikalen Konzentrationsprozess unterworfen gewesen. Heute entfallen der Behörde zufolge rund 90 Prozent des inländischen Marktvolumens auf nur noch sechs Anbieter: Edeka, die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), Aldi, Rewe, Metro und Tengelmann. Marktführer sei Edeka.
Schon heute sei Edeka wie kaum ein anderes Handelsunternehmen in der Lage, verschiedene Kundengruppen über das eigene Unternehmen anzusprechen und seine Marktstärke insbesondere im Bereich der Markenprodukte auszuspielen, betonten die Kartellwächter. Mit dem Wegfall von Tengelmann verblieben als wesentliche Anbieter im so genannten Soft-Discount und bei den normalen Supermärkten lediglich Rewe und – mit Einschränkungen – die Schwarz-Gruppe. Rewe sei jedoch zu schwach, um den strukturellen Vorsprung von Edeka nach dem Zusammenschluss wirkungsvoll angreifen zu können.
Edeka und Tengelmann haben nun bis zum 17. April die Gelegenheit, zur Abmahnung Stellung zu nehmen. Dabei können sie auch Vorschläge machen, wie – etwa durch den Verkauf von Filialen an Dritte – die Bedenken des Kartellamtes ausgeräumt werden könnten. Eine endgültige Entscheidung der Kartellbehörde soll bis zum zum 28. April fallen.

