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Edeka, Rewe & Co.: Wenn Eigenmarken zur Last werden

Die Lebensmittelskandale zeigen, dass die Eigenmarken – Hoffnungsträger der Branche – zu einem Risikofaktor geworden sind. Denn: Die Skandale bedrohen nicht nur das Image der Produkte, sondern den Erfolg der Supermärkte als solche.

Der Hackfleisch-Skandal schreckte die deutschen Supermarkketten auf. Auch in Eigenmarken war Pferdefleisch gefunden worden (im Bild die Edeka-Eigenmarke "Gut & Günstig"). Quelle: dpa
Der Hackfleisch-Skandal schreckte die deutschen Supermarkketten auf. Auch in Eigenmarken war Pferdefleisch gefunden worden (im Bild die Edeka-Eigenmarke "Gut & Günstig"). Quelle: dpa

DüsseldorfBis Mitte Februar war alles noch in Ordnung. Dann entdeckten die deutschen Behörden auch hierzulande immer mehr undeklariertes Pferdefleisch in Lebensmitteln. Und als klar wurde, dass zig illegal geschlachtete Pferde über den deutschen Einzelhandel auf den Tellern der Verbraucher gelandet sind, war er plötzlich da: Einer der größten Lebensmittelskandale in der Geschichte Europas und Deutschlands.

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Die Kunden machten plötzlich einen Bogen um Fertig-Lasagne oder –Cannelloni. Dabei erlebten die Tiefkühl-Gerichte gerade einen kleinen Aufschwung. Besonders bitter für die Branche: Allein 2012 war der Markt nach Angaben von Nielsen noch um 3 Prozent auf 5,29 Milliarden Euro und der Absatz um 1,3 gestiegen, berichtete die Fachzeitschrift „Lebensmittelpraxis“. Im April 2013 sieht es düster aus. „Ein kräftiges Wachstum ist in ein zum Teil kräftiges Minus umgeschlagen“, heißt es im jüngsten Consumer Index der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Rewe-Rivale Edeka auf Wachstumskurs

Der Supermarktgigant Edeka hat seine Bücher geöffnet und präsentiert die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr. Unterm Strich legte der Umsatz um über 6 Prozent zu und auch das Geschäft mit den Eigenmarken floriert.

Den Big Playern im Lebensmittelhandel wurde mit dem Skandal ein großes Risiko bewusst. Denn sie setzen zunehmend auf eigene Lebensmittelmarken – und wenn diese zurückgerufen werden müssen, färbt das gleich auf das Image der gesamten Kette ab. Das Reputationsrisiko wächst: Der Einzelhändler Edeka hat heute seine Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt und die Nachfrage nach Eigenmarken steigt erneut.

„Im Jahr 2012 ist der Umsatz mit Eigenmarken deutlich über dem Branchenschnitt gewachsen“, so ein Edeka-Sprecher gegenüber Handelsblatt Online. „Insgesamt liegt der Umsatz der Eigenmarken bei uns in einer Größenordnung von rund 20 Prozent, mengenmäßig deutlich über 30 Prozent.“

Wer alles Pferd gefunden hat

  • Aldi Nord

    In „Tiefkühl Penne Bolognese 750 g“ und „Gulasch 540 g Dose, Sorte Rind“ hat Aldi Nord Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen. Das Gulasch des Lieferanten Omnimax sei nur in den Regionalgesellschaften im Raum Magdeburg, im Raum Süd-Ost-Berlin, in Süd-Ost-Brandenburg und in Hoyerswerda vertrieben worden. Die „Tiefkühl Penne Bolognese“ eines anderen Lieferanten sei in allen deutschen Filialen von Aldi Nord verkauft worden.

    Ende Februar nahm Aldi Nord zudem Zigeuner Hacksteaks des Lieferanten Wingert Foods aus dem Sortiment.

  • Aldi Süd

    Aldi Süd nahm Dosen-Ravioli und -Gulasch aus den Regalen. Bei Analysen wurden bei den Produkten nach Angaben des Discounters "Anteile von Pferdefleisch" nachgewiesen. Es handelt sich demnach um "Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)" der Eigenmarke "Cucina" vom Lieferanten BLM sowie um "Gulasch, 450 g Dose (Sorte Rind)" des Lieferanten Omnimax, das ausschließlich in Nordrhein-Westfalen verkauft wurde.

  • Edeka

    Edeka stellte in Stichproben von Lasagne der Eigenmarke "Gut & Günstig" nach eigenen Angaben "geringe Pferdefleisch-Anteile" fest. Der Verkauf des Tiefkühlprodukts wurde gestoppt. Deutschlands größte Supermarktkette prüft weitere Artikel. Bei anderen Produkten liegen demnach aber bislang "keine Hinweise auf vergleichbare Probleme" vor. Laut Verbraucherzentrale Hamburg wurden auch Filialen der regionalen Supermarktkette Konsum Leipzig in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit der Edeka-Lasagne beliefert.

  • Eismann

    Eismann stellte in zwei Lasagne-Produkten Pferdefleisch fest. Den Verkauf der betroffenen Ware stoppte der Tiefkühl-Heimservice nach einem ersten Verdacht. Verbraucher können die Ware Eismann-Verkäufern zurückgeben und bekommen das Geld zurück. Weitere Produkte neben der Lasagne sind laut Eismann nicht betroffen.

  • Ikea

    Tschechische Behörden haben Ende Februar in gefrorenen Hackbällchen („Köttbullar“) Pferde-DNA nachgewiesen.

  • Kaiser's Tengelmann

    Kaiser's Tengelmann nahm Lasagne der Eigenmarke A&P aus dem Verkauf. Die Supermarktkette rechnet inzwischen fest damit, dass das Tiefkühl-Produkt neben Rindfleisch auch Pferdefleisch enthält. Kaiser's Tengelmann wurde eigenen Angaben zufolge vom französischen Hersteller Comigel offiziell informiert, dass die von ihm für seine Kunden hergestellten Fertiggerichte "durchgängig Anteile von Pferdefleisch enthalten". Kaiser's Tengelmann hat auch eigene Tests beantragt, deren Ergebnis noch nicht bekannt ist.

  • Lidl

    Lidl stoppte in Deutschland den Verkauf von Rindfleisch-Tortelloni der Eigenmarke Combino, nachdem Kontrolleure in Österreich darin Anteile von Pferdefleisch gefunden hatten. Der Hersteller der Nudelprodukte, Hilcona aus dem Fürstentum Liechtenstein, erklärte, er verarbeite selbst kein Frischfleisch, sondern beziehe dieses von Lieferanten. Das mit Pferdefleisch durchsetzte Rindfleisch für die Tortelloni lieferte demnach die Firma Vossko aus Ostwestfalen. Sie wiederum prüft nun, welcher ihrer Lieferanten rohes Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte.

  • Real

    Real rief "TiP Lasagne Bolognese, 400g, tiefgekühlt" zurück. Bei Laboruntersuchungen mit dem Produkt der Eigenmarke war in "einzelnen Stichproben" Pferdefleisch gefunden worden.

  • Rewe

    Rewe nahm sowohl Produkte aus dem Sortiment, welche die Supermarktkette unter ihrem eigenen Namen verkaufte, als auch Produkte eines Markenherstellers. Betroffen sind "Rewe Chili con Carne" und "Rewe Spaghetti Bolognese", die laut Rewe vom Unternehmen SGS Geniesser Service hergestellt wurden, sowie "Mou Lasagne Bolognese" und "Mou Cannelloni Bolognese" der Marke Tulip. Bei den Produkten der Eigenmarke und des Markenherstellers konnten die Produzenten Rewe zufolge nicht ausschließen, dass diese Anteile von Pferdefleisch enthalten.

  • Nestlé

    Bei Tests sei Pferde-DNA in zwei Nudel-Produkten nachgewiesen worden, für die ein deutsches Unternehmen Fleisch geliefert habe, teilte der Schweizer Konzern in einer Erklärung mit. Die in Italien und Spanien verkauften Sorten Buitoni-Rindfleischravioli und Rindfleisch-Tortellini seien daraufhin sofort freiwillig vom Markt genommen worden. In Deutschland würden diese Gerichte nicht vertrieben.

Mogelpackungen mit Pferdefleisch hatten sich nicht nur bei Edeka-Eigenmarken gefunden, sondern auch im Sortiment von Rewe, Real, Kaiser’s, Tengelmann, Eismann, Aldi und anderen. Mit schnellen Rückrufaktionen und öffentlichen Erklärungen versuchte der Handel, den Imageschaden in Grenzen zu halten. Man sei selber Opfer von betrügerischen Fleisch-Produzenten und die Kritik bezüglich mangelnder Kontrollen voreilig und nicht gerechtfertigt.

„Gegen kriminelle Energie gibt es selbstverständlich keinen 100-prozentigen Schutz“, so ein Rewe Sprecher gegenüber Handelsblatt-Online. „Aber wir müssen die Messlatte hochlegen, um Betrug weiter zu erschweren.“ Und er fügt hinzu: „Dabei liegt die Verantwortung zunächst bei unseren Lieferanten, dort kommen die Warenströme zusammen. Daher macht es Sinn, dort zu kontrollieren.“

Verschärfte Kontrollen, transparente Lieferketten, Siegel und Zertifikate: Das war wochenlang Top-Thema in der öffentlichen Diskussion. Aber so ganz aus dem Schneider ist die Branche nicht, denn für die Handelsunternehmen ist es schwer, die Verantwortung ganz an Lieferanten und Produzenten abzuwälzen. Schließlich waren in manchen Fällen Eigenmarken getroffen, die sogar den Namen des Supermarkts tragen.

  • 29.04.2013, 16:15 UhrMannDesFriedens

    Auch die billigsten Fertiggerichte sind viel zu teuer.
    1.) Sie sind ungesund und machen krank.
    2.) Sie sind unausgewogen und machen fett
    3.) Die Inhaltsstoffe sind wertlos und der Geschmack völlig übersalzen und überwürzt.

    Man bekommt heute 12,5 Kilogramm Kartoffeln für 5-6 Euro. Wenn man daraus Kartoffelauflauf machen würde und pro Auflauf 1,25 Kilogramm Kartoffeln verwendet und 1 Tüte hochwertigen Reibekäse für 2 Euro pro Auflauf nimmt und 50 Cent für hochwertige Gewürze, dann bekommt man davon 10 Mahlzeiten für jeweils 4 Personden zum Preis von gerade mal 3 Euro pro Mahlzeit. Also pro Person weniger als 1 Euro für eine sattmachende, gesunde Nahrung. Da bleibt noch genug Geld für einen frischen Salat übrig und frisch gedünstetes Gemüse.

    Vorteile
    Günstig, Gesund, Gutschmeckend und man weiss genau, was man isst.
    Nachteile
    Man muss sich natürlich die Mühe machen, selbst zu kochen und zu backen. Geht aber ganz einfach
    1: Kartoffeln gar kochen, abkühlen lassen. Gerne auch am Abend vorher, Kartoffeln pellen, mit einer Raspel in grobe Streifen raspeln.
    2: Gewürze untermischen (Liebstöckel, Majoran, Kerbel, Curry, Paprika, Salz, Pfeffer oder nach Belieben)
    3: Auflaufform einfetten, Kartoffelmischung schichten und mit Reibekäse bestreuen und im Backofen bei 200 Grad 15 Min. backen.
    Dazu Gemüse der Saison, leicht in Olivenöl angebraten oder leicht gegart und dezent gewürzt.
    Vegetarische Soße: Sojacussine oder Kokusnussmilch mit einem Gemüsebrühwürfel warm machen und nach Bedarf nachwürzen mit Muskat, Pfeffer und Petersilie......
    Schmeckt, geht leicht, macht satt und ist gesund.

    Auch Nudeln gehen schnell und billig

    Wenn ich Nudeln koche, brauche ich dafür mit Wasser heiss machen rund 10-12 Minuten. In der Zeit habe ich eine Pfanne mit Öl warm gemacht und Gemüse der Saison angebraten und gewürzt. In 1000 Varianten. Ist billig, geht genauso schnell wie ein Fertiggericht und schmeckt.

    Fazit: Fertiggerichte können gerne komplett vom Markt - braucht man nicht

  • 29.04.2013, 16:44 UhrTusnelda

    Der Artikel ist sicher gesponsort von Nestlé, Kraft, Oetker, Erasco und Co., die ihre Produkte alleine im Regal sehen wollen ohne jede billige Konkurrenz daneben!

  • 29.04.2013, 16:58 Uhrstatesman

    Fast alle Fertig-Gerichte schmecken im Vergleich so schlecht, daß man sie eigentlich nur als Notproviant bei nicht vorhandenen frischen Lebensmitteln betrachten sollte.

    Dass trotzdem soviel von dem Dreckzeug gegessen wird, liegt an der niedrigen Qualitätserwartung der deutschen Konsumenten.

    Ich glaube nicht, dass jemals ein "Createur" des Plunders in den deutschen Lebensmitteltheken mehr als eine Messerspitze der "Speisen" gekostet hat, die er mit großem Briborium auf den Markt gebracht hat.

    Abgesehen von dem miserablen Geschmackserlebnis kommt dann noch die geballte Menge an unverträglichen Chemikalien dazu, die von wirtschaftshörigen Panschern bei den staatlichen Aufsichtsbehörden als Zugabe erlaubt werden.

    Das Ganze spielte sich unter den Augen von "namhaften" Verbraucher-Schutz-Ministern(innen) ab, die heute sogar ganze Bundes-Länder regieren dürfen.

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