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Elektronikhändler: Die üblen Maschen von Media Markt

Europas größter Elektronikhändler hat mit schriller Werbung eine ganze Branche umgekrempelt. Doch interne Informationen zeigen auch, wie Lieferanten ausgepresst werden - und dass der Gigant anfällig ist für Korruption.

von Jürgen Berke, Henryk Hielscher und Christian Schlesiger Quelle: WirtschaftsWoche Online
Plasma-Fernseher in einer Wuppertaler Filiale von Media-Markt. Quelle: dapd
Plasma-Fernseher in einer Wuppertaler Filiale von Media-Markt. Quelle: dapd

DüsseldorfMedia Markt hat in seinen Geschäften eine ausgeklügelte Vermarktungs- und Produktplatzierungs-Strategie umgesetzt. Kunden werden mit Fußspuren zu Angeboten gelotst und an den Mobilfunkständen prangen die Logos der Anbieter. Media Markt profitiert doppelt von seiner Markt-Verkaufsstrategie: Einerseits sollen die Kunden dadurch zum Kaufen animiert werden, andererseits müssen die Hersteller der Geräte oft ordentliche Summen dafür bezahlen, dass ihr Logo groß an einer Wand in einem Media Markt hängt.

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Der Duft von Popcorn zog durchs Zelt, Clowns und eine Combo auf Hydraulikstelzen staksten durch die Manege. Ein Pantomime wartete mit einer Sprachjonglage zum Thema Klarheit auf. Auch die Werte Loyalität, Demut und Optimismus versuchte das Management des Elektronikhändlers Media Markt seinen Beschäftigen einzubläuen und schleuste im Frühjahr 2010 Tausende Mitarbeiter durch den „Circus der Werte“ im Roncalli-Zelt. Auf einer eigens eingerichteten „Werteplattform“ im Internet wurde der Tugendkanon anschließend aufbereitet, schließlich sollte die Vorstellung nur der „Beginn einer wertvollen Reise“ sein.

Zwei Jahre später entpuppt sich die vermeintliche Moraloffensive als das, was sie am Anfang war: eine bunte Zirkusshow. Media Markt wird von der größten Schmiergeldaffäre in seiner Geschichte erschüttert. Der frühere Deutschland-Chef Michael Rook sitzt wegen Korruptionsverdacht in Untersuchungshaft, ebenso wie ein einst mächtiger Regionalfürst des Elektronikhändlers. Demnächst erwarten beteiligte Juristen die ersten Anklagen.

Bei den Recherchen zu dem Fall stieß die WirtschaftsWoche auf weitere fragwürdige Geschäfte in der Media-Markt-Manege – von einem über Jahre bestehenden Geheimvertrag mit dem Mobilfunkanbieter Debitel bis zur nahezu kompletten Vermarktung einzelner Filialen als Werbefläche. Markenartikelhersteller stöhnen seit Jahren über den steten Konditionendruck und das Preisgefeilsche mit dem Handelshaus.

Ist Media Markt teurer oder billiger?

Dahinter steckt System: Nur wenigen Händlern gelingt es, ihre Marktmacht so gewinnbringend auszuspielen, dass ihre Lieferanten nicht nur Werbe- und Expansionskosten bezuschussen, sondern auch einen Teil der Personalaufwendungen übernehmen. Der Einsatz sogenannter Promotion-Kräfte macht es möglich. Kunden, die Fachberatung erwarten, sollten wissen, dass sie mitunter auf industriegesponserte Markenagitatoren treffen. Objektivität kann in den Hintergrund treten, Schnäppchenangebote können sich als hochpreisig entpuppen. Gut beraten ist, wer die Maschinerie hinter dem Schein durchschaut.

Fast wirkt die Ingolstädter Holding, zu der auch die Schwestermarke Saturn gehört, wie ein zu groß geratener Familienbetrieb. Ein milliardenschwerer Konzern, der den Gesetzen eines Mittelständlers folgt, mal lokal, mal zentral agiert und sich so auf mehreren Ebenen anfällig für unlautere Geschäfte gemacht hat. Wandelt sich der einst gefeierte Handelsrevoluzzer zum chronisch filzgefährdeten Imperium?

Ein Sprecher verweist derlei Thesen ins Reich der Fantasie. Media Markt betreibe schließlich einen „hohen Aufwand“, um „kriminellen Aktivitäten von Mitarbeitern bestmöglich vorzubeugen“. Compliance? Passt schon! Die Marktmacht? Überschaubar. Und die Beziehung zur Industrie? „Stets kooperativ und partnerschaftlich.“

  • 20.03.2012, 09:30 UhrASKME73

    Siemens, M.A.N.,Kraus Maffay Media Markt u.v.a.... ploetzlich sind nicht nur die Pleitegriechen korrupt...in welcher Scheinwelt habt ihr nur gelebt? Diese Methoden der Grosskonzerne sind ueberall bekannt gewesen. Woher kommen den die Boni und Milliardengewinne? Nur durch Ueberteuerung der Produkte, die durch Schmiergeldzahlungen beinflusst werden. Die Ethik der deutschen Unternehmen ist auf dem Siedepunkt. Am Ende bezahlt ja sowieso der Steuerzahler. Liebe Spitzenmanager (meine Ex- Bosse)...ich hoffe die Politik aber noch mehr die Justiz wacht irgendwann mal auf und jagt euch zum Teufel!!!

  • 17.03.2012, 13:08 UhrActaGleichfail

    Wenn die Märkte weg sind, freue ich mich, weil dann niemand mehr von den Bauernfängern über den Tisch gezogen wird.
    Persönlich fehlt mir nichts, denn ich bestelle seit 2000 ausschliesslich online oder kaufe Hifi beim kleinen Fachhändler.

  • 16.03.2012, 21:07 UhrInternetbesteller

    Wenn die Mediamärkte und Saturn weg sind, ist endlich wieder Platz für gut beratende Kleinhändler. Ich kaufe im Internet, aner auch bei Händlern, aber nur bei kleinen Händlern, bei mediamarkt schau ich mir alles nur an und teste es, denn


    " Geiz ist doch sooo Geil" !

    sagt doch die Werbung!
    Und die hat doch recht, oder liebe Mediamarkt Mitarbeiter?
    oder war es Saturn??

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