
KÖLN. Die Glückwünsche rauschten im Minutentakt ein. Übernächtigte Fans verwandelten die Facebook-Seite von Martin Kaymer in einen Ort kollektiver Euphorie: "Spitzenklasse", "Oberhammer", "Wahnsinn" - so lauteten die Kommentare zum jüngsten Coup des in Düsseldorf geborenen Profigolfers. In der Nacht zum Montag hatte Kaymer eine Sensation geschafft: Er gewann in Kohler im US-Bundesstaat Wisconsin sein erstes Major-Turnier. 1,35 Mio. Dollar kassiert der 25-Jährige dafür und rückt auf Platz fünf der Weltrangliste vor.
Mit einem Schlag steht aber nicht nur Kaymer im Rampenlicht, sondern eine ganze Sportart. Vermarkter setzen auf die Zugkraft des neuen Stars und wittern ein großes Geschäft. "Martin Kaymer hat das Zeug, den Golfsport hierzulande aus seinem medialen Dornröschenschlaf zu holen", sagt Sven Müller, Geschäftsführer der Vermarktungsagentur People Brand Management in Hamburg. "Der Major-Titel ist geeignet, aus ihm einen neuen deutschen Sporthelden zu machen."
Schon lange warten die Verantwortlichen auf einen neuen Golf-Star. Der letzte Erfolg eines Deutschen bei einem Major-Turnier liegt 17 Jahre zurück. Damals wiederholte der Anhausener Bernhard Langer seinen ersten Sieg bei den US Masters aus dem Jahr 1985.
Nun soll Kaymer helfen, auch die breite Masse anzulocken. 600 000 Aktive zählte der Deutsche Golf Verband (DGV) im vergangenen Jahr - der Fußball bringt es auf mehr als das Zehnfache. Sponsoren im Golfsport zielen vor allem auf vermögende Fans: "Zwar ist die Zuschauerzahl bei Turnieren vor Ort nicht so groß wie in Fußballstadien", sagt Stefan Szymanski, Professor an der Cass Business School in London. "Doch für die Hersteller von Luxusartikeln gibt es kaum eine bessere Zielgruppe."
Auf dem Weg zur Werbe-Ikone
Kaymer könnte nun neue Sponsoring-Interessenten für den Sport locken. Er selbst ist bereits im Geschäft mit der auf Golf spezialisierten Adidas-Tochter Taylor-Made, mit dem Uhrenhersteller Rolex sowie der Bekleidungsfirma Lacoste und dem Fenster- und Solaranbieter Schüco. "Golf bietet das ganze Jahr über eine konstante Werbeplattform", sagt Vermarktungsexperte Sven Müller. Kaymer könne es gelingen, auch Telekommunikationsanbieter oder Finanzdienstleister an den Sport zu binden und sich selbst mittelfristig als Top-Testimonial zu etablieren. Bis zu einer Mio. Euro pro Vertrag seien dann möglich. "Kaymer kann als Werbe-Ikone eine Randsportart ins Rampenlicht rücken."