
Brüssel, Frankfurt, DüsseldorfDer klassische Eindruck von einem Wirtschaftsprüfer ist ja eher nicht so, dass ihm regelmäßig vor Wut der Kragen platzt. Aber in diesen Tagen hört man doch sehr deutlich, bisweilen vor Wut strotzende Aussagen aus der hochseriösen Branche.
Binnenmarktkommissar Michel Barnier will den Wirtschaftsprüfern unter anderem verbieten, auch in der Unternehmensberatung tätig zu sein. Viele Prüfer empfinden die Fesseln, die ihnen ans Bein gebunden werden sollen, als zu streng: "Die EU-Kommission geht mit ihren Gesetzesvorschlägen zu weit, da sie alle Argumente aus vorangegangenen Diskussionen mit der Wirtschaft, den Prüfern und den Parlamentariern unberücksichtigt lässt", wettert Norbert Winkeljohann, Deutschlandchef von Pricewaterhouse Coopers (PwC). Experten gehen davon aus, dass das EU-Parlament die Pläne so nicht akzeptieren wird.
„The Big Four“ werden sie genannt, die vier großen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen, wie man sie exakt bezeichnet. Nun will die EU ihre Macht beschränken. Die vier großen Wirtschaftsprüfer beschäftigen allein in Deutschland über 30.000 Mitarbeiter.
Pricewaterhouse Coopers ist in Deutschland Marktführer. 1,34 Milliarden Euro macht der US-Konzern 2010 hierzulande an Umsatz – und das mit 8.637 Mitarbeitern.
PwC wurde 1848 in London gegründet, hat heute aber seinen Hauptsitz in New York. 2010 machte der Konzern weltweit einen Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar und beschäftigte rund 160.000 Mitarbeiter.
Auf Rang zwei liegt in Deutschland KPMG mit einem Umsatz von 1,19 Milliarden Euro. 8.270 Mitarbeiter beschäftigt KPMG hierzulande.
KMPGs Sitz ist in der Schweiz, die Hauptverwaltung liegt allerdings im kanadischen Toronto. Weltweit gesehen liegt der Konzern mit 140.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 20,6 Milliarden Dollar auf Rang drei.
Denn Ernst & Young ist mit einem Umsatz von 21,3 Milliarden Dollar etwas größer. Die Mitarbeiterzahl liegt mit 141.000 praktisch gleichauf mit dem Konkurrenten KPMG. Ernst & Young hat seinen Hauptsitz in New York.
In Deutschland macht Ernst & Young einen Umsatz von 1,06 Milliarden Euro und liegt damit auf dem dritten Platz. 6.776 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen hierzulande.
Die Nummer vier folgt mit einigem Abstand: Deloitte kommt in Deutschland „nur“ auf einen Umsatz von 577 Millionen Euro und beschäftigt 4.602 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wollte Deloitte Roland Berger kaufen, um das Beratungsgeschäft auszubauen. Aber der Deal scheitere am Widerstand der Berger-Partner.
Im weltweiten Vergleich ist Deloitte aber die Nummer zwei mit einem Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar. 170.000 Mitarbeiter beschäftigt das US-Unternehmen.
Auf Platz fünf liegt in Deutschland BDO. Doch der Abstand ist enorm: BDO macht hierzulande einen Umsatz von 180 Millionen Euro.
Auf Rang sechs folgt Rödl & Partner mit einem Umsatz von 135,5 Millionen Euro. Immerbin sind das acht Prozent mehr als 2009.
Ecovis konnte zulegen, und zwar um rund vier Prozent und kommt nun auf einen Umsatz von 107 Millionen Euro.
Langer Name, großer Zuwachs: Ebner Stolz Mönning Bachem hat seinen Umsatz im Jahr 2010 um über zwölf Prozent auf 106 Millionen Euro gesteigert.
Auf Platz neun liegt Rölfs mit einem Deutschland-Umsatz von 84 Millionen Euro. Das bedeutet ein Minus von sieben Prozent im Vergleich zu 2009.
In die Top Ten hat es auch PKF Fasselt Schlage. Das Unternehmen kommt in Deutschland auf einen Umsatz von 56 Millionen Euro.
Auch das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW) nimmt die Pläne mit Unverständnis zur Kenntnis: "Es geht dem Kommissar augenscheinlich nicht mehr darum, die Abschlussprüfung auf der Grundlage der Erfahrungen der Finanzkrise qualitativ weiterzuentwickeln, sondern den Prüfungsmarkt nach seinen Vorstellungen und auf Kosten der prüfungspflichtigen Unternehmen umzugestalten", kritisiert IDW-Chef Klaus-Peter Naumann. Die Vorschläge griffen ohne ausreichende Rechtfertigung in die Autonomie der Gesellschaften ein.
seit wann kümmern sich die Gesellschaften mit den wenigen Buchstaben um bestehende Regelungen?
Ich verstehe einfach nicht, wie die vorgeschlagenen Regulierungen eine Lehre aus der Finanzkrise sein sollen:
Ein WP testiert, ob der Jahresabschluss richtig oder falsch ist, nicht gut oder schlecht. Wenn die WPs vor den "Risiken" hätten warnen sollen, hätte diese Aufgabe vorher auf die WPs übertragen werden müssen - mit dem Problem der selbsterfüllenden Prophezeiung.
Eine Abspaltung der Unternehmensberatung bringt nichts, weil der Prüfungs-Partner X an erster Stelle das Mandat nicht verlieren will - egal, ob da noch Umsatz vom Beratungs-Partner Y dran hängt oder nicht.
Deswegen sollten die WPs einfach von den Eignern ausgewählt und bezahlt werden, dann ergibt sich das Problem doch gar nicht. Die Anteilseigner sollten an einer möglichst guten und nicht der billigsten Prüfung interessiert sein, da diese das genuine Interesse an verlässlicher Information haben sollten. Solange der Vorstand den Prüfer auswählt und bezahlt, schränkt das die Verlässlichkeit gegebenenfalls ein.
Leider ist den Anteilseignern, gerade bei großen Kapitalmarktorientierten Unternehmen, das Interesse an verlässlicher Information abhanden gekommen. Es wird der Prüfer genommen, der vom Vorstand (ggfs. mittels Audit Committee) vorgeschlagen wird. Geht's den Bach runter, beschwert man sich, ohne das man selbst für die mögliche Verhinderung irgendetwas getan hat. Manch einer mag sich an die Kontroversen bei der Bestellung des neuen alleinigen Abschlussprüfers der Telekom erinnern und das über 90%ige Abstimmungsergebnis der Hauptversammlung.... Da braucht sich niemand wundern
"Hochseriöse Branche?" - ROTFL
Jeder, der schon einmal für eine WP Gesellschaft gearbeitet hat weiß, das das Geschäft eher mit den Begriffen "ehrenwert" oder "halbseiden" zu tun hat.
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