Handel + Dienstleister

_

Filialen bleiben erhalten: Wöhrl schluckt Modehaus-Kette Sinn-Leffers

Die Modehaus-Kette Sinn-Leffers gehörte mal Karstadt, dann einem Finanzinvestor – nun wechselt sie wieder den Besitzer: Käufer ist das Familienunternehmen Wöhrl. Zu ihm passe der Rivale „perfekt“, meint Gerhard Wöhrl.

Der Schriftzug der Bekleidungskette SinnLeffers in einem Schaufenster. Quelle: dpa
Der Schriftzug der Bekleidungskette SinnLeffers in einem Schaufenster. Quelle: dpa

HagenDie Modekette Sinn-Leffers will mit dem Konkurrenten Wöhrl als neuem Eigner ihren ausländischen Rivalen wie Zara oder H&M trotzen. Der Nürnberger Modehaus-Unternehmer Gerhard Wöhrl kündigte am Freitag in Hagen in der Sinn-Leffers-Zentrale an, die Kette mit rund 2000 Beschäftigten vom Finanzinvestor DIH zu übernehmen. Sinn-Leffers ist vor allem in Nordrhein-Westfalen aktiv, die Wöhrl-Gruppe hat mit 38 Filialen ihren Schwerpunkt im Süden und Osten der Republik. Beide Ketten ergänzten sich damit ideal, betonte Wöhrl. Sinn-Leffers müsse sich nun aber bewähren: "Ich kann nicht mehrere Jahre der Stagnation hinnehmen", unterstrich er. Das Bundeskartellamt muss der Übernahme nun noch zustimmen.

Anzeige

Die ehemals zu Karstadt Quelle (Arcandor) gehörende Sinn-Leffers hat eine bewegte Geschichte hinter sich und ist in den vergangenen Jahren durch eine harte Sanierung gegangen. 2005 von der Deutschen Industrie-Holding (DIH) gekauft, überstand sie 2008 eine Planinsolvenz, mit der das Filialnetz deutlich gestrafft wurde. Von Anfang 2009 bis 2012 habe die Kette den Umsatz um sieben Prozent gesteigert und arbeite profitabel, sagte Sinn-Leffers-Geschäftsführer Karsten Oberheide. Zuletzt erwirtschafteten die 22 Filialen einen Umsatz von gut 300 Millionen Euro. Sinn-Leffers beschäftigt knapp 2000 Mitarbeiter.

Die größten Textilhändler in Deutschland

  • Rang 10

    Tchibo: Die Hamburger erzielten 2010 einen Umsatz von 945 Millionen Euro und landen damit in der Liste der Top 10 Textilhändler in Deutschland, die jährlich von der Fachzeitschrift Textil Wirtschaft veröffentlicht wird, auf Rang 10.

  • Rang 9

    Aldi-Gruppe: Aldi Nord und Aldi Süd erzielten 2010 zusammengerechnet einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro. Damit zählt der große Player des Lebensmitteleinzelhandels auch im Bereich der Textilwirtschaft zu einem der größten Händler und belegt den neunten Platz.

  • Rang 8

    Lidl: Auch die Neckarsulmer, kein Leichtgewicht im Lebensmitteleinzelhandel, sind vertreten. Mit einem Jahresumsatz (2010) von rund 1,05 Milliarden Euro rangieren sie auf Platz 8.

  • Rang 7

    Tengelmann: Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2010 einen Jahresumsatz von rund 1,2 Milliarden Euro. Damit landet das Familienunternehmen Tengelmann auf Platz 7.

  • Rang 6

    Peek & Cloppenburg: Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz (2010) von 1,33 Milliarden Euro Platz 6.

  • Rang 5

    Karstadt: 1,97 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2010 - das verhilft dem Essener Konzern ins Mittelfeld auf Platz 5.

  • Platz 4

    Metro: Die Düsseldorfer Metro-Group belegt den vierten Platz. Jahresumsatz in 2010 2,42 Milliarden Euro.

  • Platz 3

    C&A: Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von über 3 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland.

  • Platz 2

    H&M: Der zweitgrößte Textil-Player in Deutschland ist die Hamburger Modekette H&M mit einem Jahresumsatz von 3,2 Milliarden Euro.

  • Platz 1

    Otto: Der größte Textileinzelhändler in Deutschland ist die Hamburger Otto Group mit einem Jahresumsatz (2010) von 4,16 Milliarden Euro.

Unter denen sei die Stimmung zuletzt "emotional aufgeladen" gewesen, als Berichte über einen Eigerwechsel die Runde machten, berichtete Oberheide. Wöhrl habe aber persönlich an einer Betriebsversammlung in Hagen teilgenommen, er hoffe, dass Ängste nun beseitigt seien. Sinn-Leffers solle als "Haus der starken Marken" der Konkurrenz die Stirn bieten.

Die Gewerkschaft Verdi fürchtet um die Löhne der Mitarbeiter, weil Wöhrl nicht an den Einzelhandelstarif gebunden sei. Für Sinn-Leffers gilt ein Anerkennungstarifvertrag. "Wer Geld für Expansion in dieser Größenordnung hat, sollte auch Geld für eine tarifgerechte Entlohnung der Beschäftigten haben", forderte der Bundesvorstand. Noch unklar sei auch das Schicksal der Hauptverwaltung in Hagen.

Batten & Company-Ranking Wer ist der sympathischste Händler Deutschlands?

  • Batten & Company-Ranking: Wer ist der sympathischste Händler Deutschlands?
  • Batten & Company-Ranking: Wer ist der sympathischste Händler Deutschlands?
  • Batten & Company-Ranking: Wer ist der sympathischste Händler Deutschlands?
  • Batten & Company-Ranking: Wer ist der sympathischste Händler Deutschlands?

Wöhrl komme gemeinsam mit Sinn-Leffers künftig auf insgesamt 60 Modehäuser, beschäftige über 4000 Mitarbeiter und erwirtschafte von mehr als 600 Millionen Euro Umsatz, sagte der Unternehmer Wöhrl. Die DIH erhalte von der Unternehmer-Familie einen "angemessenen Preis", unterstrich der Geschäftsführende Gesellschafter der DIH, Patrick Feller - "sonst hätten wir nicht verkauft". Die Zukunft von Sinn-Leffers hänge davon ab, wie sich die Kette am Markt behaupte, sagte Wöhrl. Der Zukauf müsse zumindest leichte Steigerungen bei Umsatz und Ertrag liefern.

Im deutschen Textilhandel herrscht erbitterter Wettbewerb. Sinn-Leffers und Wöhrl müssen auch gegen international agierende Ketten wie H&M oder Zara antreten. Sinn-Leffers setzt dabei kaum auf Eigenmarken - vielmehr verkauft die Kette Marken wie Hugo Boss, Gant oder Tom Tailor. Doch drängen Modekonzerne wie Tom Tailor und Gerry Weber verstärkt mit eingenen Läden in den stationären Handel. Tom Tailor hatte im November die Modekette Bonita übernommen. Der Hemdenhersteller Eterna hatte mit einer Anleihe Millionen eingesammelt, die auch in die Ausweitung des Filialnetzes gesteckt werden. Die Hersteller wollen damit die gesamte Wertschöpfungskette abdecken.

 

  • Die aktuellen Top-Themen
Apple-Konkurrent: Wie Xiaomi die Smartphone-Welt umkrempelt

Wie Xiaomi die Smartphone-Welt umkrempelt

Es ist ein rasanter Aufstieg: Die Firma Xiaomi verkauft erst seit vier Jahren Smartphones – und ist jetzt schon weltweit auf Platz drei. Wie der chinesische Elektronikhersteller den Markt aufrollen will.

Thomas Middelhoff: Staatsanwalt will Ex-Arcandor-Chef hinter Gittern sehen

Staatsanwalt will Ex-Arcandor-Chef hinter Gittern sehen

Arcandor „nach Gutdünken“ belastet: Das Finale im Essener Untreue-Prozess gegen Thomas Middelhoff rückt näher. Die Staatsanwaltschaft sieht ihre schweren Vorwürfe nach 30 Verhandlungstagen bestätigt.

„Best Lawyers“-Datenbank Die Top-Wirtschaftsanwälte weltweit

Finden Sie für jeden Fall den Richtigen: Der US-Verlag Best Lawyers hat nach der Methode „Anwalt empfiehlt Anwalt“ zusammengetragen, welche Kanzleien für welches Fachgebiet bei der eigenen Profession hoch im Kurs stehen.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR UNTERNEHMENS-VERKAUF UND UNTERNEHMENSNACHFOLGE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.