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Filialen verkauft: Schlecker-Tochter in Tschechien wird „Solvent“

Die tschechischen Märkte der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker sind verkauft. Das Handelsunternehmen P.K. Solvent (PKS) übernimmt die rund 140 Filialen. Der Erlös fließt in die Insolvenzmasse des Unternehmens.

Geschlossene Schlecker-Filiale in Düsseldorf: Der Insolvenzverwalter hat jetzt die tschechische Tochterfirma verkauft. Quelle: dpa
Geschlossene Schlecker-Filiale in Düsseldorf: Der Insolvenzverwalter hat jetzt die tschechische Tochterfirma verkauft. Quelle: dpa

Stuttgart/PragDie tschechischen Märkte der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker sind verkauft. Wie Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Donnerstag mitteilte, wurde die geplante Übernahme der rund 140 Filialen an das Handelsunternehmen P.K. Solvent (PKS) erfolgreich abgeschlossen.

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„Alle Beschäftigungsverhältnisse wurden übernommen“, erklärte Geiwitz. Das Filialnetz in Tschechien ist Teil der Tochterfirma Schlecker International GmbH, die nicht von der Insolvenz betroffen ist. Der Erlös aus dem Verkauf fließt aber in die Insolvenzmasse in Deutschland mit ein, weil die Auslandsgesellschaften ebenfalls Anton Schlecker gehören und er mit seinem Vermögen haftet.

Durch den Kauf kann PKS den Marktanteil in Tschechien den Angaben zufolge auf mehr als 20 Prozent ausbauen. Das Unternehmen setzte im vergangenen Jahr rund 130 Millionen Euro um.

Schlecker

Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass weitere 45 Filialen von Ihr Platz, der Tochtergesellschaft der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker, übernommen werden. Wie Insolvenzverwalter Werner Schneider dem Handelsblatt sagte, wurde der Vertrag mit der H.H. Holding aus dem westfälischen Bönen – dazu gehören der Textil-Discounter Kik, die Ein-Euro-Läden Tedi und die Kaufhäuser Woolworth – am Freitag unterschrieben.

Was seit der Insolvenz bei Schlecker passiert ist

  • 20. Januar 2012

    Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.

  • 23. Januar 2012

    Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.

  • 26. Januar 2012

    Die Unternehmenstochter Ihr Platz stellt Insolvenzantrag.

  • 29. Februar 2012

    Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.

  • 5. März 2012

    Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.

  • 11. März 2012

    Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.

  • 29. März 2012

    Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.

  • 2. Mai 2012

    Die Aufteilung von Schlecker beginnt: Das tschechische Handelsunternehmen PKS kauft die dortige Schlecker-Tochter. Auch für andere Auslandsableger und für Ihr Platz soll es Investoren geben.

  • 23. Mai 2012

    Die Interessenten für das Gesamtunternehmen werden weniger: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.

  • 24. Mai 2012

    Es wird bekannt, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich angeblich für Schlecker interessiert.

  • 1. Juni 2012

    Die Gläubigerversammlung ist zusammentreten - und hat beschlossen, dass Schlecker abgewickelt werden soll.

  • 8. Juni 2012

    Bei Schlecker beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Monatsende die Kündigung erhalten.

  • 27. Juni 2012

    Der Ausverkauf endet: Bis auf die XL- und die Ihr Platz-Märkte schließen sämtliche Schlecker-Filialen. Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.

  • 8. Juli 2012

    Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.

  • 18. Juli 2012

    Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

„Der Gläubigerausschuss ist informiert und hat dem Inhalt des Vertrags heute mündlich zugestimmt“, erklärte Schneider. 213 Ihr-Platz-Märkte hat der Insolvenzverwalter bereits an die Drogeriemarkt-Kette Rossmann und die österreichische MTH Retailgroup veräußert.

Kik, Tedi und Woolworth übernehmen nicht nur 45 der bundesweit rund 490 Ihr-Platz-Filialen, sondern auch 57 Geschäfte von Schlecker XL. Das Interesse an dieser Schlecker-Tochter, zu der rund 358 größere Schlecker-Läden hierzulande gehören – hielt sich bislang stark in Grenzen. Wie sich die insgesamt 102 Filialen auf Kik, Tedi und Woolworth verteilen werden, ist noch offen.

Der König von Ehingen Aufstieg und Fall des Anton Schlecker

1950, Anfänge: Anton Schleckers Vater, der ebenfalls Anton heißt, eröffnet nach dem Krieg das erste Geschäft der Familie Schlecker. Eine Metzgerfiliale in der Bahnhofsstraße in Ehingen. Noch heute ist das Haus in Familienbesitz, wird von den Ehingern „Ur-Schlecker“ genannt. Die Ladenräume stehen heute leer, zuletzt versuchte sich ein 1-Euro-Laden.

Bild: dpa

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