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15.10.2008 
Weniger Passagiere

Finanzkrise beutelt die Luftfahrt

von Jens Koenen

Weniger Passagiere und schwächelnde Wirtschaft: Die Auswirkungen der Finanzkrise bekommt nun auch die Luftfahrtindustrie zu spüren. Flughafenbetreiber Fraport musste seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr revidieren. Und auch die Airlines blicken pessimistisch in die Zukunft.

Im Sinkflug: Airlines erwarten weniger Passagiere. Foto: APLupe

Im Sinkflug: Airlines erwarten weniger Passagiere. Foto: AP

FRANKFURT. Die Finanzkrise und das sich eintrübende Wirtschaftswachstum entwickeln sich zu einer schweren Belastung für die Luftfahrtbranche. Gestern revidierte der Flughafenbetreiber Fraport seine Prognosen. Nach einem deutlichen Rückgang der Passagierzahlen im September erwartet das Fraport-Management nun für den Frankfurter Kernflughafen im gesamten Jahr nur noch eine Stagnation, bestenfalls ein leichtes Plus von einem Prozent. Bislang hatte das Unternehmen einen Zuwachs von bis zu zwei Prozent in Aussicht gestellt.

Laut Fraport ging die Zahl der über Frankfurt geschleusten Passagiere im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,9 Prozent auf 4,8 Mio. zurück. Noch stärker litt das Frachtgeschäft: Das Volumen sank um 5,4 Prozent. "Der Rückgang war etwas stärker als von uns erwartet", kommentierte Per-Ola Hellgren von der Landesbank Baden-Württemberg die Daten.

Tatsächlich scheint sich die zuletzt dramatisch verschlimmerte Finanzkrise überraschend schnell auf die Luftfahrt auszuwirken. So bereitet die Deutsche Lufthansa die Investoren auf sinkende Buchungszahlen vor. Man registriere einen deutlichen Rückgang bei den Vorausbuchungen von Geschäftsreisenden, heißt es.

Erste Anzeichen sind in den September-Zahlen erkennbar. So ging der Absatz im europäischen Passagierverkehr um 0,9 Prozent zurück, die Auslastung sank um 4,4 Prozentpunkte auf 71,3 Prozent. Dagegen lief es in den übrigen Regionen noch vergleichsweise gut. Unter dem Strich fand der Konzern aber für das ausgeweitete Streckenangebot nicht ausreichend Kundschaft. Die Folge: Die Auslastung sank im September um 2,5 Prozent.

Die Lufthansa ist damit in bester Gesellschaft. Air France-KLM, Europas größte Fluggesellschaft, hat vor wenigen Tagen erklärt, dass die Auslastung der Maschinen im September um 1,4 Prozentpunkte auf 80,9 Prozent gesunken ist. British Airways, der dritte im Bunde der großen europäischen Fluggesellschaft, berichtete wiederum von einem Rückgang der Buchungen in der Business-Klasse um über acht Prozent.

Nach Ansicht von Andreas Schimm, Chef der internationalen Flughafen-Organisation ACI, könnten die Auswirkungen der Finanzkrise weitaus schlimmer werden als die der über Monate gestiegenen Kerosin-Preise. Auch Ralf Teckentrup, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften (BDF), erwartet einen "sehr schwierigen Winter". Angesichts dessen wage er für 2009 keine Prognose.

Vor allem der Verkehr auf den asiatischen Strecken geht zurück. So fiel die Zahl der Passagiere in der Region nach Berechnungen des ACI um 6,2 Prozent. Zwar wirke sich hier das Ende der Olympischen Spiele in Peking aus. Doch auch die schwächelnde Wirtschaft in Ländern wie China, Taiwan, Japan und Korea wird von den ACI-Experten für den Rückgang verantwortlich gemacht. Das bestätigt der Blick auf das Frachtgeschäft: Air France-KLM musste hier im September einen Einbruch von immerhin zwölf Prozent hinnehmen.

Für die Airlines sind das schlechte Zeichen, gelten doch gerade die Langstrecken nach Fernost als profitabel. So zählt das Asien-Geschäft für die Lufthansa traditionell zu den lukrativsten, auch wenn der Wettbewerb sich zuletzt verstärkte.

Ob und wann die Airlines jetzt ihre Prognosen revidieren, ist offen. Analysten und Marktkenner erwarten solche Schritte allerdings. Die Lufthansa hatte noch in der vergangenen Woche erklärt, an das operative Ergebnis des Vorjahres von 1,4 Mrd. Euro anknüpfen zu wollen. Avisiert sind eigentlich 1,7 Mrd. Euro.

Entlastung für die Ertragslage des Konzerns könnte vom sinkenden Kerosinpreis kommen. Zwar sichert die Lufthansa ihren Bedarf zu 85 Prozent über Hedging-Geschäfte ab. Diese haben aber zur Folge, dass der Konzern von stark fallenden Preisen zunächst nicht profitiert. Um das zu erreichen, setzen Airlines zusätzliche Optionsgeschäfte ein. Wie stark die Lufthansa diese nutzt, ist aber nicht bekannt. Ein Sprecher wollte keine Details nennen und verwies auf die Bekanntgabe der offiziellen Quartalszahlen Ende Oktober.

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