Wie mühselig die Suche nach einer geeigneten Kita sein kann, das weiß auch die McKinsey-Frau Carine Beer. Für ihren heute vierjährigen Sohn Tommy fand die Unternehmensberaterin vor drei Jahren nur „mit Glück“ einen Betreuungsplatz. Damals gab es den McKinsey-Kindergarten noch nicht. Weil das Angebot nach der Eröffnung im Jahr 2005 bei den Mitarbeitern gut ankam, wird die Zahl der Plätze im April von 12 auf 22 aufgestockt.
Auch andernorts machen sich Firmenchefs verstärkt Gedanken über die Vereinbarkeit von Job und Familie: Im Jahr 2006 bot knapp jedes vierte Unternehmen „sieben bis neun“ familienfreundliche Maßnahmen an. Das ist das Ergebnis einer Studie des Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Drei Jahre zuvor waren es noch keine zehn Prozent. Für die Untersuchung hatten die Wirtschaftsforscher einen Katalog von 22 familienfreundlichen Maßnahmen wie etwa Telearbeit, Teilzeitjobs oder betriebliche Kinderbetreuung erstellt. Auf diese Angebote hin testete das Institut 1 128 Unternehmen.
Das Engagement lohnt sich: Schon im Jahr 2003 berechneten die Prognos-Marktforscher, dass mittelständische Firmen durch familienfreundliche Maßnahmen mehrere zehntausend Euro sparen können. Zwar müssten die Unternehmen erstmal Geld in den Aufbau etwa von Kindertagesstätten stecken, doch dafür sparten sie an Ersatzarbeitskräften für Mütter und Väter. Denn die Eltern kämen nach der Geburt früher in den Betrieb zurück und würden der Kinder wegen auch weniger oft fehlen. Für eine Modellfirma mit 1 500 Mitarbeitern errechneten die Prognos-Forscher ein jährliches Einsparpotenzial von 75 000 Euro.
Top-Leute halten
Dass sich Familienfreundlichkeit auszahlt, bestätigen auch McKinsey und BASF. „Dadurch halten wir viele unserer Top-Leute im Unternehmen“, sagt Nina Wessels, zuständig für die Personalrekrutierung bei McKinsey. Schließlich würden die meisten Frauen heute Job und Familie miteinander vereinbaren wollen. „Auf diese Spitzenkräfte wollen wir nicht verzichten.“ In Bewerbungsgesprächen würden Job-Anwärter immer öfter nach familienfreundlichen Angeboten im Unternehmen fragen. Ähnlich argumentiert man bei BASF: Im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte sei Familienfreundlichkeit ein entscheidender Vorteil, sagt Hans-Carsten Hansen, Personalchef der BASF.
Die Familienfreundlichkeit endet aber nicht bei der Kita. Auch Gleitzeit und Home-Office sind im Kommen. So bietet etwa der Flugzeughersteller Airbus seit vergangenem Jahr neben zwei Unternehmens-Kindergärten auch Telearbeit an. Ob dieses Angebot gut ankommt, kann das Unternehmen noch nicht sagen. „Das ist neu und etabliert sich gerade erst“, sagt Sabine Beyer, bei Airbus zuständig für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
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