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30.11.2005 
Neue Durchsuchungen

Fleischskandal trifft Döner-Hersteller

Der Fleischskandal beschäftigt weiter Wirtschaft und Politik. Während Nordrhein-Westfalen die Kontrollen ausweitet kam es in Schleswig-Holstein zu neuen Durchsuchungen. In Baden-Württemberg wurde zudem weiteres verdächtiges Putenfleisch beschlagnahmt. Insgesamt sind Döner-Hersteller von Fleischskandal besonders betroffen.

HB DÜSSELDORF. Der Skandal um Gammelfleisch hat vorerst nur den Appetit der Döner-Liebhaber beeinträchtigt. Die fleischverarbeitende Branche insgesamt hat bislang keine merkliche Zurückhaltung beim Verbraucher registriert.

„Die jüngsten Probleme betreffen uns sehr stark, insgesamt dürfte der Absatzrückgang in den vergangenen Tagen bei zehn bis 15 Prozent liegen“, sagte am Mittwoch der Vorstandschef des Vereins türkischer Dönerhersteller in Europa (ATDID), Hanifi Aydin. „Unsere Kunden lesen in den letzten Tagen nur Negatives über Dönerspieße,“ klagte Aydin. Profitieren konnte von dem Fleischskandal offenbar die Erzeuger von Bio-Fleisch.

Von dem Skandal waren bisher rund 50 Betriebe und Lager betroffen. Der Skandal nahm seinen Lauf als Lebensmittelkontrolleure in Gelsenkirchen 60 Tonnen Fleisch im Kühlhaus der Firma Domenz sicher gestellt hatten, das komplett verdorben war. Verdorbenes Fleisch ist auch in den Handel gekommen und zu Nahrungsmitteln verarbeitet worden. Nach Angaben der Behörden geht jedoch von diesen Nahrungsmitteln keine Gefahr für die Gesundheit aus.

Aydin sagte, das Problem liege aber nicht bei den Döner-Produzenten, sondern bei den Zerlegebetrieben. „Wir Hersteller und auch die Dönerimbisse sind für eine strenge Kontrolle, gerne auch täglich. Dann verschwinden endlich die schwarzen Schafe.“ Seinen Angaben zufolge gibt es in Deutschland rund 45 000 Döner-Imbisse und gut 170 Dönerspieß-Hersteller.

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Auch bei Geflügel leichter Absatzrückgang

Auch der Absatz von Geflügel liegt derzeit nach Einschätzung der Zentralen Markt- und Preisberichts ZMP unter dem saisonüblichen Niveau. Dies sei aber eher eine Folge der Geflügelpest als des jüngsten Fleischskandals. Über Zahlen zum Fleischabsatz im November verfügt die ZMP erst Mitte Dezember. Der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie, der die industriellen Fleischhersteller mit einem jährlichen Umsatzvolumen von fast acht Mrd. Euro vertritt, sieht zur Zeit noch keine Veränderungen im Verbraucherverhalten. Geschäftsführer Thomas Vogelsang tritt aber dennoch für eine Verschärfung der Kontrollen ein. „Wir sollten die gesetzlichen Maßnahmen verschärfen, um diesen Akteuren, die zum Schaden aller agieren, das Handwerk zu legen.“

In den Fleischskandal verwickelt seien keine Mitglieder des Verbandes, sondern zumeist sehr kleine Fleischgroßhändler, die dem Verband unbekannt seien. „Wir können es uns wegen des scharfen Wettbewerbs gar nicht leisten, minderwertiges Fleisch anzubieten - solche Hersteller werden von den großen Handelsketten sofort ausgelistet,“ sagte der Verbandsvertreter.

Auch die großen Lebensmittelketten spüren nach eigenen Angaben bisher keine Zurückhaltung der Verbraucher. „Wir stellen bisher keinerlei sinkende Nachfrage fest,“ sagte eine Edeka-Sprecherin. Auch auf die Geschäfte der Rewe-Gruppe hat der jüngste Fleischskandal nach den Worten eines Sprechers bisher keine Auswirkungen. „Bei uns ist es undenkbar, dass Partien mit miserablem Fleisch in die Geschäfte kommen,“ sagte ein Sprecher.

Der Gewinner des neuen Lebensmittelskandals scheint die Bio-Branche zu sein. „Wir erleben zur Zeit eine extrem hohe Nachfrage nach Biofleisch,“ sagte Alexander Gerber, Geschäftsführer des Bundes Ökologische Landwirtschaft (BÖLW). Im laufenden Jahr sei der Biofleisch-Absatz bei vielen Erzeugergemeinschaften um 25 bis 30 Prozent gestiegen. „Der Bio-Schweinefleischmarkt ist komplett leergefegt.“

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Nordrhein-Westfalen weitet Kontrollen aus

Nach dem Skandal um „Gammelfleisch“ soll die Kontrolle der Kühlhäuser in Nordrhein-Westfalen ausgebaut werden. Das kündigte Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg (CDU) am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde des Düsseldorfer Landtags an. Fachleute des Landesamts für Ernährungswirtschaft sollen die Dokumentation der Kühlhäuser intensiv prüfen, um Lagerdauer und Vertriebswege zu kontrollieren.

Das Land werde intensiv überwachen, ob die Lebensmittelbetriebe ihrer Verpflichtung zum Nachweis über die Herkunft und den Vertrieb von Fleisch nachkommen. Die Behörden sollen ein neues Computersystem erhalten, mit dem eingelagertes Fleisch präziser erfasst werden kann. „Damit kommt man überalterten und versteckten Fleischpartien besser auf die Spur“, sagte Uhlenberg. Nordrhein-Westfalen sei mit diesen intensiven Kontrollen Vorreiter in Deutschland, sagte Uhlenberg.

Im Zuge des Skandals haben unterdessen Ermittler Büros in Kiel, eine Privatwohnung in Hamburg sowie ein Kühlhaus in Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein) durchsucht. Bei der Aktion am Dienstagabend sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick am Mittwoch. Vier Staatsanwälte und 20 Beamte des Landeskriminalamtes seien auf Grund „neuer Verdachtsmomente“ im Einsatz gewesen. Die durchsuchten Objekte gehören einer Kieler Im- und Exportfirma, gegen die ermittelt wird.

Die Behörden haben zudem im Kreis Heilbronn in Baden- Württemberg verdächtiges Putenfleisch beschlagnahmt. Es stamme aus einem niedersächsischen Betrieb, der zwangsweise geschlossen worden sei, sagte ein Sprecher des Landratsamts am Mittwoch. Die Polizei hatte anhand von Kundenlisten die Lieferungen des Cloppenburger Unternehmens rückverfolgt. Dabei waren die Ermittler auf einen Abnehmer aus dem Kreis Heilbronn gestoßen. Derzeit wird das Fleisch auf Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz untersucht.

Ein großer Teil der Lieferung von 600 Kilogramm Fleisch ist den Angaben zufolge schon in den Handel gelangt. 170 Kilogramm hatte der Betrieb aus dem Kreis Heilbronn wegen eigener Bedenken zurückgegeben. Weitere 72 Kilogramm stellten die Behörden sicher. Ein Testergebnis soll bis Ende der Woche vorliegen. Einen Tag vor dem Hinweis durch die Polizei hatten staatliche Lebensmittelkontrolleure das Kühlhaus inspiziert und nichts beanstandet. In einem Medienbericht war zunächst von rund einer halben Tonne beschlagnahmten Fleisches die Rede gewesen.

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