Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa die Übernahme der Schweizer Fluggesellschaft Swiss abgeschlossen. Die Fusion wurde im Frühjahr 2005 bekanntgegeben. Danach wurde das Traditionsunternehmen in Rekordzeit integriert und erreichte schnell die Gewinnzone. Zum Lufthansa-Konzern gehören inzwischen zahlreiche Gesellschaften: So ist das Unternehmen auch beim US-Billigflieger JetBlue, bei British Midland (BMI) und Brussels Airlines engagiert.
Bevor das Geschäft perfekt ist, müssen allerdings noch die Wettbewerbsbehörden grünes Licht geben und die EU-Kommission dem geplanten Schuldenerlass von 500 Mio. Euro zustimmen. Zudem will Lufthansa nach dem geplanten Angebot an den Streubesitz auf drei Viertel der AUA-Anteile kommen.
Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sieht die geplante Übernahme der AUA nicht als besonders attraktives Geschäft für die Lufthansa an. „Die AUA ist ein Problemkind. Die Lufthansa übernimmt zunächst einmal einen Verlustbringer. Zudem stehen dann noch Restrukturierungsarbeiten an, deren Ausgang ungewiss ist.“ Der Preis von rund 370 Millionen Euro klinge zwar nicht allzu hoch, doch hinzu kämen noch beträchtliche Schulden, die übernommen werden müssten.
Die Ankündigung der Übernahme der AUA setzt nach Einschätzung aus dem Handel keine Akzente für die Lufthansa-Aktie. Der Kauf sei erwartet worden. Ob die Übernahme Sinn mache, werde sich ohnehin erst in einigen Jahren erweisen und sei keine Frage des Preises. „Die große Frage ist, ob es der Lufthansa gelingen wird, die AUA zu sanieren“, sagt ein Händler. Lufthansa steigen mit dem Gesamtmarkt um 0,6 Prozent auf 10,39 Euro.
Austrian Airlines ist in den vergangenen Jahren trotz ständig steigender Fluggastzahlen immer weiter in die roten Zahlen geflogen. Mit ihren rund 8 000 Angestellten und den beiden Tochtergesellschaften Lauda Air und Austrian Arrows hat die „rot-weiß-rote“ AUA in den vergangenen Jahren Schulden in Höhe von rund 900 Mio. Euro aufgetürmt.
Durch die explosionsartig gestiegenen Treibstoffpreise, aber auch als Folge ihres überdimensional erweiterten Streckennetzes sowie anderer technischer Faktoren könnte die Schuldenlast allein in diesem Jahr noch einmal um bis zu 500 Mio. Euro steigen. Der Umsatz der Austrian Airlines betrug 2007 mit 2,5 Mrd. Euro gut zehn Prozent des Erlöses der Deutschen Lufthansa Insgesamt setzt die AUA auf ihrem vor allem in Richtung Osteuropa starken Streckennetz 100 Maschinen ein.