
FRANKFURT. Sie galten bis jetzt als sichere Bank der Airlines: Geschäftsreisende, die vor allem in den Premiumklassen Business und First fliegen. Diese Kunden machen weltweit zwar nur zehn Prozent der Passagiere aus, aber sie stehen für 30 Prozent des Umsatzes aller Fluggesellschaften und bessern die Gewinnmargen kräftig auf. Doch die Stütze der Airlines ist ins Wanken geraten. Die Firmen haben pauschale Verträge in der Krise zurückgefahren und suchen lieber Schnäppchen.
Das belegt eine aktuelle Umfrage von Airplus, einem Dienstleister für die Reisekostenabwicklung. 2008 setzten noch 52 Prozent der deutschen Unternehmen auf Rahmenverträge, in diesem Jahr nur noch 50 Prozent. Die Unternehmen nutzten zunehmend die günstigsten Angebote am Markt, berichtet Michael Fürer, Deutschlandchef von Airplus. Zwar gebe es weiterhin Rahmenverträge, aber die Mitarbeiter würden häufiger als früher gehalten, auf Portalen nach tagesaktuellen Preisen Ausschau zu halten. Dirk Gerdom, Chef des Reise-Managements beim Softwarekonzern SAP und zugleich Mitglied des Präsidiums des Verbandes Deutsches Reisemanagement (VDR) sagt, die verhandelten Preise würden zunehmend nur als Absicherung nach oben genutzt .
Für die Fluggesellschaften sind das schlechte Nachrichten. Sie verdienen ihr Geld vor allem mit den Premium-Sitzen. So entfielen im ersten Quartal bei Lufthansa 51,5 Prozent der Erlöse auf der Langstrecke auf Premiumkunden.
Rahmenverträge sind ein wichtiges Instrument, um diese Sitze zu füllen. Solche Verträge sichern den Unternehmen Preisvorteile. Im Gegenzug müssen sie für die gebotene Verfügbarkeit von Plätzen Gebühren zahlen. Zudem sind gerade bei größeren Firmen Mindestabnahmemengen Bestandteil der Verträge. Damit sorgen solche Abkommen bei den Airlines für Auslastung und zugleich planbaren Umsatz.
Das aber gehört mehr und mehr der Vergangenheit an. Die Fluggesellschaften müssen sich auf völlig neue Gegebenheiten einstellen. Zwar sind die meisten Experten überzeugt, dass die Business-Klasse wieder etwas voller werden wird. "Wir sehen bei den ersten Kunden, dass Business wieder möglich ist", sagt Fürer. Doch er bezweifelt, dass das Niveau vor der Krise jemals wieder erreicht wird.