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Flughafen Kassel-Calden: Viel Tamtam in der Provinz

Mit Blaskapelle und großen Worten ist heute der Flughafen Kassel-Calden eröffnet worden. An dessen Erfolg glauben allerdings nur noch die Betreiber selbst. Kritiker fürchten einen weiteren deutschen Flughafen-Flop.

Gangway auf dem Flughafen Kassel-Calden: Milliardengrab oder notwendiger Infrastrukturbau? Quelle: dpa
Gangway auf dem Flughafen Kassel-Calden: Milliardengrab oder notwendiger Infrastrukturbau? Quelle: dpa

Kassel/Düsseldorf„Herzlich willkommen an Bord des Germania-Fluges ST 2013 nach…“ Die Durchsage verstummt. Deutschlands neuester Flughafen ist offenbar noch nicht im System des Frankfurter Flughafens. Hier am Gate E24 startet heute der erste Flug nach Kassel-Calden. 51 Fluggäste sind an Bord, darunter auch Thomas Schäfer (CDU), Hessens Finanzminister und Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens. Ein „Meilenstein für die Regionalentwicklung“ sei der „historische Flug“. Doch vorerst muss die Geschichtsschreibung warten. Der erste Flug nach Kassel-Calden hat 45 Minuten Verspätung.

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Die reine Flugzeit beträgt keine 18 Minuten, nach einem kleinen Sektempfang an Bord landet die A319 um 11.11 Uhr auf dem neuen Rollfeld des Regionalflughafens. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU)schüttelt zur Begrüßung die Hände, eine Blaskapelle spielt, im Festzelt warten rund 700 Eröffnungsgäste. „Wir haben fertig“, sagt Jörg Ries, Geschäftsführer des Flughafens.

Kassel-Calden So sieht der neue Flughafen aus

  • Kassel-Calden: So sieht der neue Flughafen aus
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In seiner Festrede stimmt auch Ministerpräsident Bouffier feierliche Töne an: „Heute ist ein herausragender Tag für Hessen, ein Tag an dem wir die Weichen stellen für den wirtschaftlichen Erfolg einer ganzen Region.“ Kassel-Calden ist nicht sein Projekt, sein Vorgänger Roland Koch hatte den Ausbau des Regionalflughafens auf den Weg gebracht. Zu Eröffnung ist er nicht gekommen. So bleibt es bei Bouffier, Kassel-Calden als Zukunftsinvestition zu verkaufen. Die Investition sei ein „überzeugendes Zeichen für Aufbruch und die Zukunft der Region“, schwärmt er.

Die größten Flughäfen der Welt

  • Platz 10

    Dubai

    Dubai International fertigte 2012 57,7 Millionen Passagiere ab, ein Plus von 13,2 Prozent. Die Staatsfluglinie Emirates will Dubai zum Weltdrehkreuz machen – und wirbt überall auf der Welt Passagiere von der Konkurrenz ab. Derzeit noch im Bau befindet sich der neue Flughafen Dubai. Der Dubai Al Maktoum International Airport soll der größte der Welt werden und wird bereits von Frachtflugmaschinen angeflogen.

  • Platz 9

    Jakarta

    Die indonesische Hauptstadt schafft ebenfalls den Sprung in die Top Ten. Der Flughafen Jakarta rückt in der aktuellen Rangliste um drei Plätze vor. Im Jahr 2012 verzeichnete Jakarta (CGK) einen Zuwachs an Passagieren von 12,1 Prozent. Insgesamt starteten und landeten 57,8 Millionen Fluggäste auf dem Flughafen der Millionenstadt.

  • Platz 8

    Dallas/Fort Worth

    Mit 58,6 Millionen Passagieren (plus 1,4 Prozent) noch größer ist wiederum ein US-Flughafen: Rang acht nimmt Dallas/Fort Worth ein, der internationale Flughafen zwischen den beiden texanischen Großstädten. DFW, der mit knapp 7.300 Hektar flächenmäßig zweitgrößte US-Airport nach Denver, ist mit seinen sieben Start- und Landebahnen das Hauptdrehkreuz der US-Fluglinie American Airlines.

  • Platz 7

    Paris

    Zurück nach Europa: Rang zwei auf dem Kontinent und Rang sieben weltweit nimmt Paris-Charles-de-Gaulle ein. Der nahe der Ortschaft Roissy-en-France gelegene Airport beförderte im Jahr 2012 61,6 Millionen Passagiere (plus 1,1 Prozent). Der Flughafen CDG ging erst 1974 in Betrieb, nachdem der andere Pariser Flughafen Orly zu klein geworden war.

  • Platz 6

    Los Angeles

    Die zweitgrößte Metropole der USA braucht auch einen angemessen großen Flughafen: Der Los Angeles International Airport (LAX) ist mit 63,7 Millionen Passagieren (plus 3,0 Prozent) der sechstgrößte Flughafen der Welt. Der Flughafen hat es sogar in die Pop-Welt geschafft: Der Song „L.A. International Airport“ machte die Countrysängerin Susan Raye in den 70er Jahren bekannt. Das Bild zeigt den neuen Tom Bradley International Terminal, der für 1,6 Milliarden Dollar gebaut wird.

  • Platz 5

    Chicago

    Hier steigt auch US-Präsident Barack Obama gerne mal ins Flugzeug. Chicago O'Hare (ORD) belegt in der Rangliste Rang fünf. Der Airport westlich der Metropole am Lake Michigan, wichtigster Hub für United und zweitwichtigster für American Airlines, fertigte im Jahr 2012 66,6 Millionen Passagiere ab (minus 0,1 Prozent). Benannt ist ORD nach dem Weltkrieg-II-Piloten Edward O'Hare.

  • Platz 4

    Tokio

    Blick aus dem Fenster im Anflug auf Tokio-Haneda (HND): Der Airport in Japans Hauptstadt wickelt eigentlich hauptsächlich Inlands- und Asienflüge ab, der interkontinentale Verkehr läuft über den Nachbarflughafen Narita. Dennoch bringt es Haneda mit 66,8 Millionen Passagieren auf den vierten Platz im internationalen Ranking. Das waren beachtliche 6,7 Prozent mehr als 2011. Im Vorjahr waren die Passagierzahlen durch das Reaktorunglück von Fukushima allerdings auch merklich zurückgegangen.

  • Platz 3

    London

    London kann seinen Treppchenplatz verteidigen: Mit 70 Millionen Passagieren (plus 0,9 Prozent) ist London-Heathrow (LHR) der größte Flughafen Europas. Der Airport im Westen Londons ist nur einer von mehreren in der Metropole: Weitere Passagiere verteilen sich auf Gatwick, Stansted, Luton und den City Airport. Für Aufsehen sorgte Heathrow im März 2008, als die ganze Welt über das Gepäck-Chaos im neuen Prestige-Terminal 5 lachte.

  • Platz 2

    Peking

    Der weltweit zweitgrößte Flughafen 2012 und angesichts der Wachstumsraten auf dem Weg zur Nummer eins ist Beijing Capital International Airport (PEK) in Chinas Hauptstadt: 81,9 Millionen Passagiere schleuste PEK durch - ein Plus von 4,1 Prozent. Dennoch hat der Airport noch einen großen Rückstand auf Rang eins.

  • Platz 1

    Atlanta

    Der Flughafen Hartsfield-Jackson Atlanta International (ATL) stellt größenmäßig alle anderen in den Schatten: 95,5 Millionen Passagiere stiegen im Jahr 2012 hier ein und aus (plus 3,3 Prozent). Die Größe erklärt sich vor allem dadurch, dass Atlanta als Hauptdrehkreuz einen klassischen Zwischenstopp für Inlandsflüge darstellt. Daneben bietet Atlanta aber auch die meisten Nonstop-Flüge weltweit an. Benannt wurde der Flughafen nach dem ehemaligen Bürgermeister William B. Hartsfield.

Er sei überzeugt, dass der internationale und nationale Flugverkehr langfristig wachsen werde. Dafür brauche eine Region den direkten Anschluss an den Luftverkehr. Kassel-Calden sei daher ein „Generationenprojekt“, das man nicht nach betriebswirtschaftlichen Kriterien bewerten solle.

Danach holt er zum Schlag gegen die Kritiker in Politik und Medien aus. Gelegentlich habe man den Eindruck, die Berichterstattung sei von „nicht besonderer Sachkenntnis“ geprägt. Häme und Niedertracht könne man nicht gebrauchen und schon gar nicht Menschen, „die alles und jeden ablehnen“. Das Projekt Kassel-Calden wird seit Wochen von schlechter Presse begleitet. „Deutschlands überflüssigster Airport“ taufte die „WirtschaftsWoche“ den Airport.

  • 07.04.2013, 21:10 UhrAxel_Fachtan

    Jeder einzelne Euro ist verschwendet. Hessen hätte viel besser daran getan, die eigenen Schulden abzubauen.

    Linienflüge nach Split spielen doch nicht mal einen Bruchteil der laufenden Kosten ein. Die profitablen Handelsbeziehungen mit Split werden den Flughafen nicht refinanzieren. Wieviel Steuereinnahmen erzielt Kassel denn jährlich im Handelsverkehr mit der Region Split? Überhaupt messbar?

    Der Flughafen ist eine Verschwendung von Steuermitteln, die sich weder Hessen noch Deutschland leisten können. Kassel ist bahntechnisch bestens angebunden. Voll finanzierte und abbezahlte Infrastruktur!

    In der Nähe von Kassel gibt es insbesondere in 50 Minuten Entfernung den Verkehrsflughafen Paderborn, der nicht ausgelastet ist. Daneben noch irgendetwas anderes zu bauen ist eine unverschämte Kirchturmpolitik ohne Weitblick. Buchempfehlung für Ministerpräsident Bouffier und Finanzminister Schäfer: Paul C. Martin, Wann kommt der Staatsbankrott? Ihr Beitrag zum Staatsbankrott liegt derzeit bei mindestens 271 Millionen Euro.

  • 04.04.2013, 19:31 Uhr129kona95

    Wenn das mal nicht auf der »Tankstelle« ausbaldowert wurde, wo sich die Viererbande um Roland Koch regelmäßig konspirativ getroffen hat. Wo ist Koch jetzt? Aha Bilfinger&Berger, die bauen doch auch Flughäfen, oder?

  • 04.04.2013, 19:27 Uhr129kona95

    Na sauber, erst ein Häuschen im Grünen und dann nach einem Flughafen verlangen. In Kelsterbach, Flörsheim oder Raunheim bleiben, da ist es am lautesten.

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