
FrankfurtDie Betriebskrankenkassen (BKK) erwarten eine Schließung der BKK für Heilberufe. Es würden zwar weitere Fusionsgespräche geführt, heißt es in einer Erklärung, die gestern Abend nach einer Sondersitzung des BKK Bundesverbandes und der BKK-Vorstände in Essen veröffentlicht wurde. „Unabhängig davon ist damit zu rechnen, dass die zuständige Aufsichtsbehörde, das Bundesversicherungsamt, das Anhörungsverfahren zu einer etwaigen Schließung einleitet.“
Den Stimmungsumschwung in Richtung Schließung hat die Bochumer BKK vor Ort herbeigeführt. Sie war als Fusionspartner auserkoren worden. Die Prüfer der BKK stellten aber bei einem Blick in die Bücher der angeschlagenen Krankenkasse fest, dass „eine erheblich höhere Fusionsbeihilfe erforderlich“ sein werde. Bisher waren rund 50 Millionen Euro im Gespräch – weit weniger als die Zahl, die nun kursiert: Auf 90 Millionen Euro habe die BKK vor Ort die Fusionshilfe veranschlagt, heißt es in Branchenkreisen. Das ist fast das Doppelte des Betrags, der für die Schließung zum Jahresende fällig wird. Auf bis zu 53 Millionen Euro schätzten Gutachter diese Kosten.
Die Barmer GEK ist die größte Krankenkasse Deutschlands. Sie wurde am 01.Januar 2010 gegründet und unterhält laut eigenen Angaben rund 800 Geschäftsstellen bundesweit. 8,6 Millionen Deutsche sind bei ihr versichert.
Die zweitgrößte Krankenkasse Deutschlands ist die Techniker Krankenkasse (TK) mit 7,9 Millionen Versicherten. Allein im vergangenen Jahr ist die TK um 339.000 Versicherte gewachsen. Allerdings zahlen nur und 5,6 Millionen Mitglieder tatsächlich Beiträge.
Auf Platz drei der größten deutschen Krankenkassen ist ab sofort mit 6,6 Millionen Versicherten die DAK Gesundheit - der Zusammenschluss aus BKK Gesundheit und DAK. Laut eigenen Angaben ist die DAK die Krankenkasse Deutschlands, deren Wurzeln am weitesten zurückzuverfolgen sind - bis zum Jahr 1774.
In der Rangfolge hinter der neuen DAK Gesundheit liegt die AOK Bayern mit 4,3 Millionen Mitgliedern. In Bayern hat die Krankenkasse einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent. Das Unternehmen beschäftigt 10.000 Mitarbeiter in dem Freistaat.
An der fünften Stelle der größten Krankenkassen Deutschlands steht die AOK Baden-Württemberg. Derzeit sind 3,8 Millionen Menschen bei ihr versichert.
Auf dem sechsten Platz der größten deutschen Krankenkassen befindet sich ein ebenfalls erst kürzlich fusioniertes Unternehmen: Die IKK Classic. Sie ist Anfang August aus der IKK Classic und der Vereinigten IKK entstanden. Zusammen haben sie 3,6 Millionen Mitglieder.
Die AOK Rheinland/Hamburg hat 2,9 Millionen Mitglieder. Im Rheinland und in Hamburg ist sie damit die größte Krankenversicherung. Das Unternehmen betreibt mehr als 100 Geschäftsstellen.
Die AOK Nordwest belegt mit 2,7 Millionen Versicherten den siebten Platz unter Deutschlands größten Krankenkassen. Das Unternehmen beschäftigt 7.600 Mitarbeiter.
Mit 2,7 Millionen Versicherten ist die AOK Plus die größte Krankenkasse in Sachsen und Thüringen. Deutschlandweit rangiert sie an achter Stelle.
Auch in Niedersachsen hat die AOK die Nase vorn. Ingesamt hat die AOK Niedersachsen 2,4 Millionen Mitglieder - das macht den neunten Platz deutschlandweit.
Das macht selbst hartnäckige Fusionsbefürworter nachdenklich. Denn keiner im BKK-Lager hat ein Interesse, sich durch eine Fusion noch einen größeren Patienten zu schaffen.
Im Falle einer Schließung will das BKK-System dafür sorgen, dass die Versicherten der BKK für Heilberufe hierdurch keine Nachteile haben, erklärte der BKK-Bundesverband gestern schon einmal vorsorglich. Die Kunden würden aktiv bei der Ausübung ihres Wahlrechts sowie beim Leistungsübergang unterstützt und frühzeitig über mögliche Veränderungen informiert.
Dafür will auch die Berliner Politik sorgen. Schließungen gelten nicht mehr als Tabu, sie sollen aber geordneter ablaufen als bei der City BKK, die im Juli ihren Betrieb offiziell einstellen musste. Damals versuchten zeitweise Tausende Versicherte vergeblich, in eine andere Kasse zu kommen. Aufsicht und Gesundheitsministerium wollen solch eine gesetzeswidrige Situation künftig verhindern.
In Berlin werden daher bereits Gesetzesänderungen vorbereitet, mit dem Ziel, dass die Versicherten rechtzeitig über eine Schließung Bescheid wissen und genug Zeit haben, um zu wechseln. Außerdem soll die Versorgung der Versicherten unabhängig von der leistenden Krankenkasse jederzeit gewährleistet sein. Dafür soll der GKV-Spitzenverband dann künftig unbefristet Darlehen aufnehmen dürfen, um Leistungen aus dem alten Vertragsverhältnis vorübergehend zu finanzieren.