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20.11.2007 
Bahn und GDL

Geheimtreffen beim Fernsehkoch

In den Tarifstreit bei der Deutschen Bahn kommt wieder Bewegung: Die Spitzen von Unternehmen und Lokführergewerkschaft GDL haben sich am Dienstag an illustrer Stelle wieder an einen Tisch gesetzt, um nach einem Ausweg aus dem festgefahrenen Tarifkonflikt zu suchen. Zu dem Verlauf des Treffens machten beide Seiten am Dienstag zunächst keine Angaben. Unterdessen spuckt ein dritter beiden Parteien kräftig in die Suppe.

Manfred Schell: Auch der GDL-Chef verriet zunächst nichts über das Treffen mit der Bahn-Spitze. Quelle: ReutersLupe

Manfred Schell: Auch der GDL-Chef verriet zunächst nichts über das Treffen mit der Bahn-Spitze. Quelle: Reuters

HB FRANKFURT/MAIN. Im » Restaurant von Fernsehkoch Alfons Schuhbeck am Flughafen Egelsbach bei Wiesbaden traf Bahnchef Hartmut Mehdorn einem Radiobericht zufolge die GDL-Chef Manfred Schell und seinen Stellvertreter Claus Weselsky. Die GDL-Spitze beriet anschließend intern in Frankfurt, während Mehdorn mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee an deutsch-italienischen Regierungsgesprächen in Meseberg bei Berlin teilnahm.

Bahn und Gewerkschaft hielten einen Tag nach dem ersten Spitzentreffen von Mehdorn, Schell und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee Einzelheiten ihres Treffens geheim. Eine GDL-Sprecherin sagte, ihre Gewerkschaft werde nach Abschluss der Gespräche in einer Mitteilung über den Verlauf informieren. Der Hessische Rundfunk berichtete, Mehdorn, DB-Personalvorstand Margret Suckale und Schell hätten das Lokal des Fernsehkochs verlassen. Mehdorn sei mit einer Privatmaschine weggeflogen, während Suckale und Schell weggefahren seien. Die ARD zitierte Schell auf Mittag damit, es gebe zunächst nur eine Pause in dem Gespräch.

Nach Angaben von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee wollte das Unternehmen den Lokführern ein neues Angebot unterbreiten, um in Verhandlungen einsteigen zu können. Mehdorn ist nach Tiefensees Worten bei dem Treffen „bereit, einen Schritt auf die Lokführer zuzugehen und ein neues Angebot vorzulegen“. Dies hatte die GDL seit langem als Vorbedingung für Verhandlungen gefordert. Wie schon nach einer überraschend anberaumten Zusammenkunft mit Schell und Mehdorn am Vorabend in Berlin, äußerte sich Tiefensee am Dienstag erneut verhalten optimistisch. „Ich habe vorsichtige Hoffnung, dass es gelingen könnte, dass die beiden, die ja immer noch auf sehr unterschiedlichen Positionen sind, so weit zusammenkommen, dass man zumindest verhandeln kann“, sagte er dem Sender N24. Daher gehe es darum, jetzt ein Angebot vorzulegen. Auf diese Weise könnten die ab Mittwoch drohenden neuen Streiks ausgeschlossen werden, da während der Verhandlungen die Friedenspflicht gelte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was eine Lösung zusätzlich erschwert

Transnet-Chef Norbert Hansen: Auch er fordert ein neues Angebot von der Bahn. Foto: apLupe

Transnet-Chef Norbert Hansen: Auch er fordert ein neues Angebot von der Bahn. Foto: ap

Eine Lösung wird für die Bahn nicht einfach: Schon vor Beginn des Geheimtreffens zwischen Bahn und GDL forderte der Vorsitzende der Verkehrsgewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, im ZDF-Morgenmagazin ebenfalls ein neues Angebot der Bahn. Er gehe davon aus, dass die Bahn „auch die Interessen der übrigen Bahnangestellten“ bei dem Treffen berücksichtige. Auch Transnet führe mit der Bahnspitze seit Monaten Verhandlungen um die Verbesserung der Entgeltstruktur.

Das bisherige Angebot der Bahn enthält außer der Übernahme des Tarifabschlusses mit Transnet und GDBA zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit und günstigere Dienstpläne. Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für Entgelte und Arbeitszeiten und zudem Einkommensverbesserungen im zweistelligen Prozentbereich.

Transnet und die Gewerkschaft GDBA hatten für ihre Mitglieder eine Tariferhöhung von 4,5 Prozent durchgesetzt. Die GDL forderte für die Lokführer ursprünglich 31 Prozent mehr Lohn. Ihr Chef Manfred Schell war aber zuletzt davon abgerückt und hatte etwa 15 Prozent als realistisch bezeichnet. Hansen sagte dagegen: „Ich gehe davon aus, dass das Angebot auf jeden Fall auch die Interessen der übrigen Beschäftigten berücksichtigt und deswegen wird es problematisch sein, eine zweistellige Prozentzahl anzubieten.“ GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel warnte im Bayerischen Rundfunk vor unterschiedlichen Tarifregelungen innerhalb des Bahn-Konzerns.

Die Arbeitgeber warnten erneut vor einem eigenen Tarifvertrag für die Lokführer. „Sollte es der GDL gelingen, einen Spartentarifvertrag zu erzwingen, befürchte ich weitere Nachahmer“, sagte Verbandspräsident Dieter Hundt der Zeitung „Unternehmen“. „Keine Branche wäre sicher, dass nicht kleine Arbeitnehmergruppen, die Schlüsselpositionen besitzen, ihr Erpressungspotenzial ausnutzen.“

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