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Geschichte: Diskussion um Schickedanz in der NS-Zeit

Der Quelle-Gründer Gustav Schickedanz soll in Nazi-Verbrechen verstrickt gewesen sein - tiefer als bisher bekannt. Er soll sich an jüdischem Besitz bereichert haben. Doch die Historiker sind sich keineswegs einig. Über die Spekulationen um eine dunkle Vergangenheit.

von Ferdinand Knauss
Portrait des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz: Gerüchte um Nazi-Verstrickungen. Quelle: ap
Portrait des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz: Gerüchte um Nazi-Verstrickungen. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Unternehmenshistoriker kratzen immer wieder mit Blick auf die NS-Zeit am Ruhm deutscher Unternehmerlegenden. Gustav Schickedanz, Gründer des Versandhauses Quelle und Vater von Madeleine Schickedanz, soll tiefer in die Verbrechen der "Arisierung" verstrickt gewesen sein als bislang bekannt. Doch die Historiker sind sich in der Sicht auf Schickedanz keineswegs einig.

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Das Magazin "Cicero" (August-Ausgabe) beruft sich in einem Bericht auf Forschungen von Eckart Dietzfelbinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Demzufolge bereicherte sich der 1932 in die NSDAP eingetretene Unternehmensgründer Gustav Schickedanz im Dritten Reich an jüdischem Besitz. Dietzfelbinger sieht Schickedanz als Paradebeispiel eines Unternehmers, der durch politischen Opportunismus von den Nazis im Zuge der sogenannten Arisierung profitiert habe.

Allein zwischen 1933 und 1937 hat Schickedanz zehn Firmen und Grundstücke aus jüdischem Besitz übernommen, schreibt Dietzfelbinger. Dazu hätten unter anderem die Vereinigten Papierwerke in Nürnberg-Heroldsberg, die Brauerei Geismann in Fürth sowie die Firmen Baum & Mosbacher in Frankfurt, M. Ellern in Forchheim-Stadtsteinach und Ignatz Mayer in Nürnberg gehört.

Der Historiker Peter Zinke bestätigt die Kritik an Schickedanz. Bereits 2008 hat er im Jahrbuch des Nürnberger Instituts für NS-Forschung und jüdische Geschichte die Vorgehensweise des Quelle-Gründers geschildert. Mithilfe seiner Kontakte zur Gauleitung übte Schickedanz demnach Druck auf die jüdischen Besitzer aus. "Die Drohungen führten dazu, dass die Haus- und Fabrikbesitzer zum Verkauf genötigt wurden. Dies hat Schickedanz über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren genutzt", schreibt Zinke.

Gregor Schöllgen dagegen, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Erlangen, der den Nachlass von Schickedanz für eine Biografie sichtet, kommt zu einem sehr viel milderen Urteil. Dass Schickedanz als NSDAP-Mitglied sich den damaligen Machtverhältnissen anpasste und von ihnen profitierte, steht außer Frage. Aber die von ihm übernommenen Unternehmen seien schon vor der Machtübernahme schwer angeschlagen gewesen, schreibt Schöllgen in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine". Schickedanz habe den betroffenen jüdischen Unternehmern durch korrekte Verträge geholfen, ihre schwierige Lage im Rahmen des Möglichen zu klären.

"Gustav Schickedanz gehört zu den wenigen Unternehmern, die auch in dieser Zeit an den Maximen des Anstandes und der Redlichkeit festgehalten haben", schreibt Schöllgen. Dass Schickedanz zumindest kein überzeugter Nationalsozialist war, scheint außer Frage zu stehen: Der Sicherheitsdienst der SS vermerkt in einem Bericht im März 1939, dass der Quelle-Chef "bar jeder nationalsozialistischen Gesinnung und Verantwortung als Betriebsführer" sei.

Im Entnazifizierungsverfahren wurde Schickedanz beschuldigt, dass sieben der mehr als neun Millionen Mark seines Vermögens aus jüdischem Besitz stammten. Das Vermögen wurde zeitweilig beschlagnahmt, und er musste die Unternehmensleitung an seine Frau Gretel abgeben. Unter anderem der Fürsprache von Ludwig Erhard, damals bayrischer Wirtschaftsminister, verdankte Schickedanz, dass er 1949 rehabilitiert und als Mitläufer nur zu einer Geldstrafe von 2 000 Mark verurteilt wurde.

Die früheren Besitzer der Firmen jedoch klagten auf Rückerstattung. Schickedanz akzeptierte zwar keine Schuld, zahlte aber dennoch. "Zur Abgeltung der Rückerstattungsforderungen wendet Schickedanz deutlich mehr auf, als er während der dreißiger Jahre ohnehin für die Firmen beziehungsweise Aktienpakete gezahlt hatte", schreibt Schöllgen.

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