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Gesellschaftsspiele: Lehrstücke für Strategen

Moderne Gesellschaftsspiele können gute Einführungen in unternehmerisches Denken und Handeln sein. Mit Wirtschaftsspielen im historischen Gewand lernen selbst ausgebuffte Manager noch etwas am Spieltisch.

Die Siedler von Catan: Nur wer geschickt tauscht, kann auf Catan Siegpunkte holen. Quelle: J. Wollschläger
Die Siedler von Catan: Nur wer geschickt tauscht, kann auf Catan Siegpunkte holen. Quelle: J. Wollschläger

Kai-Oliver Brand ist verzweifelt. Der Associate Director der DZ Bank sucht nach Lehm. Nur damit kann er eine neue Produktionsstätte errichten und expandieren. Den perfekten Standort hat er schon gefunden: das Gebirge am Wald. Bauarbeiter haben dort einen Stollen in die Berge getrieben und ein riesiges Erzvorkommen entdeckt. Aber ohne Lehm kein Produktionsgebäude und kein Erz. Brand blickt zu seinem Konkurrenten. Er könnte Lehm liefern. Doch der Mitbewerber schüttelt den Kopf. Die Verhandlung ist beendet, bevor sie angefangen hat. Einen Trumpf hält Brandt noch in der Hand. Er spielt seine Kontakte zur Unterwelt aus. Räuber sabotieren in Brands Auftrag die gegnerische Lehmgrube und legen die Produktion lahm. Das Opfer nickt anerkennend. Kein feiner, aber ein guter, regelkonformer Zug.

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Spielwarenmarkt wächst kontinuierlich (Umsatz in Deutschland)

  • 2007

    2,2 Milliarden Euro

  • 2008

    2,29 Milliarden Euro

  • 2009

    2,38 Milliarden Euro

  • 2010

    2,5 Milliarden Euro

  • 2011

    2,64 Milliarden Euro

  • 2012

    2,7 Milliarden Euro (geschätzt)

    Quelle: DVSI, eurotoys, BVS, bvt-ev.de via Statista.de

Beim Gesellschaftsspiel "Die Siedler von Catan" kämpfen erfahrene Spieler mit harten Bandagen. Catan ist eines der erfolgreichsten Spiele der vergangenen Jahre - und ein Lehrstück in Ökonomie. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg erscheint diese Woche die vierte große Catan-Erweiterung. Sie heißt "Entdecker und Piraten" und macht das Spiel noch komplexer. Längst gibt es digitale Versionen für Laptops wie für Tablets oder Mobiltelefone. Auch andere Verlage präsentieren in Nürnberg Spiele, mit denen Manager strategisches Denken trainieren oder ihr Verhandlungsgeschick schulen (siehe Kasten Seite 102). "Im Spiel erfährt man viel über das Verhalten seiner Mitmenschen. Das hat auch im realen Leben Vorteile", sagt Klaus Teuber, der Erfinder von Catan.

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In seinem Spiel sammeln die Teilnehmer Lehm, Erz, Holz, Wolle und Getreide. Mit den Rohstoffen bauen sie Siedlungen oder investieren in den technischen Fortschritt. Das Grundspiel erfand der gelernte Zahntechniker 1995. Es ist Teubers Meisterwerk und hat sich weltweit über 18 Millionen Mal verkauft. Catan ist sozusagen das "Monopoly" der Neuzeit. Unter deutschen Managern hat es dem Klassiker bereits den Rang abgelaufen. Auf der Online-Plattform Xing verraten 228 Personen, dass sie "Die Siedler von Catan" mögen. Darunter Geschäftsführer, Unternehmensberater und Projektmanager. "Monopoly" kommt nur auf 72 Anhänger. Auch bei amerikanischen Managern ist Catan beliebt. Besonders viele Fans hat es im Silicon Valley. Der Facebook-Chef Mark Zuckerberg spielt es, schreibt die "Washington Post". Und der Mitbegründer von LinkedIn, Reid Hoffman, schwärmt im "Wall Street Journal": "Die unterschiedlichen Würfelergebnisse zwingen die Spieler ständig dazu, ihre Strategie an die veränderten Gegebenheiten anzupassen. Das ist, als ob man ein Startup leitet."

Chronik von Steiff Vom Nadelkissen zum liebsten Kinderspielzeug

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Brand ist glücklich. Auf diesen Moment hat er gewartet. Endlich ist die Summe der zwei weißen Würfel eine Sechs. Endlich produziert seine Siedlung Lehm. Das zeigt ein Chip auf der Lehmgrube an. Darauf prangt ebenfalls eine Sechs. Immer wenn Würfelergebnis und die Zahl auf dem Chip übereinstimmen, darf Brand Rohstoffe in die Hand nehmen. Sein Lager ist gefüllt. Zeit zu expandieren. Der Banker errichtet eine weitere Siedlung. Die Erzproduktion kann beginnen. Eine kluge Entscheidung: "Der größte Anfängerfehler ist es, zu Beginn den Bau von Siedlungen zu vernachlässigen und nur in die Siegpunktekarte ,Längste Handelsstraße' zu investieren", sagt Teuber.

„Das ist, als würde ein Unternehmen Investitionen tätigen, die kurzfristig das Renommee heben, aber keinen nachhaltigen Ertrag erwirtschaften.“

  • 03.02.2013, 19:15 Uhrmmschneider

    Auch Monopoly hat seine Lektionen zu lehren: der Unterschied zwischen Besitz und Eigentum, die unterschiedliche Bedeutung von Geld und Eigentumstiteln in unserer Gesellschaft (auch wenn ich alles Geld der Welt habe, nützt es mir nichts, wenn jemand anderem alles gehört), und dass das Entdecken neuer Märkte (in Monopoly wäre das equivalent mit dem Einführen neuer Spielfelder) neue Chancen für die Spieler zum investieren und Profit machen bietet, die sie anderenfalls nicht hätten, weil alles andere schon jemandem gehört, "monopolisiert" wurde.

  • 03.02.2013, 19:14 Uhrmmschneider

    Auch Monopoly hat seine Lektionen zu lehren: der Unterschied zwischen Besitz und Eigentum, die unterschiedliche Bedeutung von Geld und Eigentumstiteln in unserer Gesellschaft (auch wenn ich alles Geld der Welt habe, nützt es mir nichts, wenn jemand anderem alles gehört), und dass das Entdecken neuer Märkte (in Monopoly wäre das equivalent mit dem Einführen neuer Spielfelder) neue Chancen für die Spieler zum investieren und Profit machen bietet, die sie anderenfalls nicht hätten, weil alles andere schon jemandem gehört, "monopolisiert" wurde.

  • 03.02.2013, 19:13 Uhrmmschneider

    Auch Monopoly hat seine Lektionen zu lehren: der Unterschied zwischen Besitz und Eigentum, die unterschiedliche Bedeutung von Geld und Eigentumstiteln in unserer Gesellschaft (auch wenn ich alles Geld der Welt habe, nützt es mir nichts, wenn jemand anderem alles gehört), und dass das Entdecken neuer Märkte (in Monopoly wäre das equivalent mit dem Einführen neuer Spielfelder) neue Chancen für die Spieler zum investieren und Profit machen bietet, die sie anderenfalls nicht hätten, weil alles andere schon jemandem gehört, "monopolisiert" wurde.

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