
Das IdW und die „großen Vier“
Es wundert nicht, dass das Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW) die für die „großen Vier“ unangenehmen Pläne als „Irrweg ohne Beispiel“ bezeichnet.
Das IdW wird maßgeblich von den „großen Vier“ dominiert. Deshalb wird aus Kreisen der Wirtschaftsprüfung oft kritisiert, dass das IdW in erster Linie die Interessen seiner „großen Vier“ vertritt.
Das IdW ist ein privater Verein von Wirtschaftsprüfern. Die Beiträge der Mitglieder richten sich nach dem Umsatz und der Anzahl der Wirtschaftsprüfern. Hierzu zählen auch die angestellten Wirtschaftsprüfer. Die „großen Vier“ tragen deshalb zu einem ganz erheblichen Teil zum Beitragsaufkommen des IdW bei.
Süffisant ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass das IdW seinen Jahresabschluss vor den eigenen Mitgliedern geheim hält. Dieser wird nur einem internen Gremium vorgelegt. Wer in diesem Gremium in erster Linie vertreten ist, kann man sich leicht denken.

Nun endlich werden die wettbewerbswidrigen Geschäftspraktiken der "Big Four" beschnitten. Gezielt wurden seit Jahren die sogenannten Kleinst- und mittelgroße WP-Praxen in Deutschland aus dem Markt gedrängt durch die Big Four. Das Berufsbild des deutschen eigenverantwortlichen WP wurde durch die "Big Four" ad absurdum geführt. Es wird Zeit, dass sich hier der Mittelstand der deutschen WP's zur Wehr setzt. Die ersten Signale mit dem berufsständischen Verein WP.net und dem neuen WPK Präsidenten sind gesetzt.
Es müsste einmal der Öffentlichkeit ein offenes Bild gezeigt werden, welche Geschäftspraktiken bei den Big Four vorherrschen: Absolute Youngster werden hier mit Checklisten und elektronischen Prüfprogrammen (die alles vorgeben) auf die Mandanten losgelassen und "prüfen" der zuständige WP (Manager/Senior Manager/Direktor/Partner oder Equity-Partner) kommt meistens nur zum Small-Talk und Review der Nachweise. Im Mittlstand prüft der WP mit seinen Assistenden noch selbst und kennt die Belange und Bedürfnisse seiner Mandanten!

"Übernahme durch China"
Das ist das absurdeste und dümmste Gegen-Argument der Big4 seit langem.
Pro Oligopol-Zerschlagung!

Chinesische Wirtschaftsprüfer
Wer den Überblick vollständig verloren hat und schon mal 55 Milliarden übersieht, hat auch Angst vor Chinesischen Wirtschaftsprüfern in europäischen und amerikanischen Unternehmen.
Vielleicht wäre es auch ganz heilsam, die Finanzbranche durch Chinesen prüfen zu lassen. Dann würden die Risiken möglicherweise auch erkannt und Klartext geredet. Schlimmer als bisher kann das nämlich auch nicht werden.
Lehmann, IKG, Sachen-LB, HRE und und und lassen grüßen.
Hier kann man nur noch den Kopf schütteln.

Ich bin weder "Bestandteil" noch Befürworter des big4-Oligopols. Trotzdem kommt mir die europäische Initiative samt Argumentation herzerweichend naiv vor: wovon bitte ernähren sie größere mittelständische Gesellschaften? Von der Quersubventionierung durch lukrative Prüfaufträge - soll bitt keiner so tun als würden das nur die big4 machen.
Zum andere: Assis mit Checkliste und Prüfprogramm auch die sind (leider) nicht nur bei den big4 zu Hause. Wer soll die DAX-Konzerne denn prüfen? Schwer koordinierbare Kleinst-WPs mit unterscheidlichen Arbeitsmethoden? Zusammengekaufte größere mittelst. GEsellschaften, die mangels org. Wachtsumfähigekeiten zusammengekauft haben, was nciht bei 3 auf den Bäumen war (Stichwort Boutique)?
Was da aus der EU kommt, bewirkt nur, dass ein paar mehr eh schon größere Gesellschaften am lecker Kuchen der big4 teilhaben dürfen. Soll sich keiner einbilden, dass dadurch die Prüfungsqualität besser würde? Warum sollte sie? Der ggf. noch ehrlich motivierte KleinstWP bzw. Kleinakanzlei wird mangels Masse auch künftig nicht zum Zug kommen. Oder wie stellt man die die Ideale der EU vor: "Guten Tag Herr Maier. Sie sind doch WP. Könnten sie mal eben Daimler prüfen." Einfach nur nutzlos wie eine Quecksilberlampe.

Teilweise tragen Sie hier wirklich sehr gute Ansätze vor. Jedoch sollten wir uns alle einmal ein internes Bild von den Big4 und deren Arbeitsmethoden machen, die teilweise wirklich menschenverachtend sind. Kennen Sie das Buch die Firma von John Grisham, dies stellt wirklich noch die harmlose Version des Alltags bei einer der Big4 Gesellschaft dar.

EU-Argumentation ist wohl, Neutralität und Prüfqualität verbessern zu wollen. Mein "Ansatz" zusammengefasst war einmal, dass die Gesellschaften unterhalb den big4 ebensowenig neutral weil ebenso querbeauftragt sind. Warum die Prüfqualität bei kleineren Gesellschaften und JointAudits besser werden soll, erschließt sich mir auch nciht. Wer jemals Teams koordinieren musste, weiß, dass die Fehleranfälligkeit mit dem Koordinationsaufwand steigt.
die "Menschenverachtung" aber, die Sie nennen, ist NICHT von der EU-Initiative erfasst und wird auch durch keine solche abzuschaffen sein. Zudem haben auch die die big4 nicht exklusiv gepachtet.

Zusatz:
HRE und die 55 MRD wurden genannt. Nun besteht hier die Panne aus mindestens 2 Teilen:
einmal die, die den Fehler machten - warum? und dann erst die, die ihn nicht bemerkt haben (oder absichtlich nicht bemerkten, weil man bei der möglicherweise geplanten Bilanzverängerung einfach übersehen hat, welche Auswirkungen das auf die Statistik und damit auf den Ausweis der Staatsschulden hat).
Warums also nicht bemerkt wurde - nun ja.
Wies passieren konnte? Eine Vielzahl von Dienstleistern und Schnittstellen war beteiligt, bis die Zahlen in die Statistik gelangte. Also eine Vielzahl kleinerer Einheiten vermutlich ohne definierte Prozesse und Zuständigkeiten (wer saldiert?).
Bei gelingender EU-Initiative, mal unterstellt, würde nun ein Vielzahl kleiner WP-Gesellschaften mit unterschiedlichen Arbeitsweisen und schwieriger Koordination dort prüfen. Not trifft Elend: dass die hier wachsamer wären, ist nicht so wahrscheinlich. Und angenommen EINER von den "Kleinen" bemerkt den Fehler: wo würde der sich unbeliebt machen, nachdem er mit Mühe, unter Preisdruck und ressourcenknapp ein so tolles Mandat ergattern konnte? Zumal im Entdeckensfall eben auch auf prüferseite keine eindeutig "Schuldiger" (heute noch PWC) gefunden werden könnte. Es wäre also wesetnlich attraktiver für den aufmerksamen Kleinen, die Klappe zu halten, zumal er sich im Zweifel nicht (allein-)verantworltlich in der Rolle des Schuldigen findet.

Warum gehen hier Sie gezielt so gegen die mittelständischen und Kleinstpraxen vor? Sind Sie ein Mitarbeiter der Big4, aus der PR Abteilung vom IdW oder einer von den 60 Lobbyisten, den PWC durch die Bundesrepublik schickt. Das System der Big4 stört mich und jeder der dort einmal gearbeitet hat kann dies (einen gesunden Menschenverstand unterstellt) verstehen. Die Big4 saugen die Hochschulabsolventen ab (geben hier dem Mittelstand gar keine Chance; siehe auch der neue Master of Accounting, der eine Vorbereitung auf das WP Examen ist, gestützt von IdW und den Big4, leider hat der Mittelstand hier keine Chance mitzuhalten, obwohl der Mittelstand wirklich in vielen Bereichen viel interessanter ist). Dann die Laufbahn bei den Big4: StB Examen dann WP und dies alles bei 70 - 80 Wochenstunden Arbeitszeit und wirklich ein ganz geringes Gehalt bei den Big4 für die Manager / Senior Manager, weil jeder will ja mal Partner oder sogar Equity-Partner werden! Was dann dort für Machtspielchen ablaufen und mit welcher Härte und Brutalität hier dann gearbeitet wird.....dies kann wirklich mehr als ein Burn-Out Syndrom hervorrufen! Und dann wenn, man das berühmte Partner Assessment Center nicht geschafft hat, dann wird aktiv von den Vorgesetzten an der Exitstrategie des Mitarbeiters gearbeitet. Halten Sie diese Geschäftsgebahren für fair und in Einklang mit den sogenannten Value Charters, die sich die Big4 gegeben haben?

Warum so böse? Ich hatte bei meiner ersten Äußerung bereits vorangestellt, dass ich nix mit den big4 zu tun habe.
Ich weise lediglich darauf hin, dass anderswo auch nur mit Wasser gekocht wird. Und dass Moral eben nicht verordenbar ist durch die EU.
Lassen Sies gut sein mit Ihrer Empörung: auch wenn Sie mir hier PR-Qualitäten unterstellen (danke sehr!), was ich schreibe, ist nur meine Privatmeinung.
Den wettbewerbsrechtlichen Aspekt, der hier immer wieder anklingt, finde ich interessant:soweit ich mich damit beschäftigt habe (nicht sehr;-)) ist die Intention der EU hier eigentlich keine in erster Linie wettbewerbsrechtliche, sonder die Argumentation zielt auf Qualität und Unabhängigkeit vom Mandanten. Allerdings ist das WWR vermutlich dann der einzige wirkliche Effekt der Maßnahme: die Zerschlagung der Großen, damit die anderen auch was von der Beute haben. Bitte um Verzeihung vorab an Moralwächter - der Grat zwischen Nüchternheit und Zynismus ist manchmal recht schmal;-)