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30.04.2008 
Marktforscher

GfK findet starken Partner

von Joachim Hofer und Dirk-Hinrich Heilmann

Die Tage des traditionsreichen Marktforschers GfK sind gezählt. Am Dienstag teilte das Nürnberger Unternehmen mit, dass es mit dem Londoner Wettbewerber Taylor Nelson Sofre (TNS) über eine Fusion verhandele. Die Gespräche seien bereits weit fortgeschritten und eine nicht bindende Vorvereinbarung unterzeichnet, hieß es.

NÜRNBERG/LONDON. An der Börse kamen die Pläne gestern gut an. Die GfK-Aktie war mit einem Kursplus von zeitweise über acht Prozent einer der größten Gewinner im SDax. Der TNS-Kurs legte in London sogar um mehr als 16 Prozent zu. Die Euphorie hat ihren Grund: "Gemeinsam können beide Unternehmen ein höheres Wachstum generieren", urteilten die Analysten der LBBW.

Durch den Zusammenschluss entsteht das zweitgrößte Marktforschungsunternehmen der Welt. Ziel ist es, die Dienstleistungen künftig weltweit anzubieten. "Die kombinierte Gruppe wäre in der Lage, all ihren Kunden noch effizienter eine größere Breite zu bieten", teilten die beiden Unternehmen mit.

Experten sind sich allerdings noch nicht sicher, ob der Deal wie geplant über die Bühne geht. Die Analystin Lorna Tilbian vom Brokerhaus Numis Securities in London glaubt, dass die Fusionspläne zu Gegenangeboten für TNS führen könnten. Als Kandidaten sieht sie den britischen Werberiesen WPP und Finanzinvestoren. Auch Alex De Groote vom Brokerhaus Panmure Gordon hält es für möglich, dass Dritte sich mit einer Offerte für TNS in die Fusion hineindrängen könnten. Womöglich könnten fremde Bieter auf das Wohlwollen der Anteilseigner zählen, meint De Groote. Schließlich könnten Anleger enttäuscht sein, weil sie keine Prämie auf den Aktienkurs erhalten.


Tabelle  Infografik: Die größten Marktforscher


Für Nürnberg ist die Fusion ein schwerer Schlag, denn der neue Konzern wird künftig von London aus gesteuert. Zudem soll TNS-Chef David Lowden die Führung übernehmen. GfK-Chef Klaus Wübbenhorst bleibt lediglich ein Sitz im Aufsichtsrat.

Die GfK-Aktionäre sollen im Zuge des Zusammenschlusses TNS-Aktien bekommen. Die Anteilseigner der beiden Unternehmen würden, so der Plan, nach Abschluss der Transaktion je die Hälfte der Aktien halten. Details stünden aber noch nicht fest.

GfK und TNS analysieren weltweit, wie sich die Menschen verhalten. Dabei messen die Unternehmen den Handyabsatz in China genauso wie die Einschaltquoten der TV-Sender in Deutschland. Rund 25 Mrd. Dollar werden jedes Jahr für Marktforschung ausgegeben. Vor allem in Schwellenländern wächst das Geschäft rasant.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der starke Zweite hinter Nielsen

Die 1935 gegründete GfK hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. Vorstandschef Wübbenhorst richtete das Unternehmen seit dem Börsengang 1999 konsequent auf Wachstum aus. Dafür übernahm er einige Dutzend Unternehmen. Mit dem Kauf von NOP vor drei Jahren für 570 Mill. Euro machte der Konzern den größten Sprung. Wie schnell die GfK gewachsen ist, zeigt der Vergleich mit 1999: Damals lag der Umsatz bei 375 Mill. Euro. Für das laufende Jahr rechnet die LBBW mit mehr als 1,2 Mrd. Euro.

Durch das enorme Wachstum wurde die Fusion mit TNS überhaupt erst möglich. In Unternehmenskreisen heißt es, Wübbenhorst und Lowden hätten schon lange über ein Zusammengehen nachgedacht. Früher sei die GfK für einen Zusammenschluss unter Gleichen, wie er jetzt angestrebt wird, aber zu klein gewesen. "Ich war immer der Meinung, dass eine Kombination von GfK und TNS im besten Interesse unserer Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre ist", sagte Wübbenhorst. Größter Gesellschafter des neuen Konzerns wird der Nürnberger GfK-Verein sein mit einem Anteil von 28 Prozent. Die Franken werden mit dem bisherigen Aufsichtsratschef der GfK, Hans Joachim Riesenbeck, einen der zwei Chairmen des Konzerns stellen.


Der starke Zweite hinter Nielsen

Aufholjagd: Kommt der Zusammenschluss von TNS und GfK zustande, entsteht die Nummer zwei in der Branche hinter Marktführer Nielsen. Damit steigt die Konzentration in der Industrie weiter. Schon machen die zehn größten Anbieter rund 60 Prozent vom Umsatz.

Größe zählt: Die Kunden der Marktforscher sind oft Konzerne, die ihre Produkte weltweit anbieten. Sie brauchen vergleichbare Daten. Die könnten TNS und GfK dann verstärkt anbieten - und so zur Alternative für Nielsen-Kunden werden, die nicht bei demselben Marktforscher wie ihr Konkurrent sein wollen.

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