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GfK-Studie: Pferdefleisch-Skandal stoppt Höhenflug für Tiefkühlkost

Schlagartiger Rückgang: Der Absatz von Fertiggerichten aus Tiefkühltruhe und Supermarktregal ging nach dem Pferdefleischskandal deutlich zurück. Lange wuchs das Segment kräftig, und stürzt nun umso heftiger ab.

Lasagne von „Gut & Günstig": Nach Bekanntwerden des Skandals schnell aus den Märkten verschwunden. Quelle: dpa
Lasagne von „Gut & Günstig": Nach Bekanntwerden des Skandals schnell aus den Märkten verschwunden. Quelle: dpa

NürnbergDer Pferdefleisch-Skandal hat den Verbrauchern nach Daten des Marktforschungsunternehmens GfK kräftig auf den Magen geschlagen. Als Mitte Februar auch in Deutschland Produkte mit Pferde- statt Rindfleisch auftauchten, sei die Nachfrage beispielsweise nach Tiefkühl-Lasagne und Tiefkühl-Cannelloni schlagartig zurückgegangen, berichtete die GfK. Kräftig abwärts ging es demnach auch mit dem Absatz von Fertiggerichten in der Dose oder Schale wie Rindergulasch oder Ravioli.

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Pferdefleischskandal Herr Marggarf sucht den Schuldigen

Die täglich neuen Meldungen um Pferdefleisch in Produkten verunsichern die Verbraucher.

Pferdefleischskandal: Herr Marggarf sucht den Schuldigen

Nachdem sich die Liste der mit Pferdefleisch versetzten Produkte täglich verlängert habe, sei der Aufstieg der eigentlich immer beliebteren Tiefkühl-Fertiggerichte erst einmal gestoppt, hieß es in der Studie. „Ein kräftiges Wachstum ist in ein zum Teil noch kräftigeres Minus umgeschlagen.“ Es bleibe aber abzuwarten, ob sich der Trend in den Märzwochen fortgesetzt habe.

Wer alles Pferd gefunden hat

  • Aldi Nord

    In „Tiefkühl Penne Bolognese 750 g“ und „Gulasch 540 g Dose, Sorte Rind“ hat Aldi Nord Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen. Das Gulasch des Lieferanten Omnimax sei nur in den Regionalgesellschaften im Raum Magdeburg, im Raum Süd-Ost-Berlin, in Süd-Ost-Brandenburg und in Hoyerswerda vertrieben worden. Die „Tiefkühl Penne Bolognese“ eines anderen Lieferanten sei in allen deutschen Filialen von Aldi Nord verkauft worden.

    Ende Februar nahm Aldi Nord zudem Zigeuner Hacksteaks des Lieferanten Wingert Foods aus dem Sortiment.

  • Aldi Süd

    Aldi Süd nahm Dosen-Ravioli und -Gulasch aus den Regalen. Bei Analysen wurden bei den Produkten nach Angaben des Discounters "Anteile von Pferdefleisch" nachgewiesen. Es handelt sich demnach um "Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)" der Eigenmarke "Cucina" vom Lieferanten BLM sowie um "Gulasch, 450 g Dose (Sorte Rind)" des Lieferanten Omnimax, das ausschließlich in Nordrhein-Westfalen verkauft wurde.

  • Edeka

    Edeka stellte in Stichproben von Lasagne der Eigenmarke "Gut & Günstig" nach eigenen Angaben "geringe Pferdefleisch-Anteile" fest. Der Verkauf des Tiefkühlprodukts wurde gestoppt. Deutschlands größte Supermarktkette prüft weitere Artikel. Bei anderen Produkten liegen demnach aber bislang "keine Hinweise auf vergleichbare Probleme" vor. Laut Verbraucherzentrale Hamburg wurden auch Filialen der regionalen Supermarktkette Konsum Leipzig in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit der Edeka-Lasagne beliefert.

  • Eismann

    Eismann stellte in zwei Lasagne-Produkten Pferdefleisch fest. Den Verkauf der betroffenen Ware stoppte der Tiefkühl-Heimservice nach einem ersten Verdacht. Verbraucher können die Ware Eismann-Verkäufern zurückgeben und bekommen das Geld zurück. Weitere Produkte neben der Lasagne sind laut Eismann nicht betroffen.

  • Ikea

    Tschechische Behörden haben Ende Februar in gefrorenen Hackbällchen („Köttbullar“) Pferde-DNA nachgewiesen.

  • Kaiser's Tengelmann

    Kaiser's Tengelmann nahm Lasagne der Eigenmarke A&P aus dem Verkauf. Die Supermarktkette rechnet inzwischen fest damit, dass das Tiefkühl-Produkt neben Rindfleisch auch Pferdefleisch enthält. Kaiser's Tengelmann wurde eigenen Angaben zufolge vom französischen Hersteller Comigel offiziell informiert, dass die von ihm für seine Kunden hergestellten Fertiggerichte "durchgängig Anteile von Pferdefleisch enthalten". Kaiser's Tengelmann hat auch eigene Tests beantragt, deren Ergebnis noch nicht bekannt ist.

  • Lidl

    Lidl stoppte in Deutschland den Verkauf von Rindfleisch-Tortelloni der Eigenmarke Combino, nachdem Kontrolleure in Österreich darin Anteile von Pferdefleisch gefunden hatten. Der Hersteller der Nudelprodukte, Hilcona aus dem Fürstentum Liechtenstein, erklärte, er verarbeite selbst kein Frischfleisch, sondern beziehe dieses von Lieferanten. Das mit Pferdefleisch durchsetzte Rindfleisch für die Tortelloni lieferte demnach die Firma Vossko aus Ostwestfalen. Sie wiederum prüft nun, welcher ihrer Lieferanten rohes Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte.

  • Real

    Real rief "TiP Lasagne Bolognese, 400g, tiefgekühlt" zurück. Bei Laboruntersuchungen mit dem Produkt der Eigenmarke war in "einzelnen Stichproben" Pferdefleisch gefunden worden.

  • Rewe

    Rewe nahm sowohl Produkte aus dem Sortiment, welche die Supermarktkette unter ihrem eigenen Namen verkaufte, als auch Produkte eines Markenherstellers. Betroffen sind "Rewe Chili con Carne" und "Rewe Spaghetti Bolognese", die laut Rewe vom Unternehmen SGS Geniesser Service hergestellt wurden, sowie "Mou Lasagne Bolognese" und "Mou Cannelloni Bolognese" der Marke Tulip. Bei den Produkten der Eigenmarke und des Markenherstellers konnten die Produzenten Rewe zufolge nicht ausschließen, dass diese Anteile von Pferdefleisch enthalten.

  • Nestlé

    Bei Tests sei Pferde-DNA in zwei Nudel-Produkten nachgewiesen worden, für die ein deutsches Unternehmen Fleisch geliefert habe, teilte der Schweizer Konzern in einer Erklärung mit. Die in Italien und Spanien verkauften Sorten Buitoni-Rindfleischravioli und Rindfleisch-Tortellini seien daraufhin sofort freiwillig vom Markt genommen worden. In Deutschland würden diese Gerichte nicht vertrieben.

Bei der Aufklärung bescheinigte das Marktforschungsunternehmen dem Handel ein vorbildliches Verhalten. „Alle Händler haben umgehend ihre Produkte auf Pferdefleisch kontrolliert und die entsprechenden Artikel aus dem Regal genommen.“

Antworten zum Pferdefleisch-Skandal

  • Wie kam der Skandal ans Licht?

    Mitte Januar entdeckten irische Lebensmittelinspekteure bei Routinekontrollen zunächst Spuren von Pferdefleisch in Rindfleisch-Hamburgern. Es ging um Fertigprodukte der britischen Supermarktketten Tesco, Iceland, Aldi (UK) und Lidl (UK). Anfang Februar wurde in einer Fertigungsanlage und in einem Fleischlager in Irland weiteres Rindfleisch mit Pferdefleischspuren entdeckt. Daraufhin ordnete die britische Lebensmittelaufsicht umfangreiche Untersuchungen an. In der Folge wurden mit Pferdefleisch versetzte Rindfleischprodukte auch in Frankreich und Schweden entdeckt. Mittlerweile wurden auch in Deutschland in vielen Fällen falsch deklariertes Pferdefleisch gefunden.

  • Um welche Produkte geht es?

    Es geht um Tiefkühl-Fertigkost aus Hackfleisch, die größtenteils bei Discountern verkauft wird, darunter Rindfleisch-Lasagne, Spaghetti Bolognese und fertige Hamburger-Frikadellen. In den Produkten wurden teilweise zwischen 30 und 100 Prozent Pferdefleisch gefunden.

  • Wie kam Pferdefleisch in den Produktionskreislauf?

    Laut britischen Medienberichten handelt es sich um eine kriminelle „Pferdemafia“ in Rumänien. Das Fleisch wird demnach vor Ort verarbeitet und an französische Fleischverarbeitungsfirmen exportiert, die es nach Firmenangaben ohne Wissen darüber, dass es sich eigentlich um etwas Anderes handelt, als Rindfleisch verarbeitet haben. Mittlerweile zeigt sich jedoch, dass in den Pferdefleisch-Skandal europaweit mehr Unternehmen verwickelt sind, als bislang vermutet. Darunter auch deutsche Hersteller.

  • Welche Firmen sind in welchen Ländern involviert?

    In einem Fall geht es um den Tiefkühlhersteller Findus in Großbritannien (der nichts (mehr) mit Nestlé zu tun hat, auch wenn der Konzern eine gleichnamige Tochterfirma in der Schweiz hat). Er vertreibt Fertigkost der französischen Firma Comigel, die wiederum einen Teil ihres zu verarbeitenden Fleischs aus Rumänien bezieht und damit bei der luxemburgischen Firma Tavola produzieren lässt. Zwischen November 2012 und Ende Januar 2013 kamen mindesten 359.722 Packungen Lasagne und Cannelloni aus dem verdächtigen Betrieb in Luxemburg nach Deutschland. Comigel gibt an, das Fleisch vom französischen Lieferanten Spanghero bezogen zu haben. Dieser weist wiederum auf einen rumänischen Zulieferer hin. Eine weitere Spur führt laut französischen Regierungsangaben vom französischen Hersteller Poujol zu einem Händler nach Zypern.

  • Sind die Produkte gefährlich?

    Die Behörden sehen keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr durch den Verzehr von Pferdefleisch. Das Fleisch kann jedoch unter Umständen Spuren von Medikamenten enthalten. Es wird auf Rückstände des Schmerzmittels Phenylbutazon getestet. Erste Test-Resultate bestätigen den Verdacht. In französischen Tiefkühlprodukten sind Reste von Phenylbutazon enthalten. Es wird bei Pferden häufig therapeutisch angewendet, teilweise auch als Doping-Mittel im Pferdesport. In der Medizin ist es ein Medikament gegen Rheuma.

  • Wieso wurden Pferdefleischspuren nicht schon vorher entdeckt?

    In Großbritannien wurde Rindfleisch nach Angaben der Lebensmittelaufsichtsbehörde FSA in den vergangenen zehn Jahren nicht routinemäßig auf Pferdefleischspuren getestet. Eigentlich sollen solche Fälle durch das Passsystem verhindert werden. Seit 2009 braucht jedes Pferd in der Europäischen Union einen sogenannten Equidenpass, der unter anderem über Herkunft und Impfung des Tieres Auskunft geben soll. In Deutschland werden die Pässe auch durch Pferdezüchter- oder Reitsportverbände vergeben, was das System manipulationsfähig macht.

  • Wie haben die Firmen reagiert?

    Die Firmen haben die fraglichen Produkte sofort aus dem Handel genommen. In Deutschland waren bereits Aldi Nord, Aldi Süd, Eismann, Edeka, Kaiser´s, Kosnum Leipzig, Lidl, Metro, Real, Rewe und Tengelmann betroffen.

  • Wie reagieren die Behörden?

    Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will Konsequenzen aus dem Skandal mit falsch deklariertem Pferdefleisch in Fertigprodukten ziehen. Bei einem Treffen der Verbraucherminister von Bund und Ländern hat sie einen Entwurf für einen Nationalen Aktionsplan vorgelegt. EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg spricht indes von einer dauerhaften Einführung von DNA-Tests für Fleisch auf EU-Ebene.

  • Wie viel Pferdefleisch ist als Rindfleisch verzehrt worden?

    Die Behörden in Frankreich und anderen EU-Staaten wissen bisher nicht, seit wann und in welchem Umfang Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft wurde. „Das kann man nur sehr schwer feststellen“, sagte der Leiter der luxemburgischen Veterinärinspektion, Felix Wildschütz, der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem in Frankreich suchten die Behörden ältere Lagerbestände von Tiefkühlkost, um Proben zu entnehmen und auch die möglicherweise verwendeten Mengen von Pferdefleisch abschätzen zu können.

  • Wie ist Deutschland betroffen?

    In Deutschland sind seit Mitte Februar Fälle bekannt, in denen Händler mit Produkten beliefert wurden, die Pferde- statt Rindfleisch enthalten. Auch die britische Regierung gerät weiter unter Druck. Ein früherer Mitarbeiter der Lebensmittelaufsicht FSA will schon im April 2011 geholfen haben, einen Brief des größten britischen Pferdefleisch-Exporteurs High Peak Meat Exports an den damals zuständigen Minister aufzusetzen, in dem auf unzureichende Kontrollen in der Pferdefleischverarbeitung hingewiesen wurde.

  • 30.03.2013, 07:42 Uhrcucco

    Totales Versagen der Politiker auch bei der Einfuhr von Lebensmitteln. In den meisten anderen Laendern werden Produkte, die im eigenen Lande wachsen im Import mit hohen Zoellen belegt, nicht aber in Deutschland. So vergiften wir uns taeglich mit asiatischen Billigimporten und ukrainischen radioaktiv verunreinigten Lebensmitteln, wenn wir im Supermarkt Produkte kaufen, die keine eindeutige Herkunftsbescheinigung haben.

  • 29.03.2013, 15:28 UhrTransparenz1

    Die Focussierung auf Pferdefleisch ist zu eindimen-sional. Richtig ist, daß die Fertigmenue-Industrie ihre Produkte weltweit einkaufen und nachweisfrei verarbeiten kann (Beispiel: Gemüse). Es sind Erzeugernachweise sowie Qualitätsstandards - und Kontrollen entlang der gesamten Prozesskette zu erbringen bzw transparent zu machen. Und wenn es nicht auf der Verpackung darstellbar ist(aus Platzgründen),- dann steht es in der "Cloud" und zwar gesetzlich. Und der Handel hat Online-Lesegeräte (bedienbar auch für Ältere)am Regal bereitzustellen. So kann Verbraucher dann selbst entscheiden, ob er Fertigmenues mit Gemüse-Broccoli- Zutaten, zB aus China oder lieber aus anderen Regionen (Deutschland,EU etc) präferiert.

  • 29.03.2013, 12:40 Uhrnetshadow

    "Bei der Aufklärung bescheinigte das Marktforschungsunternehmen dem Handel ein vorbildliches Verhalten. „Alle Händler haben umgehend ihre Produkte auf Pferdefleisch kontrolliert und die entsprechenden Artikel aus dem Regal genommen.“ "

    klar, das Zeug wäre doch sowieso schlecht geworden.
    Schöner wäre ein echter Trend in dem man tatsächlich bewußter einkauft, und selbst wieder kochen lernt, und das auch seinen Kindern beibringt.
    Back to the roots, essen ist Leben, sozialer Sinn und Gemeinschaft. Es ist aber zur allgemeinen Abfütterung mutiert, kein Wunder das da Leute auf die Idee kommen, das der Verbraucher sowieso nicht mehr merkt was dieser alles durch die Futterluke einwirft.

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