„Unser Kampfgeist ist groß“
Handelsblatt: Herr Kremper, in den vergangenen Jahren haben kleine Newcomer im Schienengüterverkehr den Großen wie Railion durch Rosinenpickerei Geschäft weggenommen. Haben Sie diesen Trend gestoppt?
Kremper: In der Tat geht unsere Rechnung auf: Unsere Effizienzprogramme funktionieren. Wir sind flexibler am Markt und können so den Kunden individueller bedienen. Diesen Vorteil, den eine kleine Bahn hatte und durch den wir in der Vergangenheit Kunden verloren haben, haben wir kompensiert und konnten bereits einige zurückgewinnen. Unser Kampfgeist ist hier sehr groß.
Können Sie sich Kooperationen mit den Kleinen vorstellen?
Wir arbeiten seit jeher mit einer Vielzahl von kleineren und mittelgroßen Partnern – insbesondere im Nahbereich – zusammen. Deren Heimvorteil wollen wir auch in Zukunft nutzen.
Oder droht eine Re-Monopolisierung des Schienengüterverkehrs?
Eine Konsolidierung des Marktes wird es früher oder später geben, und zwar in erster Linie international. Nur eine große, wirtschaftlich gesunde Bahn verfügt im internationalen Transport- und Logistikgeschäft verkehrsträgerübergreifend über Netzwerke sowie Investitionskraft und ist auch solide genug, um konjunkturelle Hochs und Tiefs auszuhalten.
Der Wettbewerb hat bislang vorwiegend im Ganzzug-Geschäft stattgefunden. Nun konkurrieren Railion und SBB Cargo auch im wesentlich aufwendigeren Einzelwagengeschäft im jeweils anderen Heimatmarkt. Lohnt sich das?
Da muss die Wirtschaftlichkeit natürlich sehr genau geprüft werden. Im Fall Schweiz werden wir uns auf die lukrativen Geschäfte konzentrieren, die heute wesentlich zum Betriebsergebnis der SBB beitragen. Für diese können grenzüberschreitend Railion-Loks und speziell geschulte Railion-Lokführer eingesetzt werden. Wir erweitern also international unseren Leistungsbereich mit den vorhandenen Ressourcen.

