Das neue Jahr beginnt für den US-Finanzinvestor Blackstone wenig verheißungsvoll: Mit dem Scheitern der Übernahme des Fuhrpark-Managers PHH ist nicht nur ein Milliardendeal geplatzt. Experten sehen in dem Rückschlag auch ein Indiz dafür, dass die Durststrecke in der Beteiligungsbranche so schnell nicht vorüber sein wird.
Die aktuelle Krise der Kreditmärkte macht die Arbeit der Beteiligungsbranche zum Drahtseilakt
HB NEW YORK. Kein guter Start ins neue Jahr für Blackstone: Die Krise an den Kreditmärkten ließ gleich zu Beginn von 2008 erneut einen Milliardendeal des US-Finanzinvestors platzen. Das Scheitern der Übernahme des Fuhrpark-Managers PHH durch Blackstone und General Electric für 1,8 Mrd. Dollar ist ein Indiz dafür, dass die Durststrecke in der Beteiligungsbranche so schnell nicht vorüber sein wird. Weitere bereits vereinbarte Transaktionen vor allem in den USA stehen Experten zufolge wegen Finanzierungsproblemen auf der Kippe.
„Die Lage an den Kreditmärkten hat sich definitiv noch nicht verbessert“, sagte Portfoliomanager Mirko Mikelic vom Vermögensverwalter Fifth Third Asset Management. „Daher werden wir bis auf weiteres wohl keine größeren fremdfinanzierten Übernahmen sehen.“ Auch andere Experten erwarten in der ersten Jahreshälfte kaum Milliardendeals von Finanzinvestoren. Deren Bedeutung bei Großfusionen nahm bereits in den vergangenen Monaten rapide ab.
Daten von Thomson Financial zufolge haben Beteiligungsfirmen seit Juli weltweit nur eine Übernahme mit einem Wert von mehr als fünf Mrd. Dollar angekündigt nach 32 Deals in den ersten sieben Monaten. Demzufolge waren Finanzinvestoren im vierten Quartal gemessen am Volumen nur an neun Prozent der Fusionen beteiligt - der geringste Anteil seit fast vier Jahren. Zudem platzten einige bereits vereinbarte Zukäufe wie etwa die des US-Hifi-Geräteherstellers Harman International.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Vertrauenskrise dauert an
Der Grund für das drastische Abkühlen des Übernahmefiebers unter Investmentfirmen ist die Vertrauenskrise an den Kreditmärkten. Banken können die riskanten Milliardenkredite für diese Transaktionen nicht mehr an Investoren weiterverkaufen und werden daher bei der Vergabe der Darlehen deutlich restriktiver. In der Folge geraten viele Beteiligungsfirmen unter Druck, auch nach bereits geschlossener Übernahmevereinbarung noch günstigere Konditionen beim Verkäufer auszuhandeln. Dabei nehmen sie - wie möglicherweise auch Blackstone und GE - sogar Strafzahlungen für das Auflösen von Verträgen in Kauf.
„Dieser Trend wird ohne Frage weitergehen“, sagte Kreditexperte Sean Egan der Ratingfirma Egan-Jones Ratings. „Einige Transaktionen dürften platzen oder vor Gericht landen, wenn sie nicht doch noch billiger werden.“ Auch an den Märkten werden Übernahmen durch Beteiligungsfirmen nach dem Scheitern einiger Deals in den vergangenen Monaten skeptischer gesehen. Händler verweisen auf die teils deutliche Kluft zwischen dem angebotenen Preis für ein Übernahmeziel und dessen Marktkurs. So stehe beispielsweise der Kauf der Kunststoff-Firma Myers Industries durch die Private-Equitiy-Tochter von Goldman Sachs unter Druck.
GS Capital Partners hatte Mitte Dezember mehr Zeit für einen Abschluss der Transaktion gefordert. Der Myers-Kurs liegt derzeit rund acht Dollar unter dem im April vereinbarten Kaufpreis. Auch bei der Übernahme des Studentenkreditgebers Sallie Mae durch ein Konsortium um den Finanzinvestor J.C. Flowers für 25 Mrd. Dollar stehen die Zeichen auf rot. Beide Parteien streiten sich seit Monaten über eine Auflösung der Transaktion. Der Sallie-Mae-Kurs liegt mitterweile zwei Drittel unter dem vereinbarten Preis. Kaum ein Händler rechnet mehr mit einem Abschluss.

