
Berlin/SchönefeldFür den Hauptstadtflughafen gibt es offenbar einen neuen Chef: Laut einem Medienbericht soll der ehemalige Geschäftsführer des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, die Leitung in Berlin übernehmen. Der Aufsichtsrat habe dem 68-Jährigen ein entsprechendes Angebot unterbreitet, berichtet die „Bild“-Zeitung (Donnerstagausgabe). Bender soll sich demnach bis zum Wochenende Bedenkzeit erbeten haben.
Die Flughafengesellschaft wollte zu dem Bericht keine Angaben machen. „Wir äußern uns nicht zu Personalfragen“, sagte Sprecher Ralf Kunkel am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd.
Bender würde Rainer Schwarz ablösen, der wegen der mehrfachen Verschiebung des Flughafen-Eröffnungstermins im Januar seinen Hut nehmen musste. Über die Berufung des Nachfolgers entscheidet der Aufsichtsrat. Die nächste Sitzung ist für den 13. Februar geplant.
Der 56-jährige Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung, ist seit Monaten unter Beschuss. Er soll den Aufsichtsrat zu spät und unvollständig über die Riesenprobleme mit der Gebäudetechnik informiert haben. Seine Ablösung wird in Kürze erwartet.
Der 59-jährige Technikchef und erfahrene Planungsmanager wurde im August als Retter des Projekts aus Frankfurt nach Berlin geholt. Er versprach die Flughafeneröffnung im Oktober 2013, konnte das aber nicht halten.
Der 59-jährige regierende Bürgermeister von Berlin (SPD) will nach massiven Attacken als Chef des Flughafen-Aufsichtsrats zurücktreten. Wowereit will aber im Aufsichtsrat bleiben.
Der 59-jährige brandenburgische Ministerpräsident (SPD) ist bislang Stellvertreter Wowereits im Aufsichtsrat und soll diesem nun als Chef des Gremiums folgen. Angesichts der schwierigen Lage will Platzeck im Landtag eine Vertrauensfrage stellen.
Der 58-jährige Bundesverkehrsminister (CSU) hat in der Krise die Rolle des drängenden Aufklärers eingenommen. Im Ministerium richtete er eine Sonderkommission ein. Seit Wochen verlangt Ramsauer die Ablösung von Schwarz.
Der 48-jährige Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium ist Ramsauers Mann im Aufsichtsrat. Die Entscheidungen zu den Terminverschiebungen trug er ebenso mit wie die Erhöhung des Kostenrahmens um 1,2 Milliarden Euro.
Bender war von 1993 bis 2009 Vorstandsvorsitzender von Fraport, der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens. Mit Großprojekten kennt er sich aus: In seiner Amtszeit entstanden in Frankfurt die neue Landebahn sowie das zweite Terminal. Bender ist zurzeit Aufsichtsratschef beim Fußball-Erstligisten Eintracht Frankfurt und Vorsitzender des Europa-Aufsichtsrats von Bombardier.
Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: Neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.
Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.
Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.
Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin am 7. September als neuen Eröffnungstag fest.
Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass auch der Termin im Herbst des Jahres nicht zu halten sein wird. Frühestens 2014 wird das Großprojekt nun seiner Bestimmung übergeben werden können.
„Die Erwartungen an den neuen Flughafen-Geschäftsführer sind nicht gerade gering“, sagte die Berliner Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop. Zwar wollte auch sie sich nicht konkret zu der Personalie Bender äußern, aber sie forderte grundsätzlich von einem neuen Flughafen-Verantwortlichen eine „ehrliche“ Bestandsaufnahme mit einem klaren Zeit-, Finanz- und Bauplan. Ihre Partei wolle dem neuen Geschäftsführer dabei keinen Zeitdruck auferlegen. Es sei besser, eine solide Planung zu machen, als ständig neue Termine zu benennen. „Die Zeit der Schmierzettel muss vorbei sein“, sagte Pop.