_

Hohe Lebensmittelpreise: Händler gehen auf die Barrikaden

Zwischen dem Handel und der Lebensmittelindustrie wird der Ton rauer. Rewe-Chef Alain Caparros wirft den Lebensmittelherstellern übertriebene Profitgier vor. Die Nahrungsmittelkonzerne selbst weisen die Schuld von sich. Der US-Riese Kraft Foods sieht eher den Staat am Zug.

Rewe-Chef Alain Caparros: "Margen der Hersteller deutlich höher." Quelle: DAPD
Rewe-Chef Alain Caparros: "Margen der Hersteller deutlich höher." Quelle: DAPD

HB MÜNCHEN/BERLIN. Der Chef des Handelskonzerns Rewe, Alain Caparros, kritisiert die Preisanhebungspläne zahlreicher Lebensmittel-Hersteller. "Wir lehnen Erhöhungen der Preise durch die Lebensmittelindustrie ab", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Focus" laut einer Vorabmeldung vom Sonntag. Auch wenn sich Agrarrohstoffe aufgrund von Spekulationsgeschäften oder durch Unwetter-Katastrophen temporär verteuerten, könne das nicht eins zu eins an die Verbraucher durchgereicht werden. "Im Interesse der Kunden werden wir im Handel alles versuchen, um steigende Preise zu verhindern", sagte der Rewe-Chef.

Anzeige

Caparros verwies auf die Umsatzrenditen der großen Hersteller, die zwischen 15 und 30 Prozent lägen. "Die Margen der Hersteller liegen deutlich höher als die Margen des Handels", sagte der Franzose. Statt die Preise zu erhöhen, sollten die Produzenten lieber bei sich selbst nach Lösungen suchen. Er sei der Meinung, "dass die Lebensmittelindustrie jetzt einen Beitrag zur Dämpfung der Inflationsgefahr leisten muss - und das aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke auch kann".

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die Preise für Lebensmittel im Dezember 2010 auf Jahressicht um 3,6 Prozent gestiegen.

Derweil hat Kraft Foods als erster Nahrungsmittelkonzern wegen der zuletzt stark gestiegenen Preise für Rohkaffee den Staat um Hilfe gebeten. "Wir brauchen mehr Transparenz im Kaffeehandel. Ähnlich wie in den USA muss ein Gesetz auch bei uns dafür sorgen, dass Händler, die an den Börsen mit Lebensmitteln Geschäfte machen, eindeutig zu identifizieren sind", sagte Hubert Weber, Chef des Kaffeegeschäfts von Kraft Foods in Europa, der "Welt am Sonntag". Der Konzern ist mit Marken wie Jacobs oder Hag weltweit einer der größten Kaffee-Verkäufer.

"Kaffee ist seit einem halben Jahr eine der Top-Wetten der Finanzwelt geworden. Ob die Blase platzt oder ob das noch eine Weile so weitergeht, kann heute niemand wissen", sagte Weber. Wer nicht wolle, dass dadurch Lebensmittelpreise in die Höhe getrieben würden, müsse den Markt regulieren.

Der Rohkaffeepreis ist in den vergangenen Monaten um 50 Prozent gestiegen und hat an den wichtigsten Börsen für Kaffeebohnen, in New York und London, Rekordhöhen von weit mehr als zwei Dollar (1,50 Euro) für ein Pfund erreicht.

  • 07.02.2011, 16:55 UhrAnonymer Benutzer: aktivkohle

    Der Kaffee ist nur in Deutschland für Endverbraucher so teuer: gestern habe ich in Luxemburg je 1kg Tchibo Espresse für 5,99€ (kein Angebot). Dieser Kaffee kostet in Deutschland im Angebot 9,99€, regulär 13,99 - 14,99€.
    Diese Differenz würde ich gerne verstehen!

  • 07.02.2011, 01:51 UhrAnonymer Benutzer: Wolfgang Press

    Kraft liegt nicht unbeding falsch. Die Hauptschuld an der Explosion der Agrapreise trägt die Politik. Die Politik die bio über alles stellt sorgt dafür dass landwirtschaftliche Produkte die der menschlichen und tierischen Ernährung dienen sollten, zu allem möglichen biokram, vornehmlich Sprit verarbeitet werden. bei einem Flug über Java oder Malaysia ist zu sehen, was Politiker wie Merkel, der CDU-Grüne Röttgen und die bündnisGrünen anrichten. Ölpalmen, Ölpalmen und einige Reisfelder. in indonesien können sich die Menschen Palmöl kaum noch leisten wei das Zeug zur befriedigung der biofaschisten exportiert wird. Das gilt auch für Ägypten. bio wird angebaut und exportiert und das Volk hat nicht zu fressen. Und zu allem Übel steigt die Weltbevölkerung weiter. Die Probleme wurden vornehmlich aufgrund einer verwerflichen ideologie von der Politik geschaffen.

  • 06.02.2011, 23:15 UhrAnonymer Benutzer: fragen

    Wie wäre es mal den Kapitalismus zu nutzen und über den Konsum zu bestimmen, welche Produkte sich gut verkaufen und welche nicht? Wie wäre es, wenn man die sozialen und ökologischen bedingungen bei der Produktion in die Entscheidung zum Konsum einfließen lässt?
    Zu einfach?
    Verwundert mich nicht.

  • Die aktuellen Top-Themen
Frauen gefragt: Dax-Aufsichtsräte werden weiblicher

Dax-Aufsichtsräte werden weiblicher

Der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten der DAX-Konzerne ist gestiegen. In ein paar Jahren könnten sie bereits knapp ein Drittel ausmachen. Das ist allerdings nicht der einzige Trend, der in den Gremien auffällt.

Die teuerste Werbefläche: Das Trikot-Sponsoring als Millionengeschäft

Das Trikot-Sponsoring als Millionengeschäft

Der Werbeplatz auf dem Bundesliga-Trikot ist beliebt - und kostspielig. Und die Preise dürften weiter steigen. Derzeit ist bei Werder Bremen wieder ein Fleckchen zu haben. Interessenten gibt es genug.

  • Video

Projekt Zukunft Wie die Dinosaurier-Forschung hilft, heutige Probleme zu lösen - ein Gespräch mit Oliver Wings

Ein Gespräch mit Dr. Oliver Wings, Dinosaurier-Forscher, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, über den Nutzen der Dino-Forschung für die moderne Wissenschaft

„Best Lawyers“-Datenbank Die Top-Wirtschaftsanwälte weltweit

Finden Sie für jeden Fall den Richtigen: Der US-Verlag Best Lawyers hat nach der Methode „Anwalt empfiehlt Anwalt“ zusammengetragen, welche Kanzleien für welches Fachgebiet bei der eigenen Profession hoch im Kurs stehen.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.