Von einem Gemischtwarenladen würde John Morrison aber wohl nicht reden. Der 54-jährige Australier ist Chef von Man Investments. Und für ihn ist die Hedge-Fonds-Sparte so etwas Ähnliches wie die Swatch-Gruppe, zu der viele Uhrenhersteller gehören. „Wir bieten für jeden Geschmack etwas.“
Da sind zum Beispiel die Fonds der Tochtergesellschaften AHL und Bayswater, die auf hoch komplexen Computerprogrammen basieren. Die Rechner werten riesige Datenmengen aus und versuchen daraus Trends an den Terminmärkten rund um die Welt herauszufiltern, von denen die Fonds profitieren können.
Dagegen gehen die Man-Investments-Töchter RMF, Glenwood und Man Global Strategies keine eigenen Wetten ein. Sie setzen ihr Geld vielmehr auf die besten Spieler an den Märkten. Aufgabe der drei Ableger ist es, aus dem riesigen Meer der Hedge-Fonds die profiliertesten Manager herauszupicken und daraus Portfolios für die Kunden zu basteln. Funds of Funds oder Dachfonds nennt sich dieses Modell. Durch eine breite Streuung soll es helfen, die Risiken von Hedge-Fonds-Investitionen zu senken.
Morrison lenkt all die Hedge-Fonds-Töchter in einem unprätentiösen Neubau am Rand von Pfäffikon. Hinter dem Gebäude liegt ein Altenheim, davor die Hauptstraße, auf der sich eher selten mal zwei Autos begegnen. Von innen wirkt das Hauptquartier so schlicht wie von außen, nüchtern eingerichtete Großraumbüros, in denen meist junge Leute vor Computern sitzen. Keine schweren Teppiche, keine alten Meister an den Wänden, noch nicht mal moderne Kunst. Dies könnte als Niederlassung einer Stadtsparkasse durchgehen und Morrison als ihr Leiter. Der Mann wirkt entspannt, aber nicht cool, intelligent, aber nicht schlitzohrig, vor allem aber wirkt er vorsichtig, das höfliche Lächeln verbirgt mehr, als es preisgibt.
Von einem schlechten Ruf seiner Branche will Morrison nichts wissen, genauso wenig von systemgefährdenden Risiken oder strengeren Kontrollen. Alles Klischees und Vorurteile. Doch ganz so sagt er das nicht: Die Branche habe sich in den vergangenen Jahren verändert – eindeutig zum Besseren. „Hedge-Fonds sind inzwischen sehr institutionalisiert. Dies hat das Geschäft deutlich stabiler werden lassen und uns gezwungen, unsere Transparenz gegenüber den Kunden zu erhöhen und unser Risikomanagement zu verbessern.“
In den vergangenen 15 Jahren haben sich Hedge-Fonds von einem exotischen Randbereich des Finanzuniversums zu einer Billionen-Dollar-Industrie entwickelt. Während der großen Börsenkrise um die Jahrtausendwende entdeckten viele Anleger den Reiz der spekulativen, kaum regulierten Fonds. Mit ihren komplexen Wetten auf Aktien, Devisen, Anleihen, Rohstoffe und hundert andere Vermögensarten können sie auch bei fallenden Kursen Gewinne machen.
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