Eigentlich ist Patrick Gysin so etwas wie ein Berufsparanoiker, jemand, der ständig misstrauisch und wachsam ist, der nach Chancen sucht, aber gleichzeitig hinter jeder Ecke Risiken fürchten muss. Die Aufgabe des jungen Managers ist es, für die Man-Tochter RMF Hedge-Fonds auszusuchen und vor allem zu kontrollieren. Er konzentriert sich dabei auf eine Strategie: Gysin wählt Hedge-Fondsmanager aus, die an der Börse mit dem Kauf von unterbewerteten und dem Verkauf von überbewerteten Aktien Geld verdienen – Long-Short-Equity heißt das bei den Finanzprofis.
Das kann deutlich nervenaufreibender sein, als es zunächst klingt. „Wenn ein Manager seine Ziele wiederholt verfehlt, fragen wir uns natürlich: Haben auch wir vielleicht etwas falsch gemacht? Was haben wir übersehen? Haben wir etwas falsch verstanden? Hätten wir früher eingreifen müssen?“
Gysin sorgt sich zurecht. Denn wie genau die Spekulanten ihr Geld verdienen, bleibt im Details doch deren Berufsgeheimnis. Selbst Großinvestoren, die Millionen in einen Hedge-Fonds stecken, können nicht in das Innerste der Geldmaschinen schauen. Am Ende müssen sich die Anleger darauf verlassen, was ihnen die Fonds mitteilen.
Eines der größten Risiken der Branche nennt sich Style Drift. Hedge-Fonds-Manager laufen plötzlich aus dem Ruder und machen etwas ganz anderes, als das, wofür sie eigentlich bezahlt werden. Ein Hedge-Fonds, der eigentlich in europäische Wachstumsaktien investieren soll, steigt beispielsweise plötzlich groß an der japanischen Börse ein.
„Graduelle Veränderungen bei der Strategie sind völlig in Ordnung. Wenn es allerdings zu radikalen Verschiebungen kommt, dann werden wir schon hellhörig und erkundigen uns nach den Gründen“, erzählt Gysin. Um solche Pannen zu verhindern, hält der Man-Manager ständigen Kontakt mit seinen Schützlingen, kontrolliert nicht nur Ergebnisse und Strategien, sondern auch das Risikomanagement, die Qualität des Personals und hundert andere Variablen. „Der Manager, seine Strategie und sein Produkt müssen zusammenpassen – wie bei einem Puzzle“, sagt Gysin. Aber am Ende, wenn alle harten Kriterien abgearbeitet sind, „spielen natürlich auch Erfahrung und Bauchgefühl eine Rolle“.
Doch manchmal helfen selbst die härtesten Kontrollen und die besten Instinkte nichts. In der Regel melden die Hedge-Fonds ihre Ergebnisse einmal wöchentlich an ihre großen Investoren. Doch eine Woche kann eine lange Zeit sein. Brian Hunter, der ehemalige Starhändler des Hedge-Fonds Amaranth, brauchte im vergangenen Herbst nur fünf Werktage, um mit einer Wette auf den Erdgasmarkt den Betrag von sechs Milliarden Dollar zu versenken. Der Kollaps von Amaranth schickte damals Schockwellen um den ganzen Globus. Das Beben war selbst im idyllischen Pfäffikon noch deutlich zu spüren. Auch die Man-Fonds hatten Amaranth Kapital anvertraut.
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